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Auf dem Weg zur guten Fahrradstadt

Die Zukunft der Berliner Radinfrastruktur wird gegenwärtig viel diskutiert. Durch das neue Mobilitätsgesetz ist die Erwartungshaltung in der Öffentlichkeit sehr hoch und die Relevanz dieses Themas für Verwaltung und Bürger*innen wird sich weiter verstärken.

In Berlin existieren diverse Initiativen und Unternehmen, die sich mit der Schnittstelle von Radverkehr und Digitalisierung befassen. Oft fehlen ihnen aber bislang die Datengrundlage oder die digitalen Schnittstellen in der Verwaltung, um ihre Ideen weiter voranzutreiben. Die Bezirks- und Hauptverwaltungen in Berlin können hier unterstützen, indem sie – ganz im Sinne der Berliner Open Data-Strategie – ihre entsprechenden Datenbestände leichter zugänglich machen. Erfahrungen aus anderen Feldern zeigen, dass neben den Bürger*innen auch die Verwaltung selbst von einer solchen Öffnung profitieren kann, da die interne Kommunikation erleichtert und Wissen schneller ausgetauscht wird.

Um die bisherige Lücke zu schließen, haben die Open Data Informationsstelle gefördert durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe und das Projekt Fix My Berlin die Berliner Verwaltungsmitarbeiter*innen und ausgewählte Akteure, die Fahrraddaten erzeugen oder aufbereiten, zu einem gemeinsamen Arbeitstreffen eingeladen.

Welche Bedarfe an radbezogenen Daten gibt es aktuell in Berlin, und wie können Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung zusammenarbeiten, um diese Daten zum Wohle aller Bürger*innen zu nutzen?

Sichere Radwege durch Datencheck

Wie die Fragestellungen in der Praxis umgesetzt werden können, zeigt ein Projekt der Initiative FixMyBerlin, die in enger Zusammenarbeit mit der Open Data Informationsstelle gefördert durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe die Berliner Radwege besser und vor allen Dingen sicherer machen will. Dafür hat das Team aus Entwicklern, Designern, Verkehrsplanern und Datenspezialisten alle geplanten Bauvorhaben zusammengetragen und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Auf einer interaktiven Karte kann man sehen, wo genau ein neuer Radweg in der Hauptstadt entstehen soll und in welcher Phase sich das jeweilige Bauvorhaben gerade befindet – dargestellt in Echtzeit. Auf dem Weg zur guten Fahrradstadt hat das Leuchtturm-Projekt einen sogenannten „Happy-Bike-Index“ entwickelt, der dem Bürger darlegt, welche Wege sicher sind und welche momentan noch nicht.

Der Happy-Bike-Index

Um diesen Index zu ermitteln, spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: So wird beispielsweise darauf geachtet, wie viele Autos auf einer Straße unterwegs sind, wie schnell sie fahren dürfen und um welche Art von Radwegen es sich handelt. Die Ergebnisse reichen dann von „sehr schlecht“ bis „super“. Das Team von FixMyBerlin arbeitet gerade daran, weitere Daten zu integrieren, welche die Breite und Oberfläche der Radwege mit einbeziehen: „In Zukunft soll auch das Konfliktpotential mit Fußgängern abgefragt werden, denn Rad- und Fußverkehr sollten auf keinen Fall in Konflikt geraten“, erläutert Kreativleiter Heiko Rintelen.

Bürger sollen mitbestimmen

Im November wurden in einem gemeinsamen Workshop mit der Open-Data-Informationsstelle, FixMyBerlin, den Mitarbeiterinnen für Öffentlichkeitsarbeit, den Datenbeauftragten aus den Berliner Bezirken und den Senatsverwaltungen Strategien und Maßnahmen erarbeitet, um die Radverkehrsplanung mit offenen Daten der Verwaltung schneller vorantreiben zu können. Anhand des Best Practice Beispiels "Potsdamer Straße" wurde das Szenario eines Planungsprozesses dargestellt und erkannt, dass sowohl der Austausch auf Fachebene – statt einer Top-Down-Entscheidungskette – intensiviert werden, als auch mehr Feldversuche und Reallabore zur besseren Planung entstehen müssten.

Die Anteilnahme der Bürger an städtischen Mobilitätsplanungen war ebenfalls Diskussionspunkt: Bisher werden bei Beteiligungsprozessen große Teile der Bevölkerung nicht eingebunden, welches zum Teil an zu großen Hürden für die Beteiligung und stärkere Emotionalisierung derer liegt, die gegen neue Planungen oder Veränderungen sind. Durch die aktive Einbeziehung von Bürgervorschlägen und das Einholen von Stimmungsbildern zu klar formulierten Varianten könnten diese Bevölkerungsgruppen einbezogen werden und die Überbetonung von Partikularinteressen vermieden werden.

Für das kommende Jahr sind zudem 36 weitere Projekte zur Fertigstellung geplant. Spitzenreiter sind hier Steglitz-Zehlendorf und Mitte mit neun Projekten, danach folgt Treptow-Köpenick mit sechs Projekten. Dann wird sich zeigen, wie die Bürger frühzeitig in die Planungen mit einbezogen werden können.