Benedikt Grindel und Istvan Tajnay von Ubisoft Blue Byte Benedikt Grindel und Istvan Tajnay von Ubisoft Blue Byte

Grindel und Tajnay von Ubisoft

2018 feiert Ubisoft Blue Byte das 30. Jubiläum und ist damit einer der Pioniere der deutschen Spieleentwicklung. An zwei Standorten in Düsseldorf und Mainz entwickelt Blue Byte hochwertige Strategiespiele wie „Die Siedler“ und „Anno“, welche von Millionen von Spielern auf der ganzen Welt gespielt werden. Heute am 25. September wird Ubisoft Berlin von Christian Rickerts, Staatssekretär für Wirtschaft, Energie und Betriebe, mit einem Grußwort eröffnet. Ubisoft Berlin ist Teil des Ubisoft Blue Byte Studio-Netzwerkes und zählt zu den erfolgreichsten Spielepublishern weltweit. 

Sie feiern in diesem Jahr Ihr 30-jähriges Jubiläum. Das ist auch eine Gelegenheit zurückzuschauen. Hätten Sie irgendetwas anders gemacht oder hätten einen anderen Weg eingeschlagen?

Benedikt Grindel:  Ich bin seit 2001 bei Blue Byte, als Ubisoft das Unternehmen gekauft hat. Damals war ich der erste Ubisoft-Mitarbeiter, der zu Blue Byte gewechselt ist. Heute ist die Firma nicht wiederzuerkennen. Nachdem wir in den ersten Jahren noch ein „Ein-Produkt-Studio“ waren, das sich komplett auf „Die Siedler“ konzentriert hat, sind wir heute mit 400 Mitarbeitern an drei Standorten einer der größten Spieleentwickler in Deutschland und arbeiten an großen Ubisoft-Marken. Das ist insgesamt eine tolle Entwicklung gewesen, die noch lange nicht zu Ende ist. Natürlich war nicht jede Entscheidung, die wir gefällt haben, richtig. Aber wir haben immer nach vorne geschaut und uns nicht gescheut, alles immer wieder zu hinterfragen und, wenn nötig, zu korrigieren. Und ich bin froh, dass die Richtung, die wir in den letzten Jahren eingeschlagen haben, Früchte trägt.

Anfang des Jahres haben Sie zusätzlich eine Niederlassung in Berlin eröffnet – warum haben Sie sich für die Hauptstadt entschieden? 

Istvan Tajnay: Berlin bietet uns die idealen Möglichkeiten um langfristig ein großes internationales Entwicklerstudio aufzubauen, das an großen Ubisoft-Marken arbeiten wird. Berlin strahlt eine große Anziehungskraft für internationale Mitarbeiter aus und wir sehen hier ein sehr großes Potential, gerade an kreativen Leuten. Für die Produktion von Videospielen spielt dies eine sehr wichtige Rolle, denn bei uns arbeiten sehr viele verschiedene, zukunftsorientiere Berufsgruppen eng miteinander zusammen. Egal ob Programmierer, Grafiker, Tester oder Projektmanager.

Der Senat hat Sie mit insgesamt 1,58 Millionen Euro gefördert, unterstützt werden Sie auch von Berlin Partner und Medienboard Berlin-Brandenburg. Was bedeutet das für Ihre Arbeit?

Tajnay: Mit der Hilfe der genannten Partner und der Förderung wird es uns möglich sein, Ubisoft Berlin in den nächsten Jahren stark wachsen zu lassen, Arbeitsplätze in einer zukunftsorientierten Branche zu schaffen und die Spieleentwicklung in Deutschland voranzutreiben. Wir planen bis Ende 2020 150 Mitarbeiter in Berlin einzustellen. Seit unserer Eröffnung im Januar 2018 sind wir nun schon bei mehr als 50 Mitarbeitern angekommen, was über unser ursprünglichem Ziel für das erste Jahr liegt. Ebenso ist die Vernetzung innerhalb der Branche sehr wichtig. Daher sind wir sofort auch Mitglied beim Media:net bzw. Games:net Berlin-Brandenburg geworden, die ja auch eng mit dem Berliner Wirtschaftssenat, dem Medienboard und Berlin Partner kooperieren. Wir möchten auch in Berlin den direkten Kontakt zu anderen Studios und den Hochschulen leben.

Die deutsche Games-Branche stagniert – wie wollen Sie dem entgegenwirken? Ist die Eröffnung eines neuen Studios in Berlin ein Zeichen in die richtige Richtung? 

Grindel: Auf jeden Fall! Wir haben in Deutschland großes Potenzial, das noch nicht ausgeschöpft wird. Nach aktuellen Zahlen wurden im letzten Jahr weniger als 6 Prozent aller in Deutschlang verkauften Spiele auch von deutschen Entwicklern produziert.  Dies wollen und müssen wir ändern – gerade im Bereich der weltweit erfolgreichen Blockbuster hinken wir noch hinterher, und die holen wir mit internationalen Co-Produktionen in unsere drei Studios. Was wichtig sein wird, ist die von der Bundesregierung in den Koalitionsvertrag aufgenommene Produktionsförderung für Videospiele. Ohne diese Förderung wird es schwer, nicht noch weiter zurückzufallen, weil neue Arbeitsplätze dann weiter vor allem in anderen Ländern wie Frankreich und England entstehen. Da müssen wir – ich zitiere den Koalitionsvertrag – ein „level playing field“ für die deutschen Entwickler schaffen.

Was begeistert Sie bis heute an der Arbeit in der Games-Branche? 

Grindel: Wir arbeiten an Spielen, das ist schon mal einfach ein cooles Produkt. Wenn ich sehe, dass Millionen von Menschen Spaß mit einem Spiel haben, das wir entwickelt haben, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Dazu kommt, dass die Entwicklung von Computerspielen eine sehr spannende Mischung aus Kreativität und Technologie ist. Die Teams, die daran arbeiten, sind eine bunt und interdisziplinär. Das macht die Arbeit jeden Tag interessant.

Sie haben die Strategiespiele „Die Siedler“ und „Anno“ entwickelt – Spiele, die auf der ganzen Welt beliebt sind. Worauf darf die Fangemeinde sich im nächsten Jahr freuen?

Grindel: Als nächstes können sich die Siedler-Fans auf eine ordentliche Portion Nostalgie freuen. Im November erscheint zum 25. Geburtstag der Marke die History Collection von „Die Siedler“. Hier sind alle alten Siedler-Spiele von Teil 1 bis 7 enthalten. Wir haben sie für Windows 10 optimiert und einige Komfort-Features eingebaut. Ich persönlich freue mich schon auf ein paar spannende Multiplayer-Spiele in Siedler 4! 
Am 26. Februar 2019 erscheint mit „Anno 1800“ der siebte Teil der Reihe. Hier werden die Spieler erstmals in einem Anno-Spiel in die Zeit der industriellen Revolution eintauchen und sich mit den Technologien der damaligen Zeit konfrontiert sehen. Auf der gamescom in Köln wurde „Anno 1800“ gerade als bestes PC-Spiel der Messe ausgezeichnet. Und wir haben auf der diesjährigen gamescom unser neuestes Spiel angekündigt: Die Siedler kehrt zurück. Es wird ein Reboot der Marke sein und die Reihe würdevoll erweitern. Ich freue mich ganz besonders, dass mit Volker Wertich der Erfinder der Siedler mit an Bord ist.

Wo sehen Sie Ubisoft Blue Byte in fünf Jahren?

Grindel: Wir wollen weiterwachsen und lernen. In fünf Jahren werden wir weiterhin an internationalen Co-Produktionen und unseren klassischen Marken arbeiten. Wir werden auch ein paar neue, innovative Themen bearbeiten. Und vielleicht stemmen wir dann auch eine eigene AAA-Produktion in Deutschland. 
Tajnay: Auch Ubisoft Berlin soll weiterwachsen, wie oben schon beschrieben. In fünf Jahren werden wir ein großes Team haben, das an mehreren Großproduktionen von Ubisoft mitwirkt und einen entschiedenen Anteil am Erfolg trägt.

Und zocken Sie auch in Ihrer Freizeit? 

Grindel: Ich spiele (fast) jeden Tag in meiner Freizeit. Ich bin eigentlich PC-Spieler, heute verbringe ich aber mehr Zeit beim Zocken auf dem Handy oder Tablet. Und ich spiele regelmäßig Brett- und Kartenspiele. Ein Doppelkopf- oder Skat-Abend steht bald mal wieder an.
Tajnay: Spielen gehört dazu, auch um seinen Horizont zu erweitern. Ich selber spiele in meiner Freizeit sehr gerne Action-Rollenspiele.

Zu guter Letzt: Könnten Sie bitte folgenden Satz vervollständigen: „Berlin ist…“ 

Grindel: …inspirierend, kreativ, sich ständig neu erfindend. So wie wir.
Tajnay: …kreativ, unternehmerisch und voller Energie.

author
Dr. Patricia Deuser

Games- und Medienwirtschaft

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