© Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW)

Innovative Konkurrenz in unmittelbarer Nachbarschaft ist förderlich

Nicht nur in Deutschland, in ganz Europa hat sich Berlin einen Ruf als Startup- Metropole und als Innovationsstandort erarbeitet. Wie wirkt sich die nähere Umgebung auf die Innovationskraft Berliner Unternehmen aus? Dieser Frage sind Christian Rammer, Jan Kinne und Knut Blind vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in ihrer Studie “A Microgeography of Innovation in the City” nachgegangen. Eine Erkenntnis: Wer Innovation hervorbringt, der befindet sich in unmittelbarer Nachbarschaft von Forschungsinstitutionen, Startups und weiteren innovativen Unternehmen.

 

Fünf Jahre lang haben die Wissenschaftler 5.000 Berliner Unternehmen beobachtet und nach Mustern gesucht, wieso einige dieser Firmen innovative Produkte hervorbringen, andere nicht. Das Team um Christian Rammer, Projektleiter Forschungsbereich Innovationsökonomik am ZEW, geht davon aus, dass innovative Aktivitäten nicht durch internes Firmenwissen entstehen, sondern vielmehr durch externes Wissen.
Sprich: durch innovative Gedanken der Kunden, voranschreitende Technologie der Lieferanten oder neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Eine wesentliche Voraussetzung für Innovation sei daher die Interaktion mit dem eigenen Umfeld, den externen Quellen. Der Sitz des Unternehmens, so die Annahme, wirke sich daher auch auf die Innovationskraft aus. Interessanterweise steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Unternehmen eine neue Innovation auf den Markt bringt, besonders, wenn benachbarte Firmen aus der gleichen Branche zuvor bereits ähnliche Innovationen hervorgebracht haben. Auch die Nähe zu Forschungseinrichtungen und Startups macht sich positiv bemerkbar.

Besondere innovative Ökosysteme sind in Berlin Gebiete rund um die TU Berlin in Charlottenburg, der Campus Berlin-Buch im Nordosten oder auch Gebiete rund um das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie und rund um das Max-Dellbrück-Centrum für Molekulare Medizin. Zudem haben sich im Technologiepark Adlershof bereits über 1.000 kleine Technologie-Unternehmen und wissenschaftliche Einrichtungen niedergelassen.

Grundlage für die Analyse der Innovationskraft der Unternehmen war eine Umfrage von Eurostat. Dort wurde unter anderem abgefragt, ob Unternehmen in den vergangenen drei Jahren eine Produktinnovation hervorgebracht haben. Etwas überraschend: Ein kreatives Umfeld mit vielen Bars und kulturellen Einrichtungen soll nicht zur Innovationskraft beitragen, so die Forscher. Wichtiger erscheint dagegen eine gute Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel und ein nicht zu dicht besiedeltes Gebiet.