ZukunftsköpfeJanosch Sadowski, Co-CEO und Co-Founder von Kolibri Games © Kolibri GamesJanosch Sadowski, Co-CEO und Co-Founder von Kolibri Games © Kolibri Games

Janosch Sadowski, Co-CEO von Kolibri Games

Das Studio Kolibri Games (zuvor Fluffy Fairy Games) wurde 2016 in einer gemeinsamen Studenten-WG in Karlsruhe gegründet und zog im Januar 2018 in die Games-Metropole Berlin. Seinen Durchbruch hatte das Startup mit dem Simulationsspiel „Idle Miner Tycoon“, das seit seiner Veröffentlichung über 90 Millionen Mal runtergeladen wurde. Heute hat das Unternehmen über 100 Mitarbeiter und ist mit dem zweiten Spiel ebenso erfolgreich.

Janosch Sadowski, Co-CEO und Mitbegründer von Kolibri Games spricht über die Anfänge des Startups und gibt einen Ausblick in die Zukunft der Gaming-Szene.

Sie sind mit „Fluffy Fairy Games“ in einer gemeinsamen WG gestartet – mittlerweile haben Sie rund 100 Mitarbeiter. Das ist ein rasantes Wachstum. Wo wird die Reise demnächst hingehen?

Janosch Sadowski: Im Juli haben wir mit Kolibri Games sogar die Marke von 100 Mitarbeitern überschritten. Davon sind ca. die Hälfte Entwickler.

Sowohl für unser Unternehmen, als auch für unsere Spiele sehen wir noch großes Potenzial. Unser Ziel mit Kolibri Games ist es, eine nachhaltig wachsende Firma aufzubauen, die den Herausforderungen eines harten Marktes gewachsen ist. Dabei sollen selbstverständlich Umsatz- und Spielerzahlen weiterhin steigen. Unsere beiden Spiele wollen wir zu “Generation Games” aufbauen, zu Spielen, die langfristig und generationenübergreifend Erfolg verzeichnen und ununterbrochen erneuert und erweitert werden. In fünf Jahren heißt das dann für uns: ein deutlich größeres Team, unsere Spiele an der Spitze der App-Charts und viele, viele glückliche Spieler rund um die Welt.

Sie haben Ihren alten Namen abgelegt – warum? Schließlich ist der Name bereits zu einem Markenzeichen geworden…

Janosch Sadowski: Wir haben irgendwann festgestellt, dass unser alter Name nicht mehr mit unserer Firmenidentität und unserer Arbeitsweise übereinstimmt. Fluffy Fairy Games, freundlich und ansprechend, war ein toller Name für den Anfang. Für diesen nächsten Abschnitt brauchten wir einen Namen, der unser agiles Arbeiten und unsere Position als ernsthaften Mitstreiter in der Gamesbranche besser unterstreicht – Kolibri Games tut das perfekt.

Sie führen eines der erfolgreichsten deutschen Startups – wie erklären Sie sich den großen Erfolg? War die Zeit reif für ein neues Startup, das sich auf Games spezialisiert?

Janosch Sadowski: Wie so oft ist es eine Mischung aus Glück, Können und Timing. Wir haben uns in einer passenden Konstellation als Gründer gefunden, haben aus dem ersten Fehlschlag schnell gelernt und nicht zurückgeschaut – und wir haben uns ein Genre ausgesucht, in welchem zu diesem Zeitpunkt wenig Konkurrenz war. Und damit den Geschmack der Spieler getroffen. Letzteres so gut, dass unser Artstyle massenhaft von anderen Games-Firmen kopiert wurde.

Nicht zu vergessen: Wir haben das Spiel ganz “lean” als Prototyp auf den Markt gebracht und zusammen mit der Community in die richtige Richtung gelenkt. So konnten wir uns schmerzhafte Umwege sparen.

Wie viele User, bzw. Downloads können Sie momentan verzeichnen? Und welche Ziele haben Sie sich für die nahe Zukunft gesteckt?

Janosch Sadowski: Im Juli haben wir 100 Millionen Downloads mit unseren Spielen erreicht und haben momentan ca. zwölf Millionen monatlich aktive Spieler. Unser Ziel? Eine Milliarde Downloads. So ein Ziel erreicht man sicher nicht morgen, aber wir sind überzeugt, dass wir es durch nachhaltigen Erfolg realisieren können.

Was waren die Gründe für den Umzug von Karlsruhe nach Berlin? Ist die Hauptstadt prädestiniert für die Gaming-Szene?

Janosch Sadowski: Karlsruhe war eine ideale Stadt zum Gründen, vor allem durch die Nähe zum KIT (Karlsruher Institut für Technologie) und die Unterstützung durch die dortige Tech-Szene und das Cyberforum, die Plattform der badischen IT-Industrie.

Wir stießen allerdings schnell an Wachstumsgrenzen – nach dem Umzug nach Berlin hat sich unsere Geschwindigkeit beim Rekrutieren neuer Mitarbeiter (vor allem solchen mit internationaler Erfahrung) direkt verdoppelt. Mittlerweile hat Berlin, das lange hinter München und Hamburg hinterher hinkte, eine ausgesprochen lebendige und wachsende Landschaft an Games-Unternehmen aufbauen können.

Wie sehen Sie persönlich die Zukunft der Games-Branche?

Janosch Sadowski: Games haben in den letzten Jahren massiv an Verbreitung zugenommen, das liegt vor allem an den Mobile-Games. Wo früher nur Hardcore-Zocker am PC gespielt haben, spielt heute quasi jeder, in der Straßenbahn, in der Badewanne, an der Bushaltestelle. Unsere Spiele stellen Spieler vor keine großen Hürden, sind leicht zu verstehen und ermöglichen rasche Erfolgserlebnisse. Wir glauben, dass dieser Bereich eher noch wachsen wird.

Spiele können aber auch süchtig machen. Sehen Sie sich hier in der Verantwortung?

Janosch Sadowski: Spielsucht entsteht durch eine Mischung diverser Mechaniken: Darunter tiefe Immersion – so nennt man das Eintauchen in Spiele – und starke soziale Bindung an andere Spieler (etwa so genannten Clans in Multiplayer-Games). Beides Dinge, die es so bei uns nicht gibt. Unsere Spieler spielen, um sich Wartezeit zu verkürzen, nicht um dauerhaft in einer virtuellen Welt zu verschwinden. Und weil wir Solo-Games machen, fehlt auch der ständige Vergleich mit anderen.

Was würden Sie anderen Startup-Gründern raten? Und was sollten diese vermeiden?

Janosch Sadowski: Lernt aus euren Fehlern! Die Fähigkeit, Fehler als solche zu erkennen und an ihnen zu wachsen macht euch zu wirklich guten Gründern. Lasst euer Handeln nicht von eurem Stolz bestimmen. Kein Unternehmen läuft immer perfekt.

Vielleicht genauso wichtig: investiert in euer Team und belohnt das Vertrauen eurer Mitarbeiter in euer Unterfangen, auch vor dem Durchbruch. So zeigt ihr eure Wertschätzung und investiert gleichzeitig nachhaltig in euer Unternehmen. 

Kannst Du den Satz beenden: „Berlin ist…“

Janosch Sadowski: ...beflügelnd! Hier helfen internationale Talente und jede Menge kreative Energie jedem Unternehmen Großes zu erreichen.