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Medien.barometer 2019/20: Diversität

Diversität ist ein Thema, an dem man – zu Recht – in der heutigen Zeit nicht mehr vorbeikommt, vom Privaten bis hin zum Berufsleben. Viele Weichen wurden bereits gestellt in den letzten Jahren, doch wie vielfältig sind zum Beispiel die Medienunternehmen in der Hauptstadtregion wirklich aufgestellt?

Dieser wichtigen Frage haben sich das media:net berlinbrandenburg e.V. zusammen mit ihren Partnern, die Investitionsbank Berlin (IBB) und die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), für das neue medien.barometer 2019/20 gestellt, welches regelmäßig die Stimmung und die wirtschaftliche Entwicklung des Clusters IKT, Medien, Kreativwirtschaft beleuchtet und am 14. Januar 2020 offiziell vorgestellt wurde. Im Anschluss der Präsentation wurden die Ergebnisse der Studie von einer spannenden Diskussionsrunde mit Vertreter*innen aus Film/TV, Games, IT und Verlagen erläutert und mit persönlichen Erfahrungen aus der Medienbranche konfrontiert.


Auszug aus medien.barometer 2019/20 © media:net berlinbrandenburg e.V.

Die Branche bewertet die Lage positiv

Für das medien.barometer 2019/20 wurden die Ergebnisse der repräsentativen Befragung von insgesamt 275 Unternehmen zur Entwicklung der IKT-Branche mit einem Schwerpunkt auf das Thema Diversität aggregiert und ausgewertet.

Die wirtschaftliche Lage der Medienunternehmen in Berlin-Brandenburg ist weiterhin sehr stabil. Etwa 63% der Befragten – und damit acht Prozentpunkte mehr als in 2018 – sind zufrieden mit dem bisherigen Geschäftsverlauf, 84% erwarten steigende oder gleichbleibende Umsätze. Die Hauptstadtregion ist insgesamt sehr international aufgestellt: In 76% der befragten Unternehmen arbeiten Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit, bei den international aufgestellten Unternehmen sind es sogar 81%.


Auszug aus medien.barometer 2019/20 © media:net berlinbrandenburg e.V.

Bedeutung von Diversität muss weiter gestärkt werden

Sehr erfreulich zu bemerken ist außerdem, dass 62% der Medienunternehmen Diversität mit flexiblen Arbeitszeitmodellen umsetzen und 41% Diversität bereits in der Unternehmensstrategie verankert haben. Die Medienbranche in Berlin-Brandenburg ist zwar erfahrungsgemäß sehr weiblich, doch gaben noch 34% der Unternehmen an, keine Frauen in Geschäftsführungs-/ Vorstandspositionen zu haben. Generell sehen nur 12% der befragten Unternehmen Diversität als eines der drei wichtigsten Themen für die Zukunft an. Das Bewusstsein für die kulturelle und wirtschaftliche Bedeutung vielfältig aufgestellter Teams und damit auch die Verbindung zwischen Diversität und Unternehmenserfolg muss daher weiter gestärkt werden.

Alte Rollenbilder aufbrechen – weibliche Stimmen fördern

Im Panel, das aus Katja Bäuerle (UFA), Hannes Seifert (Riot Games), Claudia Pohlink (Deutsche Telekom T-Labs) und Ulrike Teschke (Der Tagesspiegel) bestand, herrschte Einigkeit über die Notwendigkeit mehr Frauen in den Führungsebenen und im mittleren Management – mit Verweis auf die positiven Aspekte diverser Teams – von Unternehmen zu etablieren.

Katja Bäuerle schilderte dahingehend aus dem Bereich der Filmproduktion, in der sie als Creative Responsibility Manager bei der UFA tätig ist, dass die Diversität, die man vor der Kamera sieht, oft ein Spiegelbild dessen ist, was hinter der Kamera vorzufinden ist – im noch sehr männerdominierten Bereich Regie nicht verwunderlich. Die alten Rollenbilder und Klischees von Frauen sind in den Köpfen noch stark verankert und werden durch fehlende Vielfalt auf der Leinwand nur verstärkt. Bei der UFA soll dieser Problematik mithilfe einer Charta für audiovisuelle Diversität, an der momentan gearbeitet wird, langfristig entgegengewirkt werden.

Hannes Seifert schilderte die immensen Herausforderungen, die der boomenden Gamesbranche bevorstehen, mit ähnlicher Dringlichkeit. Obwohl die hiesige Studios, wie etwa die Berliner Riot Games, durch die globale Anziehungskraft traditionell sehr international aufgestellt ist und eine Vielzahl an ausländischen Talenten mit verschiedenen Kulturen und Religionen beschäftigt, ist beispielsweise die Quote an Entwicklerinnen doch noch immer sehr gering. Mit dem Blick darauf, dass sich das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Spielern heutzutage die Waage hält, ist es umso wichtiger, weiblichen Stimmen zu fördern, Teams diverser aufzustellen und damit mehr Frauen in leitenden Positionen zu etablieren. Mit Blick auf die Games-Community wäre es allein schon aus wirtschaftlicher Sicht sinnvoll, mehr Spiele von Frauen für Frauen zu fördern.

Diverse Teams sind erfolgreiche Teams

Claudia Pohlink, Head of AI/ML bei den T-Labs, sieht das Brechen mit alten Verhaltensmustern in einem traditionell männer-dominierten Unternehmen wie der Deutschen Telekom noch deutlich herausfordernder. Bei der Besetzung von offenen Stellen komme es heutzutage neben dem Talent und Wissen von Bewerber*innen auch auf verschiedene „Softskills“ an, die Einfluss auf die Teamchemie haben. Ulrike Teschke pflichtete ihr bei, dass aus ihrer Erfahrung als Geschäftsführerin des Tagesspiegels gemischte Teams immer die erfolgreicheren Teams seien und man Leistung und Kompetenz nicht nur über den Lebenslauf beurteilen sollte, sondern auch soziale Faktoren in Betracht ziehen sollte – unabhängig von einer Frauenquote.

Fähige Bewerberinnen im Bereich der Künstlicher Intelligenz und des Maschinellen Lernens zu finden, berichtet Pohlink, werde allerdings nicht nur dadurch erschwert, dass Mädchen und junge Frauen in Deutschland sich traditionell überproportional oft gegen ein Studium der MINT-Fächer entscheidet, sondern auch durch Stellenausschreibungen, die nicht offen genug gestaltet sind und beispielsweise Menschen weiblichen/diversen Geschlechts oder ausländischer Herkunft möglicherweise unbewusst ausschließen. Mit der Frage einer Frauenquote hat sich Hannes Seifert auch in seinem Unternehmen beschäftigen müssen, sieht darin allerdings kein permanentes Vehikel mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen, sondern als Anstoß um Barrieren und den Trend der sogenannten „Männerclubs“ zu durchbrechen. Nur wenn positive Rollenbilder von allen Seiten vorgelebt werden, kann die Arbeitswelt inklusiver und vielfältiger gestaltet werden.

Das medien.barometer 2019/20 – Schwerpunkt: Diversität gibt es hier zum Download.

Das medien.barometer berlinbrandenburg ist eine Initiative des media:net berlinbrandenburg. Technologischer Befragungspartner ist TrendResearch. Die Investitionsbank Berlin (IBB) und die Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) unterstützen als Partner die aktuelle Befragung mit dem Fokus „Diversität“, das Medienboard Berlin-Brandenburg unterstützt sie als Förderer.