Dr. Günther Hoffmann von ContentPro: „Sicherheitsprodukte einfach integrieren“

Datensicherheit ist ein viel diskutiertes Thema. Welche zentralen Herausforderungen sehen Sie hier für Unternehmen und was ist DocRAID‘s Ansatz, diesen zu begegnen?

Gerade in kleineren Büros, Kanzleien, Teams, aber auch in Konzernen ist der sichere Dokumentenaustausch und Datensicherheit oft noch mit Hürden verbunden – sobald ein Mitarbeiter sein Verhalten ändern muss, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er Sicherheitsmechanismen nicht benutzt. Diesem Trend wird derzeit am Markt mit zweierlei Arten von Angeboten begegnet: Entweder sind die Produkte sehr einfach in der Nutzung, unterstützen die Datensicherheit aber nur sehr eingeschränkt oder sie sind zu komplex und werden von den Mitarbeitern schlichtweg nicht genutzt.

Unser Ansatz hingegen ist es, unsere Produkte möglichst einfach in die Abläufe des Nutzers zu integrieren. DocRAID zum Beispiel kann als Laufwerk eingebunden, über eine Web-Oberfläche gesteuert oder über Microsoft Outlook genutzt werden. Außerdem laufen wir auf allen Endgeräten, ohne dass hierfür Apps installiert werden müssen. Dadurch entfallen Wartung und Service für die Admins. Die Sicherheitsmechanismen wirken im Hintergrund, ohne den Nutzer in seinen Abläufen zu stören.

Zudem haben unterschiedliche Dokumente – ob Pressemitteilung oder ärztliche Befunde – auch unterschiedliche Schutzbedarfe. Also muss ich meinen Kommunikationspartner nicht unnötig mit Sicherheitsmaßnahmen abschrecken, wo diese keinen Sinn machen, kann aber bei höheren Schutzbedarfen zusätzliche Maßnahmen hinzuschalten, wie den Schutz mit Einmalcodes oder sichere Datenräume.

Ihr Produkt DocRAID ist im Zuge einer Kooperation zwischen universitärem und privatem Sektor entstanden. Bietet Berlin durch Institutionen wie „Humboldt Innovation“ ein besonders günstiges Klima für solche Kooperationen?

Uns hat sicher geholfen, dass wir aus der Humboldt Universität heraus bereits Kontakte knüpfen und Projekte mit öffentlichen und privaten Stellen durchführen konnten. Für ein junges Unternehmen ist der Zugang zu potentiellen Kunden enorm wichtig: Institutionen wie die Humboldt Innovation können hier mit Ihrem Netzwerk einen deutlichen Schub geben. Insbesondere wenn diese so engagiert geführt werden wie von Volker Hofmann.

Kürzlich wurden wir zu Veranstaltungen in Heidelberg und Heilbronn eingeladen. Ich war überrascht darüber, wie aktiv die mittelständischen Unternehmen dort den Kontakt zu innovativen, jungen Firmen suchen, um neue Entwicklungen aufnehmen zu können, aber auch, um frühzeitig Investitionsmöglichkeiten zu erkennen. Das wünsche ich mir mindestens ebenso intensiv für Berlin.

Müssen eigentlich insbesondere Startups und junge Unternehmen insgesamt noch deutlicher für Themen wie Datensicherheit und Intellectual Property sensibilisiert werden?

Meine Wahrnehmung ist, dass junge Unternehmen zunächst mit anderen Herausforderungen zu kämpfen haben und Datensicherheit und Intellectual Property eine geringere Priorität besitzen. Hier kann man mit neuen innovativen Produkten und vielleicht auch mit Sensibilisierung weiterkommen. Wenn man sagt: Schau her, hier hast du ein einfach nutzbares Produkt zum Dokumentenaustausch mit eingebauter Sicherheit und hier hast du ein einfach nutzbares Produkt ohne Sicherheit, dann werden sich einige für die sichere Variante entscheiden.

ContentPro war mit DocRAID selbst Preisträger des IKT – Innovativ-Wettbewerbs des Bundeswirtschaftsministeriums und unterstützt nun seinerseits junge Unternehmen. Was würden Sie jungen Startups raten, die im Bereich des sicheren Datenmanagements aktiv werden möchten?

Wir waren 2013 Preisträger und unterstützen den aktuellen Wettbewerb, indem wir Preisträgern und Teilnehmern DocRAID kostenfrei zu Verfügung stellen. Aktuell mangelt es nicht an Konzepten und Technik zur Umsetzung eines sicheren Datenmanagements. Ein guter Ansatzpunkt ist meiner Ansicht nach, die Usability von Sicherheitsprodukten zu verbessern.

Zu guter Letzt: Berlin ist…

… die beste Stadt in Deutschland

Dr. Günther Hoffmann hat an der Technischen Universität Berlin Informatik studiert und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin. Als Gastwissenschaftler war er bereits tätig am Massachusetts Institute of Technology, der Duke University sowie der City University of New York. Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Förderpreis für den Mittelstand und mit dem Science4Life Preis vom hessischen Wirtschaftsministerium. Für das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entwickelte Dr. Hoffmann Software zur Modellierung kritischer Infrastrukturen und das Hochverfügbarkeitskompendium.

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