Felix Hallwachs von Little Sun

Kategorie: Zukunftsköpfe

© Christian Morgenstern

© Christian Morgenstern

 

Guten Tag Herr Hallwachs, mit der LED Solarlampe Little Sun bringen Sie Licht in Regionen dieser Erde, wo es keinen Anschluss an das Stromnetz gibt und unterstützen mit den „kleinen Sonnen“ mittlerweile über zehn afrikanische Länder. Welche Vision steckt dahinter?

Die Idee von Little Sun ist es, nicht nur Menschen ohne Stromnetz mit nachhaltigem, erschwinglichem Licht zu versorgen, sondern Menschen überall auf der Welt für Solarenergie zu begeistern. Little Sun funktioniert als Sozialunternehmen (social business). Der Verkauf der Solarlampen und -ladegeräte in Deutschland bzw. Europa subventioniert dabei den Vertrieb in Afrika zu für die Menschen dort erschwinglichen Preisen. Das bedeutet: für jedes verkaufte Produkt bringen wir eine Lampe oder Ladegerät zu unseren Partnern, ohne selbst daran zu verdienen. Vor Ort bilden wir junge Unternehmer aus, führen Business-Trainings durch und geben unseren Verkäufern die Möglichkeit, durch geben den Vertrieb der Lampen ihren Lebensunterhalt zu finanzieren.

Können Sie uns das technische Prinzip der Lampe erläutern – wie funktioniert sie?

Little Sun setzt sich zusammen aus Solarmodul, Batterie und LED. Man legt die Lampe fünf Stunden mit dem Solarmodul nach oben in das Sonnenlicht. Am besten funktioniert das draußen auf dem Balkon oder im Garten, wenn sie im Haus am Fenster liegt dauert es etwas länger. Die Batterie speichert die durch das Solarmodul gewonnene Solarenergie und gibt sie dann auf Knopfdruck wieder ab. Die neueste Little Sun Original hat eine Dimmerfunktion und kann vier bis 50 Stunden leuchten. Der Little Sun Charge (das Ladegerät) muss etwas länger laden, ca. 7,5 Stunden und kann dann sowohl Licht spenden als auch Handys, kleine Kameras oder MP3-Player laden. 

Was macht Ihr Produkt so einzigartig?

Neben dem besonderen Businessmodel ist vor allem die Gründungsgeschichte und das damit verbundene Ziel einzigartig: Gegründet würde Little Sun vom Künstler Olafur Eliasson, der sich mit Solaringenieur Frederik Ottesen 2012 zusammensetzte und die Idee entwickelte, nicht nur eine Solarlampe zu designen, sondern ein Symbol für Energiezugang. Unsere Lampe wird sowohl als Lichtquelle benutzt als auch als Bildungswerkzeug. Wir führen Workshops durch (vor allem mit Kindern), in denen ganz allgemein über Klimawandel, Nachhaltigkeit, erneuerbare Energien gesprochen wird. Zudem setzten wir uns künstlerisch mit der Thematik auseinander. Gestartet ist das Projekt in der Londoner Tate Modern, wo wir zeitweise die Elektrizität komplett ausgeschaltet haben und Besucher nur mit dem Licht der Little Sun-Solarlampen durch die Ausstellungen laufen konnten.

Was kostet die Lampe für den Endverbraucher – in Deutschland und der dritten Welt?

In unserem Webshop (www.littlesun.com/shop) kostet die Little Sun Original 22 Euro.

Das ermöglicht es uns, sie in unseren afrikanischen Partnerländern zum Produktionskostenpreis an unsere Partner abzugeben. Der Endverbraucher zahlt dann zwischen 11 und 15 US Dollar, je nach Land variiert das etwas.

Ihr letzter Clou war die Charge von Little Sun: Ein Solarladegerät, das Smartphones und kleine Elektrogeräte in 7,5 Stunden auflädt – und damit genauso schnell funktioniert, wie es eine Steckdose tun würde. Welches nächste Projekt haben Sie in der Pipeline?

Den Little Sun Diamond, unsere neueste Solarlampe! Sie kommt im September auf den Markt, wurde aber von Olafur Eliasson schon im Frühling bei der Design Indaba in Südafrika vorgestellt. Die kleine Lampe hat ähnliche technische Daten wie die Little Sun Original, hat aber ein ganz neues Design und außerdem einen praktischen Ständer, der sie zur idealen nachhaltigen Leselampe macht oder zur Dekoration im Garten oder auf dem Balkon genutzt werden kann. 

Ihr Motto ist sehr ambitioniert und lautet: Solarenergie für alle. Lässt sich das überhaupt verwirklichen? 

Das Motto orientiert sich am von der UN formulierten Ziel des nachhaltigen Energiezugangs für alle. Natürlich gibt es andere erneuerbare Energiequellen. Es geht vor allem darum, diese umweltfreundlichen, nachhaltigen, erschwinglichen und verlässlichen Energiequellen zugänglich zu machen. Vor allem für die 1,1 Milliarden Menschen, die momentan noch ohne Zugang zu Strom leben. Da aber die Sonne ja grundsätzlich auf der ganzen Welt scheint, ist es natürlich möglich, sie auch überall zu nutzen!

Little Sun ist ein weltweit agierendes Unternehmen. Dennoch haben Sie sich für den Design-Standort Berlin entschieden. Welche Vorteile hat das für Sie?

Berlin als Standort war für uns weniger eine bewusste Entscheidung. Es ergab sich einfach, da unser Gründer sein Studio ebenfalls in Berlin hatte und Little Sun daraus ausgegliedert wurde. Es hat aber viele Vorteile für uns, da immer mehr Startups in Berlin ansässig werden, vor allem solche, die wie wir einen sozialen Anspruch haben. Wir sind zum Beispiel Teil des weltweiten B Corp-Netzwerks, ein Zusammenschluss von Unternehmen, die mit ihrer Arbeit Positives bewirken wollen. Und viele andere deutsche B Corps sitzen ebenfalls in Berlin.

Sie sind seit 2012 am Start – welche Unternehmensbereiche haben Sie in Berlin ausbauen können und generieren Sie bereits Gewinne?

2012 haben wir als kleines Team angefangen und sind seitdem stetig gewachsen. Mittlerweile haben wir über 20 Mitarbeiter in Berlin und jeweils Vertreter in den afrikanischen Ländern, in denen Little Suns vertrieben werden. Vor allem unsere Arbeit dort haben wir seitdem stark ausgebaut. Das hat uns vor allem die finanzielle Unterstützung von Bloomberg Philantrophies ermöglicht. Mit den 5 Mio. Dollar, die wir im Jahr 2014 erhalten haben, konnten wir den Vertriebsaufbau vor Ort ausbauen und uns professionalisieren. Bis wir tatsächlich Gewinne machen, wird es aber wohl noch ein bisschen dauern. Momentan sind wir auf der Suche nach Investoren, die sich genau wie wir für Solarenergie begeistern lassen und mit uns neue Ideen verwirklichen wollen! 

Wie wird die Welt in 20 Jahren aussehen?

Wie sie aussehen wird, kann ich natürlich nicht vorhersagen. Aber fest steht, dass wir es nur gemeinsam schaffen können, die Welt in 20 Jahren zu einem lebenswerten Ort für uns alle zu machen. Wenn Politiker Klimaschutzabkommen kündigen, müssen wir als Weltgemeinschaft zusammenhalten und für den Klimaschutz arbeiten. Wir müssen innovativ und positiv sein, damit die Welt ein fantastischer Ort für unsere Kinder ist.

Können Sie bitte zu guter Letzt noch folgenden Satz vervollständigen:

Berlin ist…

…ein weltoffenes, positives Zentrum der zukünftigen integrativen Welt.  

Kontakt

Tanja Mühlhans

Leitung Kreativ- und Medienwirtschaft, Digitalwirtschaft, Projekt Zukunft

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