Berlin Open Data Day 2018

Die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe/ Projekt Zukunft lud am 11. Oktober zum BODDy 2018 ein.

Berlin Open Data Day 2018

Initiiert von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe fand der diesjährige Berlin Open Data Day (BODDy) in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer FOKUS und dem Kompetenzzentrum Öffentliche IT am 11. Oktober 2018 statt. Unter dem Motto „Mit offenen Daten Mehrwert gestalten“ trafen sich über 160 Gäste zum Networking der Berliner Verwaltung mit der Open Data Community.

Sebastian Askar, der Leiter der Digitalisierung, IKT-Wirtschaft und digitale Infrastruktur bei der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe und Dr. Ina Schieferdecker, die Institutsleiterin des Fraunhofer FOKUS eröffneten den BODDy gemeinsam mit einem Rückblick auf die gemeinsame Zusammenarbeit beim Aufbau des Open Data Portals.

Prof. Dr. Ina Schieferdecker, die Institutsleiterin des Fraunhofer FOKUS, betont: „Der Mehrwert offener Daten besteht, neben Transparenz und Partizipation, in der Stärkung der Wirtschaft durch neue bzw. erweiterte Geschäftsmöglichkeiten. Die Öffnung der Stadt für Open Data ist ein wichtiger Aspekt für Smart City Themen, für die Weiterentwicklung von Lösungen für E-Government und andere technologische Innovationen, um den digitalen Wandel in der Stadt mit voranzutreiben.“

Anschließend stellte Staatssekretär Christian Rickerts die Open Data Strategie des Landes Berlin vor. Im vergangenen Jahr hat die Verwaltung viel erreicht und sich um drei Felder gekümmert: 

  • Weiterentwicklung des Rechtsrahmens für die Bereitstellung und Nutzung von offenen Daten
  • Verbesserung der technischen Infrastruktur für Open Data
  • Unterstützung der Menschen die Open Data erst möglich gemacht haben.

„Wir wollen das Datenangebot der Berliner Verwaltung noch stärker öffnen. Open Data braucht dafür Multiplikatorinnen und Multiplikatoren. Wir unterstützen durch den Berlin Open Data Day die Expertinnen und Experten in der Verwaltung und fördern den Austausch mit der Open Data Community“, so Staatssekretär Christian Rickerts.

Nach dem Blick auf die Landesebene folgte die Keynote zu Open Data in der Bundesverwaltung von Ministerialdirigent Erwin Schwärzer, Unterabteilungsleiter DGI – Digitale Gesellschaft vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat.

Auf Bundesebene wurde das Open Data Gesetz am 13.7.2017 verabschiedet und am 1.9.2018 eine zentrale Stelle zur Koordinierung und Unterstützung von Open Data auf der Bundesebene eingerichtet. „Die verbesserte Verfügbarkeit von Daten kann einen wichtigen Beitrag zu einer verantwortungsvollen Umsetzung von Zukunftsthemen wie Künstliche Intelligenz leisten“, so betonte Erwin Schwärzer die Wichtigkeit von Open Data in seinem Vortrag.

Dr. Jens Klessmann vom Fraunhofer FOKUS präsentierte eine Live Demo eines Open Data Staging Tools für die Datenaufbereitung und -bereitstellung mit einem Qualitätscheck.

Die Open Data Informationsstelle (ODIS), die von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe für zwei Jahre mit einer Zuwendung gefördert wird, um die Berliner Verwaltung bei der Öffnung und Bereitstellung der Daten zu unterstützen, stellte ihre Open Data Anwendungsbeispiele vor. So referierte Victoria Dykes von der ODIS über die App und die Webseite zu den Badestellen in Berlin und die hygienische Beurteilung der Badegewässerqualität. Bei diesen Daten handelt es sich um offene Daten beispielsweise von den aktuellen Messwerten des Landesamts für Umwelt und Soziales (LaGeSo) und zum anderen aber auch um sicherheitsrelevante Daten der Berliner Wasserbetriebe.

Ein weiteres Anwendungsbeispiel war die Visualisierung der Daten aus der Zuwendungsdatenbank von der Senatsverwaltung für Finanzen. Die ODIS wird demnächst eine App veröffentlichen, die einen Gesamtüberblick über alle Zuwendungen mit der jährlichen Summe und der räumlichen Verteilung der Förderprojekte in den einzelnen Bezirken darstellen wird.

Das Highlight der Veranstaltung stellte die Best Practice Case Study von Dr. Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien dar. Die Referentin stelle die Smart City Wien mit der Digitalisierungsstrategie unter dem Motto „Wien digt anders vor“. Die Stadt Wien ist, was die Digitalisierung angeht, anderen Städten weit voraus und hat smarte Verwaltungs-Apps für die Bürgerinnen und Bürger entwickelt. Zum Beispiel gibt es eine App für das Anliegenmanagement der Bürgerinnen und Bürger an die Stadt Wien, mit der sie nicht nur ihre Beschwerden zu kaputten Lampen und Müll melden können, sondern auch den Bearbeitungsstand nachverfolgen können. 

Als weiteres Digitalisierungsbeispiel der Stadt Wien präsentierte Dr. Ulrike Huemer den „Wien Bot“. Hierbei handelt es sich um einen Chatbot, der die Fragen der Bürgerinnen und Bürger an die Verwaltung beantwortet. Der "Wien Bot" nutzt Open Data und soll auch durch Künstliche Intelligenz weiterentwickelt werden. 

Bei der Podiumsdiskussion wurde kontrovers zum Thema „Öffentliche Daten: Lukrative Einnahmequelle oder unbezahlbares Gemeingut“ diskutiert. Dabei stand die Frage im Fokus, ob Daten aus der Verwaltung als offene Daten für alle frei verfügbar oder doch als Geschäftsmodel verkauft werden sollten.

Für Podiumsgast Nicolas Zimmer, Vorstandsvorsitzender der Technologiestiftung Berlin sind offene Daten aus der täglichen Arbeit nicht wegzudenken und Verwaltungen müssen ihre Daten der Allgemeinheit als Open Data frei zur Verfügung stellen.

Genauso wichtig sind frei verfügbare offene Daten für den Teamleiter von Door2Door Ulli Stroetz. So nutzt Door2Door eine Vielzahl an offenen Daten der Verwaltung, bearbeitet sie und stellt sie mit weiterer Nutzungsmöglichkeit der Allgemeinheit zur Verfügung. 

Einen anderen Standpunkt vertrat Alexander Handschuh, Sprecher politische Grundsatzfragen des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Nach dem Subsidiaritätsprinzip sollte jede Kommune selber entscheiden, ob und welche Daten sie veröffentlichen möchten.

Dr. Tobias Knobloch, Projektleiter „Algorithmen fürs Gemeinwohl“ der Stiftung Neue Verantwortung e. V. befürwortete hingegen ein Stufenmodell mit kostenfreien Daten und solchen Daten für die in der Tat für Qualität und Aktualität der Datenbereitstellung gezahlt werden soll.

Dr. Ulrike Huemer, CIO der Stadt Wien war der Meinung, dass alle Daten, die veröffentlicht werden können als offene Daten und kostenfrei der Allgemeinheit zur Verfügung gestellt werden sollen. Die Daten so aufzubereiten, dass sie als Geschäftsmodell vermarktet werden können mit einem Bezahlsystem und einem Abrechnungsmanagement ist zu teuer und auch zu aufwendig für die Verwaltung. 

Nach dem Mittagessen ging es weiter in vier parallelen Workshops zur Auswahl.

In einem Workshop, geleitet von dem Fraunhofer FOKUS Institut wurde das Frontend und Backend von Open Data- Portalen besprochen.

Dr. Benjamin Seibel von der Technologiestiftung Berlin stellte in seinem Workshop die neue App FixMyBerlin mit den Radzähldaten vor und diskutierte, wie mit Open Data die Verkehrswende gemeistert werden kann.

Walter Palmetshofer von der Open Knowledge Foundation und Christian Jacob von Stromnetz Berlin präsentierten die Energiedaten, welche auf dem EnergyHack den Hacker zur Verfügung gestellt werden. 

Über Künstliche Intelligenz, Blockchain und die Verknüpfung mit Open Data wurde in dem Workshop mit Accenture, der Stadt Wien und Berlin Partner diskutiert.

Bei Kaffee und Kuchen als letzten Programmpunkt hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach den Workshops nochmals die Möglichkeit, sich auszutauschen und für sich ein abschließendes Fazit zu einem Tag zu ziehen, der ganz im Zeichen von offenen Daten stand.

Sebastian Askar
Sebastian Askar

Leitung Digitalisierung, IKT-Wirtschaft und digitale Infrastruktur

Email

Bildergalerie