Rainer Engel von scientific|Media: Alte Filme, neue Technologien

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Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass es im Bereich Filmrestaurierung insgesamt noch eine Vielzahl technischer Schwächen gibt, die es zu beseitigen gibt. Um welche Mängel handelt es sich da genau?

Die digitale Filmrestaurierung wird vielfach durch automatisierte Werkzeuge erbracht, weswegen man eher von „Image Processing“ oder „Retusche“ sprechen müsste. Dabei leidet mitunter die Qualität: Uns sind viele Beispiele von Stabilisierungen bekannt, in denen hochfrequentes Wackeln entfernt wurde, aber zeitgleich auch Verschiebe-Bewegungen in Filme kommen, die kein Kameramann seinerzeit gewollt hätte. Zusätzlich sind technische Systeme häufig sehr komplex, wodurch ihre Abläufe oftmals nicht ideal untereinander abgestimmt sind.

Bei der Entfernung von Defekten sind die technischen Ansätze relativ trivial: Dabei werden fehlende Inhalte anhand von Nachbarbildern erkannt und repariert. Wir begegneten in der Vergangenheit oft der Problematik, dass ältere Filme oder solche geringerer Bekanntheit sehr stark beschädigt waren. Diese Projekte wiesen oft stehende Belastungen in zwei oder drei Bildern in Folge auf. Hier war es nur mit individuellen Entwicklungen möglich, gute Ergebnisse zu erreichen. Erfreulicherweise gibt es Effizienzsteigerungen in der Zusammenfassung von Rechenschritten, was für uns mehr Zeit für manuelle Eingriffe bedeutet.

In den letzten Jahrzehnten ist die Vielzahl gängiger Abspielformate für Filme kontinuierlich gestiegen und löst eine Technologie immer wieder die nächste ab. Ist es überhaupt möglich, Film-Klassiker wie „Metropolis“ dauerhaft zu sichern?

Die Langzeitarchivierung digitaler Daten verlangt nach einer guten wirtschaftlichen Planung –  technisch ist die Migration kein Problem. Es stellt sich zunehmend heraus, dass insbesondere offene Formate interessant sind und auch für unsere Kunden Vorteile bieten. Von daher gibt es eigentlich kein Problem, nur fehlende Strategien.

Bestes Beispiel ist der Glasmaster einer DVD: Damit ist es möglich, digitale Daten auf einem zeitlich theoretisch unbegrenzt haltbaren Medium zu speichern. Wenn man dies mit Metadaten zum Format der Daten und des Datenträgers anreichert, halte ich dieses Konzept für durchaus interessant. Im Filmbereich geht es jedoch um größere Datenmengen, wofür dann Magnetbänder in Frage kommen und verlustfreie Kompressionen die erste Wahl sein sollten.

Dieses Jahr reisen Sie auch zur Amsterdamer IBC Konferenz, gleichzeitig arbeiten Sie an neuen Produktmodellen. Können Sie uns hierzu schon mehr verraten?

Wir haben Anfang 2015 eine von der Investitionsbank Berlin und dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung geförderte Kooperation mit dem Fraunhofer Heinrich Hertz Institut abgeschlossen und entwickeln derzeit weitere Module zur Vermarktung. Parallel dazu arbeiten wir an der Implementierung eines geeigneten Kopierschutzes in unsere Software und testen Abläufe der Bestellabwicklung beziehungsweise Lizenzierung.

Leider hatten wir die vergangenen Monate mit Verzögerungen an unerwarteten Fronten zu kämpfen und so wird die IBC primär genutzt, um bestehende Kontakte zu Firmen zu erweitern und neue zu knüpfen. Da wir uns aktuell auf die Entwicklung von Erweiterungen fokussieren, sind gute Kontakte zu den Herausgebern von Hostanwendungen wichtig. Neben dem Image Processing spielen demnach Software-Produkte eine große Rolle. Ergänzend zu temporalen Filtern geht es um Ansätze der Segmentierung und das Schließen erkannter Lücken in Arbeitsprozessen.

Was raten Sie jungen Unternehmen, die auch im Bereich Filmrestaurierung aktiv werden möchten?

Der Markt der Filmrestaurierung ist stark umkämpft. Dabei können gute Kontakte oft wichtiger sein als ein in puncto Qualität besseres Angebot. Als Dienstleister ist für uns die Schere zwischen hoch geförderten Projekten mit hohem Bekanntheitsgrad und Aufträgen kleinerer, ambitionierter Labels immer wieder eine Herausforderung gewesen – zumal, wenn es dazu eigener Entwicklungen bedurfte.

Die Hürde, um in diesen Markt zu gehen, ist also denkbar hoch, sei denn, man hat sehr gute Kontakte oder ist beispielsweise Teil eines Verbundes. Im Bereich der Filmerhaltung sehen wir jedoch noch Potenzial für clevere Konzepte, um mit Partnern aktiv den Erhalt kulturellen Erbes voranzubringen.

Berlin ist…


…aufgrund der allgemeinen Vielschichtigkeit und des Angebots an wissenschaftlichen Einrichtungen, Instituten sowie Hochschulen in Ergänzung zur Medienlandschaft in der gesamten Hauptstadtregion für uns genau der richtige Standort.

Rainer Engel
machte 2006 sein Diplom als Digital Artist an der German Film School in Elstal. Zwei Jahre später gründete er sein Unternehmen scientific|Media und restaurierte seither Klassiker wie Metropolis, die Winnetou-Filmen und Der blaue Strohhut. Seit seinem Abschluss ist Engel auch als Dozent tätig an der SAE, der MDH Mediadesign Hochschule sowie medienakademie München.

Kontakt

<link http://www.scientific-media.de>www.scientific-media.de</link>

<link http://office(at)scientific-media.de - mail "Opens window for sending email">office(at)scientific-media.de</link>

 

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