Moderator Knut Elstermann (l.) mit Dagmar Engel und Andreas Rostek von edition.fotoTAPETA © Gundula GieseModerator Knut Elstermann (l.) mit Dagmar Engel und Andreas Rostek von edition.fotoTAPETA © Gundula Giese

Blau lesen ist angesagt

 

Am 17. November 2019 wurde zum zweiten Mal, gemeinsam von den Berliner Senatsverwaltungen für Kultur und Europa sowie Wirtschaft, Energie und Betriebe, der Berliner Verlagspreis im Deutschen Theater verliehen. Der mit 15.000 Euro dotierte Förderpreis ging an den Verlag edition.fotoTAPETA, der seinen Blick von Anfang an in Richtung Osten richtete und deren Markenzeichen seine markant blauen Bücher sind.

Der Verlag edition.fotoTAPETA hat es sich von Anfang an auf seine blauen Fahnen geschrieben, kulturelle Unterschiede zu verstehen, Vorurteile abzubauen und Grenzen zu öffnen, heißt es im Statement der sechsköpfigen Jury. Und weiter: „Der Verlag trägt in Zeiten, da Meinungsfreiheit vielerorts eingeschränkt wird und Diskussionen vor allem hitzig geführt werden, zu einer besonnenen, fundierten Debattenkultur bei und hilft, Texte zu entdecken, für die woanders selten Platz ist.“

Der Fokus des Berliner Verlages liegt seit seiner Gründung auf Publikationen aus Osteuropa und das hat eine lange Geschichte: „Ich gehöre zu einer Generation aus der alten Bundesrepublik, für die Frankreich, Italien und England immer sehr nah lagen, nicht aber Polen und die anderen osteuropäischen Länder. Nach der Wende entwickelte sich daraus eine Art „politischer Scham“. Der Verlag, angeschoben auch durch Freunde in Warschau, wurde dann sozusagen zu einer persönlichen europäischen Osterweiterung.“, sagt Verlagsgründer Andreas Rostek.

Aus der Taufe gehoben wurde der Verlag vor 13 Jahren, mit zwei Verlagssitzen – einer in Warschau und einer in Berlin: „Damals verlegten wir unsere Bücher auch in zwei Sprachen, polnisch und deutsch, das konnten wir uns aber leider sehr bald nicht mehr leisten“, so Rostek, der ebenfalls als Autor einige Bücher veröffentlicht hat.

Das Programm ist dennoch nach wie vor breit gefächert: Von Büchern über Europa und europäische Geschichte, mit besonderem Augenmerk auf den Osten, über Romane und Essays zu Gedichten und Erzählungen. Alle Publikationen erscheinen mit einem blauen Buchumschlag, das Markenzeichen des Verlages: „Wir wollten schöne Bücher machen, die erkennbar sind. Und eines Tages standen wir in einem Museum und machten uns Gedanken über die Buchcover. Hilfreich war uns hier ein Bild von Yves Klein. Da wussten wir: Dieses Yves-Klein-Blau – das ist es, das versuchen wir“, erzählt Verleger Rostek.

Der Berliner Verlagspreis ist ein großer Ansporn für den herausragenden Verlag: „Wir sitzen mit dem Verlag mitten in Berlin-Moabit, also sagen wir es schlicht heraus: Wir haben uns gefreut wie Bolle! Außerdem konnten wir endlich ein neues Projekt anschieben – mit dem polnischen Dichter Tomasz Różycki. Das große Buch unseres kommenden Frühjahrs aber ist der Debütroman eines 93-Jährigen: Bernt Spiegel schreibt über zwei Jungs in der Nazizeit und erzählt, detailreich und mit vielen Stimmen, wie eine verbrecherische Idee sich einer Gesellschaft und des Staates bemächtigt – ein Roman mit über 900 Seiten“, so Rostek. Darüber hinaus hätten sie eine größere Rechnung sofort bezahlen können: „Der Preis ist auch ein schönes Schulterklopfen, das uns sagt: Weitermachen!“

Über den Berliner Verlagspreis

Ins Leben gerufen wurde der Berliner Verlagspreis im Frühjahr 2018 von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Mit insgesamt 68.000 Euro ist der Berliner Verlagspreis die am höchsten dotierte Auszeichnung ihrer Art in Deutschland. Ziel des Preises ist es, die Vielfalt der Berliner Verlagsbranche zu fördern, den Verlagsstandort Berlin zu stärken und die ambitionierte Arbeit der unabhängigen Publikumsverlage in Berlin zu würdigen.

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Sylvia Fiedler

Buch- und Pressemarkt

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