Das Haus der schönen Bücher

Kategorie: Förderung

Edmund Jacoby vom Verlagshaus Jacoby & Stuart © Cordula Giese

Edmund Jacoby vom Verlagshaus Jacoby & Stuart

© Cordula Giese

Am 7. November 2021 wurde nun bereits zum vierten Mal, gemeinsam von den Berliner Senatsverwaltungen für Kultur und Europa sowie Wirtschaft, Energie und Betriebe, der Berliner Verlagspreis im Deutschen Theater verliehen. Der mit 15.000 Euro dotierte Berliner Verlagspreis ging an das Verlagshaus Jacoby & Stuart, das mittlerweile zu einer festen Größe unter den unabhängigen Verlagen in Deutschland geworden ist. Im Statement der sechsköpfigen Jury hieß es: „Das Programm zeichnet sich beständig durch ausdrucksstarke Ästhetiken, gesellschaftlich relevante Inhalte und eine philantrope Haltung aus.“

Ästhetisch anspruchsvolle Titel

Im März 2008 gründete das Verlegerpaar Edmund Jacoby und Nicola Stuart das Verlagshaus Jacoby & Stuart und hat sich mit seinem engagierten Team als kulturelle Institution über die Landesgrenzen hinaus einen Namen gemacht. Mit der Verlagsgründung erfüllten sich die beiden Verleger auch einen weiteren Traum, denn sie zogen in die Stadt ihrer Träume: Berlin.

Dabei hatten sie von Anfang an den Anspruch, schöne – aber auch ästhetisch anspruchsvolle Titel zu verlegen: So finden sich im Verlagsprogramm fantasievolle Pappbilderbücher für die Kleinsten, spannende Kinder- und Jugendromane, Comics, Graphic Novels, illustrierte Sachbücher und Kochbücher. Doch durch das gesamte Verlagssortiment zieht sich wie ein roter Faden: die liebevolle Gestaltung, gutes Material und kluge Inhalte. Bereits das allererste Buch, Leute von Blexbolex, wurde für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2009 nominiert und von der Stiftung Buchkunst als schönstes Buch der Welt ausgezeichnet. Das hat die Richtung vorgegeben.

Ein Verlag mit Haltung

Das Verlagsprogramm nimmt auch politisch Stellung für aufgeklärte Positionen: mit der Graphic Novel Rosa Winkel oder dem kapitalismuskritischen Comic Economix, mit Büchern gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, mit Büchern, die vor einer Klimakatastrophe warnen und für den Artenschutz werben. Bezeichnend für dieses Engagement ist die Zusammenarbeit mit Amnesty International. Und so verwundert es nicht, dass die beiden Verleger auch stolz darauf sind, mit sogenannten „schwierigen Büchern“ zu überleben. Nicola Stuart und Edmund Jacoby nennen zwei Beispiele: „Zum einen das Buch „Balkanalien“ von Samira Kentrić; ein künstlerisch herausragendes Buch zu einem politischen Thema, nämlich einer Kindheit und Jugend in der Zeit des politischen Umbruchs in Exjugoslawien. Leider interessiert dieses Thema nicht sehr viele Menschen, aber es ist wichtig für die Zukunft Europas. Für die Übersetzung haben wir sogar eine Förderung bekommen, aber die Druckkosten haben wir noch längst nicht durch die Verkäufe eingespielt und werden es vielleicht nie tun. Nichtsdestoweniger ist es ein Buch, das veröffentlicht gehört.

Das andere Beispiel ist das Kinder- und Jugendsachbuch „Freiheit! Harriet Tubman, eine amerikanische Heldin“. Es zeichnet die Geschichte der Sklaverei in den USA anhand der Lebensgeschichte von Harriet Tubman nach. Solche engagierten Bücher haben in der Buchhandlung schnell das Nachsehen, weil die Zielgruppe doch recht überschaubar ist; und aus demselben Grund geben auch die Medien solchen Büchern nicht viel Platz. Wir wollen aber daran mitarbeiten, dass sich das ändert.“

Bücher für alle fünf Sinne

Neben einem umfangreichen Repertoire an Kinder- und Jugendbüchern gehören aber auch Kochbücher aus aller Welt zum Verlagsprogramm. Das Kochbuchprogramm von Jacoby & Stuart umfasst einerseits Bücher internationaler Spitzenköche – von Altmeister Paul Bocuse bis zum neuen Star der Pariser Küche William Ledeuil – und andererseits von Künstlern illustrierte Länderküchen-Kochbücher.

Dies sei ihnen vor allen Dingen eine „Magenangelegenheit“, denn der Magen sei ein genauso wichtiges Organ wie das Herz, so Edmund Jacoby: „Gut kochen – das heißt auch, gesund kochen – ist wichtig und soll auch Spaß machen. Deshalb sind unsere Kochbücher alle schön illustriert und gestaltet, und da sie viele Länderküchen bekannt machen, dienen sie auch der Völkerverständigung.“ Die Verleger sind dabei immer auf der Suche nach neuen Autor*innen und Künstler*innen, die wichtige Dinge gut in Wort und Bild ausdrücken können, betont das Verlegerpaar: „Andererseits kommen diese aber auch auf uns von sich aus zu, weil sie finden, dass ihre Bücher in unserem Programm in guter Gesellschaft sind.“

Der Verlagspreis als Ansporn

Edmund Jacoby und Nicola Stuart sind sehr stolz auf die Auszeichnung: „Auch der feierliche Rahmen bei der Verleihung und insbesondere die tolle Laudatio haben uns sehr gefallen und gefreut. Wir haben nicht nur im Anschluss an die Preisverleihung im Deutschen Theater gefeiert, sondern auch noch am nächsten Tag, als wir alle zusammen um den schönen Blumenstrauß saßen, den wir mit dem Preis bekommen hatten. Denn ein Verlagspreis, gerade wenn er in einem feierlichen Rahmen verliehen wird, ist gut für das Renommee des Verlags. Und Renommee bedeutet, dass Buchhändler*innen seine Bücher eher beachten und dass gute Autor*innen von ihm verlegt werden möchten. Davon abgesehen, kann ein kleinerer Verlag auch immer Geld gebrauchen, zum Beispiel, um den Mitarbeiter*innen auch mal Weihnachtsgeld zahlen zu können.“

Seit einem Jahr druckt der Verlag seine Bücher übrigens klimaneutral: „Denn natürlich ist es auch für uns ein (überlebens-)wichtiges Anliegen, den Klimawandel, so weit es überhaupt noch geht, aufzuhalten. Das ist auch ein Thema unserer Bücher, etwa des Sachbuchs „Ohne Eis kein Eisbär“ von Kristina Heldmann. Selbstverständlich achten wir beim Papier und Druck strikt auf Klimaneutralität. Die Bäume, aus denen bei uns das Papier gemacht ist, sind garantiert nachhaltig angebaut gewesen, und das CO2, das beim Druck freigeworden ist, wird von den Bäumen, deren Pflanzung wir finanzieren, wieder eingefangen. Und in diesem Fall ist das Buch gleich auf Recyclingpapier gedruckt“, sagt Nicola Stuart.

Und welche Bücher liegen bei dem Verlegerpaar auf dem Nachttisch? „Edmund Jacoby liest aktuell „Amerikanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie. Ein tolles Buch! Und bei mir liegt Eva Menasses „Dunkelblum“ auf dem Nachttisch. Ebenfalls ein sehr gutes Buch!“, so Nicola Stuart.

Über den Berliner Verlagspreis

Ins Leben gerufen wurde der Berliner Verlagspreis im Frühjahr 2018 von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa und der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Mit insgesamt 68.000 Euro ist der Berliner Verlagspreis die am höchsten dotierte Auszeichnung ihrer Art in Deutschland. Ziel des Preises ist es, die Vielfalt der Berliner Verlagsbranche zu fördern, den Verlagsstandort Berlin zu stärken und die ambitionierte Arbeit der unabhängigen Publikumsverlage in Berlin zu würdigen.

Kontakt

Sylvia Fiedler

Buch- und Pressemarkt

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