Neu in BerlinMerantix-Gründer Dr. Rasmus Rothe und Adrian Locher © MerantixMerantix-Gründer Dr. Rasmus Rothe und Adrian Locher © Merantix

Neu in Berlin: KI-Campus Berlin

Dr. Rasmus Rothe gründete gemeinsam mit Adrian Locher die Merantix AG, ein in Berlin ansässiges AI Venture Studio, das vor Kurzem vierjähriges Jubiläum feierte. Das Startup hat sich auf Künstliche Intelligenz spezialisiert und versteht sich als Brücke zwischen Forschung und Industrie. Rothe, der in Oxford und Princeton Informatik studierte und mit 26 im Bereich KI promovierte, schaut auf die letzten vier Jahre zurück und gibt einen Ausblick in die Zukunft.

„Wir sind damals mit dem Ziel gestartet, die bedeutenden Fortschritte, die Künstliche Intelligenz in der Forschung bereits gemacht hatte, endlich in reale Anwendungen zu bringen. Dazu bauten wir kontinuierlich ein Team von derzeit bereits mehr als 80 internationalen Talenten auf: Machine Learning Engineers, Gründer und Industrieexperten. Gemeinsam haben wir an einer Plattform gearbeitet, die Unternehmen in den verschiedensten Branchen gründet, unterstützt und skaliert“, sagt Rasmus Rothe. Die Experten sitzen unter einem Dach und profitieren von den Erfahrungen aller: „Wir tauschen uns regelmäßig aus und nutzen eine gemeinsame technische und operative Infrastruktur.“

KI-Campus als Berliner Hub für KI-Innovation

Eines der jüngsten und wohl ambitioniertesten Projekte von Merantix ist die Gründung des KI-Campus. Das ursprünglich geplante Richtfest für Mai dieses Jahres musste zwar wegen der Corona-Pandemie digital stattfinden, geplanter Einzugstermin ist aber nach wie vor das erste Quartal 2021. Rasmus Rothe umreißt das Konzept: „Der Campus soll zum Berliner Hub für KI-Innovation werden. Zusammen mit unserem Partner, Vitra, arbeiten wir an einem Campus Setup für die Arbeit der Zukunft und schließen uns mit Partnern aus Industrie und Forschung sowie dem Berliner Startup-Ökosystem zusammen, um mit ihnen gemeinsam einen lebendigen und innovativen Anlaufpunkt für Künstliche Intelligenz zu schaffen.“

Besonders unter dem Gesichtspunkt von Corona gewinne eine Arbeitskultur, wie sie der Campus verfolgt, an Bedeutung. Denn zukünftig wird die Arbeit auf drei verschiedenen Ebenen stattfinden: Homeoffice, das sich in der aktuellen Krise als gut funktionierender Ansatz erwiesen hätte, Remote Work und Office Work: „Letzteres entwickelt sich jedoch weg von der tiefen konzentrierten Arbeit, die auch zu Hause stattfinden kann, hin zu einer überwiegend kreativen Zusammenarbeit und persönlichen Interaktion“, betont Rasmus Rothe und ist sich sicher, dass die Entwicklung dazu führt, dass Unternehmen ihre Büroräume neu überdenken und feste Arbeitsplätze durch ein flexibleres System mit der Integration von Homeoffice-Plätzen ersetzen müssen: „Insbesondere für Startups mit begrenzten Ressourcen bietet eine solche Herangehensweise und seine Verwirklichung in Form des Campus eine hervorragende Alternative“, so Rothe.

KI-Expertise soll zukünftig aus Deutschland kommen

Ziel sei es, die verschiedenen Akteure, welche für den erfolgreichen Transfer der Künstlichen Intelligenz von der Forschung in die Industrie notwendig sind (Forscherinnen und Forscher, Startups, Corporates und die öffentliche Hand), an einem Ort zu vereinen: „Der 700 Quadratmeter große Connection Space, welcher das Herzstück des Campus bildet, ermöglicht solche Kollaborationen, während die umliegenden Büros den Teams die Möglichkeit bieten, zu arbeiten und ihre Visionen zu erschaffen. Darüber hinaus bieten modulare Räume wie Telefonkabinen, große Workshop- und Besprechungsflächen Raum für unterschiedliche Arten der Teamarbeit und die Organisation von Veranstaltungen und Community Events die Etablierung von Synergien.“

Der Standort Berlin bietet mit seinem Startup-Ökosystem ein gutes Umfeld für den KI-Campus und die weiteren Ziele von Merantix und zieht Talente an: „Die Stadt ist jung, modern und günstig“, so Rothe. Das prädestiniere Berlin erst einmal für Startups aller Couleur: „Im Bereich KI kommt allerdings ein besonders ausgeprägter Fachkräftemangel hinzu: Maschinelles Lernen ist eine sehr neue, hochkomplexe Technologie. Die wenigen, die sie beherrschen, haben Angebote von überall, von den führenden Technologieunternehmen.“ Berlin sei dabei aber ein einzigartiger Gravitationspunkt für junge Menschen aus der ganzen Welt: „Deshalb haben wir es uns als Ziel gesetzt, Berlin, neben den bereits etablierten Hubs, als Innovationszentrum zu zementieren“, betont Rothe, der auch Mitbegründer des KI-Bundesverbandes ist: „Deutschland wird mit seinen guten Universitäten und Forschungseinrichtungen nicht nur in technischen Studiengängen führend sein, sondern auch Entrepreneurship professionell unterrichten und damit sein Startup-Ökosystem stärken. Die deutschen Mittelständler, weiterhin führend in ihren Branchen, haben sich mit den KI-Startups der Metropolregionen zusammengetan und bringen gemeinsam den Wirtschaftsstandort Deutschland ins 21. Jahrhundert: Mit der technischen Expertise der Startups einerseits, und der Datenvielfalt und dem Domänenwissen der vielen Hidden Champions andererseits.“

Ein kurzer Rückblick – und ein Ausblick in die Zukunft

Rückblickend sei die größte Herausforderung gewesen, die Technologien aus der Forschung in reale Anwendungen umzusetzen: „Nebst technischen Experten braucht es strukturierte Datensätze, Branchenexpertise, unternehmerisches Verständnis und eine Kommerzialisierungsstrategie.“ Dabei sei das Potenzial der Künstlichen Intelligenz längst unbestritten, denn seit Jahren ist Technologie Teil aller gesellschaftlichen Debatten.

Die Schwierigkeit war nicht nur, einen Algorithmus so zu bauen, dass er funktioniert, sondern daraus ein Produkt zu entwickeln. Und genau das macht das Merantix-Team um Rasmus Rothe. Denn es ging dem Startup nicht nur um die Forschung; vielmehr auch um den Aufbau von funktionierenden Unternehmen. Fünf Portfoliounternehmen sind bereits auf dem Markt: Vara Healthcare (die bereits erwähnte radiologische Automatisierung), Siasearch (Data Management), Merantix Labs (Industrie-Projekte), Cambrium (Synthetische Biologie) und Kausa (Business Intelligence). Alle Firmen vereint, dass sie KI als Basistechnologie nutzen und nicht im Wettbewerb zueinander stehen: „Dadurch pflegen wir eine Open-Source-Kultur, innerhalb derer wir neuen Gründern mit ihren Ideen und der technischen Implementierung helfen, sie mit wichtigen Partnern aus der Forschung verbinden und bis zu ihrer Series A finanzieren“, so Rothe.

Geplant ist, innerhalb der nächsten vier Jahre bis zu zehn weitere Firmen auszugründen: „Dazu haben wir Anfang des Jahres einen Fonds mit amerikanischen Stiftungen und europäischen Family Offices aufgesetzt“, sagt Rasmus Rothe.