Was wurde ausGeschäftsführer Hannah Nöthig und Karsten Nölling ©KiwiGeschäftsführer Hannah Nöthig und Karsten Nölling ©Kiwi

Was wurde aus: KIWI?

Seit acht Jahren öffnet das Unternehmen KIWI die Türen vieler Berliner Mehrfamilienhäuser – mit einem schlüssellosen Mechanismus, einfach per App oder Transponder. Begonnen hat alles im Jahr 2007: Damals fragte sich Claudia Nagel, die Gründerin von KIWI, ob es im 21. Jahrhundert eine einfachere Lösung gibt, ins Haus zu kommen – ohne immer auf der Suche nach dem Haustürschlüssel zu sein. Die Idee zur erfolgreichen Geschäftsidee war geboren. Bereits kurz nach dem Start konnte KIWI mit seinem Schließsystem namhafte Geschäftskunden überzeugen: Dazu gehören das Wohnungsunternehmen degewo, die Deutsche Post, das Entsorgungsunternehmen Alba und die Berliner Feuerwehr, die ihre Einsatzfahrzeuge mit KIWI-Transpondern ausgestattet hat.

Heute gehören zu den KIWI-Kunden über 600 Unternehmen der Wohnungswirtschaft wie Gesobau, degewo, Spar- und Bauverein Dortmund und die Nassauische Heimstätte Wohnstedt. Auch die Deutsche Wohnen hat heute bereits über 5.000 ihrer Häuser mit KIWI ausgestattet und wird in den nächsten Jahren den kompletten Bestand auf KIWI umrüsten.

ProFIT-Förderung öffnete dem Startup Türen und Chancen

2015 erhielt das damalige Startup erstmalig von der Investitionsbank Berlin (IBB) eine Millionen-Förderung aus dem Innovations- und Technologieförderprogramm ProFIT. Durch diese Einstiegsförderung war das Unternehmen in der Lage, verschiedene Produkte und Technologien zu entwickeln, die den Markteintritt erheblich unterstützten: Als grundlegendes Angebot wurde ein schlüssel- und berührungsloses Zugangssystem für Haustüren in Mehrfamilienhäusern auf Funk-, RFID-Cloud-Technologiebasis  geschaffen. Im folgenden Vorhaben erfolgte die logische Ausweitung der Technologie auf die Anforderungen beim Öffnen von Wohnungstüren. „Zu den erfolgreichen Projekten zählen beispielsweise der KIWI-Transponder, die Ausweitung von KIWI für Haustüren auf Wohnungstüren und unsere offene API-Schnittstelle, über die KIWI z. B. in die ERP-Systeme (Anm. betriebswirtschaftliche Softwarelösungen zur Steuerung von Geschäftsprozessen) der Wohnungswirtschaft integriert werden kann“, sagt Karsten Nölling, Vorsitzender der Geschäftsführung. „Wir sind außerdem konstant gewachsen und beschäftigen mittlerweile 50 Mitarbeiter*innen. KIWI-Türen werden monatlich durchschnittlich 500.000 Mal geöffnet und über 100.000 Wohneinheiten sind an die KIWI-Infrastruktur angeschlossen. Dieses Wachstum und diese übergreifende Plattform-Entwicklung hätten wir ohne die langfristige und passgenaue Unterstützung durch das Programm ProFIT des Landes Berlin nicht so schnell und umfassend erreichen können.“

Im aktuellen dritten Förderprojekt steht die Entwicklung einer offeneren und herstellerübergreifenden Plattformlösung im Fokus. Unter dem Namen „Entwicklung und Vermarktung offene KIWI Plattform“ konnte sich die Firma Ende 2019 eine sechsstellige Fördersumme erneut beim ProFIT-Programm sichern. Mit der überarbeiteten Plattform sollen schließlich unterschiedlichste Nutzergruppen über ihre eigenen Softwareoberflächen Zutrittsrechte zu KIWI-Türen vergeben können. Ein Anwendungsbeispiel wäre ein Handwerkerportal, das für die Erledigung von Aufträgen die Freischaltung für die entsprechenden Türen ermöglicht.

Die IDiT vereint führende Akteure der Wohnungswirtschaft

Ein weiterer großer Erfolg sei eine wegweisende Kooperation in der Immobilienbranche, so Nölling. Denn vor zwei Jahren schlossen sich führende Akteure der Immobilienwirtschaft zu der „Initiative Digitaler Türzugang“ (IDiT) zusammen. Die Initiative verfolgt drei Hauptziele: Sie will sich für die Aufklärung über digitale Türzugangssysteme einsetzen, neue Geschäftsmodelle prüfen und einheitliche technische und rechtliche Standards für digitale Türzugangssysteme entwickeln.

Zu den Gründungsmitgliedern gehören der Aufzugshersteller Schindler Deutschland, die Facility Manager Gegenbauer und Immobilien Service Deutschland, das Wohnungsunternehmen Deutsche Wohnen, die Kanzlei Greenberg Traurig, die Türenhersteller PRÜM und GARANT, der Anbieter von Sicherheitslösungen ABUS und Hager Group mit Türsprechanlagen der Marke Elcom. Geschäftsführer Nölling erläutert noch einmal die Idee: „Täglich müssen verschiedene Nutzer durch die Hauseingangstür von Mehrfamilienhäusern, um bestimmte Dienstleistungen zu erbringen: Die Post stellt Briefe zu, Entsorger holen den Müll ab, Reinigungsfirmen putzen den Hausflur u. v. m. Auch die Bewohner*innen selbst und die Vermieter müssen Zugang zum Gebäude bekommen. Bisher waren hierfür Schlüsselübergaben notwendig, die nicht nur aufwendig, sondern auch unsicher sind. Mit einem digitalen Zugangssystem können Zutrittsrechte in Echtzeit einfach, sicher und flexibel verwaltet werden. Immer mehr Wohnungsunternehmen haben die Vorteile erkannt und stellen auf digitale Systeme um. Mit unserer Initiative bringen wir verschiedene Anwender an einen Tisch, um Themen wie Sicherheit, Geschäftsmodelle und Aufklärungsarbeit gemeinsam voranzubringen.“

KIWI präsentiert weitere Produktneuheiten

Mit der SmartDOOR hat das Unternehmen Anfang 2019 eine weitere Produktneuheit gemeinsam mit dem Schweizer Gebäudezulieferer Arbonia AG entwickelt. Das Neue an dieser intelligenten Tür ist die im Türblatt integrierte KIWI-Technik, erläutert Karsten Nölling: „Von außen ist nicht erkennbar, dass es sich um eine Tür mit digitalem Zugang handelt. Nach Einbau der Tür kann diese sofort über die KIWI-Plattform verwaltet werden“, so Rubin. Weitere Meilensteine seien der Gewinn des Immobilienmanager-Awards als erstes Unternehmen in der Kategorie PropTech oder die Entwicklung des KIWI Smart Locks für Wohnungstüren.

Auch in diesem Jahr wird das Unternehmen mit neuen Innovationen punkten: „Wir haben viel vor und wollen weiter wachsen – in Hinblick auf Installation, Kunden und Umsatz. So wollen wir unsere Produkte weiterentwickeln, z. B. die API-Schnittstelle. Mit der IDiT arbeiten wir an einem Prüfsiegel für Zugangssysteme“, so Nölling und wirft abschließend einen Blick in die Zukunft: „Das Öffnen von Türen mit dem Handy oder einem Transponder wird für Mehrfamilienhäuser in zehn Jahren der Nische vollständig entwachsen sein und für Wohnungsunternehmen, Dienstleister und Bewohner*innen so normal, wie heute das Öffnen von Autos ohne Schlüssel. In Neubauten wird der Schlüssel zum Exoten und durch die weiter zunehmende Nachrüstung von Objekten wird der Schlüssel abgelöst." Ein Indiz dafür, dass die Zukunft für KIWI rosig ist, belegen neueste Zahlen – knapp 10 Millionen Euro Kapital hat das Unternehmen im April 2020 durch unter anderem die Arbonia Gruppe und die Deutsche Wohnen einsammeln können.