Was wurde ausMenschen vor der Berliner SkylineDas Lindera Team um Gründerin Diana Heinrichs © Lindera GmbH

Was wurde aus: Lindera?

Täglich stürzen ältere Menschen – zu Hause und in Pflegeeinrichtungen. Das Berliner Startup Lindera mit Sitz in Kreuzberg hat eine App entwickelt, die eine Gangbildanalyse einer Person über eine Smartphone-Kamera ermöglicht. Dank Künstlicher Intelligenz wird das diagnostische Auge des Arztes oder der Pflegekraft imitiert. So digitalisiert Lindera die Analyse der Risikofaktoren, um Stürze im Alter zu verhindern. Möglich wird dies durch selbsterlernende Algorithmen. Innovative Betreiber aus der Pflege und führende Krankenkassen kooperieren bundesweit mit dem Startup, um neue, smarte Arbeitsweisen für Fach- und Nachwuchskräfte im Pflegealltag zu verankern und Stürze systematisch zu verhindern.

Wie aus einer privaten Idee ein lukratives Unternehmen wurde

CEO und Gründerin Diana Heinrichs kommt ursprünglich aus der IT-Branche und arbeitete bei Microsoft. Damals übernahm ihre Mutter die Vollzeitpflege ihrer Großmutter und verbrachte zehn Jahre lang ihre Mittagspause ausschließlich dort, um ihr im Alltag zu helfen. Doch auch sie konnte nicht verhindern, dass die ältere Dame immer wieder mal stürzte. Gemeinsam mit einem Pfleger tat die Familie alles, damit die Seniorin auch weiterhin angstfrei zu Hause leben konnte: „Diesen Wunsch teilen Millionen anderer Familien – wie ihre täglichen Begleiter, die Pflegekräfte und Versicherungen“, sagt Diana Heinrichs und entwickelte 2017 daraus eine technische Lösung für alle.

So funktioniert der Mobilitätstest per App

„Unsere KI-basierte Mobilitätsanalyse kann man in drei einfachen Schritten zusammenfasen: ein 30-sekündiges Video vom Gang einer Person mit dem Smartphone aufnehmen, einen psychosozialen Fragebogen in der App ausfüllen, Analyse inklusive individueller Maßnahmen zur Sturzprävention erhalten – fertig. Damit werden präzise und objektive Bewegungsanalysen an Ort und Stelle möglich – im heimischen Wohnzimmer oder in der Pflegeeinrichtung“, erläutert Diana Heinrichs.

Dahinter steckt Künstliche Intelligenz: Sie analysiert die komplexe Gangbewegung und ermittelt den Sturzgrad der Person – anhand von 3D-Motion-Tracking-Technologie und einem selbstlernenden Algorithmus. Diana Heinrichs: „Studien wie die retrospektive Fall-Kontroll-Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin zeigen, dass unsere Ergebnisse so präzise sind, dass sie sogar den Goldstandard schlagen. Diese Neuartigkeit hat uns jetzt auch das europäische Patentamt anerkannt.“

Lindera – schon jetzt mehrfach ausgezeichnet

Bereits 2017 wurde der „Lindera Mobilitätstest“ Gewinner des e-Health Awards 2017. Ein Jahr später gehörte das Startup zu den Nominierten des Digital Health Awards 2018 der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe. Darüber hinaus hat das Team um Diana Heinrichs den Demografie Exzellenz Award 2017, die Startup Challenge in der Kategorie „Monitoring und Vernetzung“ auf der Altenpflege 2018, den Digital-Health-Wettbewerb der BARMER und den StartUp Award der Entscheiderfabrik auf der Medica 2018 gewonnen.

Die Auszeichnungen seien Motivation, den bereits eingeschlagenen Weg weiter zu verfolgen und noch besser zu werden: „Für uns ist es wichtig, ein langfristiges, gesundes Unternehmenswachstum zu sichern und in die Entwicklung unserer Technologie und weiterer Digitaler Gesundheitsanwendungen zu investieren. Auf diese Weise passen wir unsere Lösung noch besser an die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten sowie von Pflegefachkräften an“, so Heinrichs.

Mit führenden Partnern weiter auf Erfolgskurs

Einst sind sie mit dem EXIST-Gründerstipendium gestartet und konnten unter anderem Rheingau Founders als Investor von sich überzeugen. „Unsere Kooperationspartner und strategischen Investoren bringen Know-how aus vielen Branchen ein: Pflege, Gesundheit, Immobilien und IT. Wir sind stolz darauf, dass wir führende Krankenkassen und IT-Anbieter für die Pflege- und Gesundheitsbranche zu unseren Partnern zählen können – von der AOK Nordost, über die Barmer Krankenkasse bis hin zur IKKclassic.“

„Die Integration unserer Lösung in das Angebot der führenden Pflegesoftwareanbieter DAN Produkte und MediFox bietet neue Möglichkeiten in der ambulanten und stationären Pflege und reduziert vor allem den Dokumentationsaufwand der Pflegefachkräfte.“ Mit KORIAN Deutschland, Alloheim Senioren-Residenzen und Katharinenhof hat Lindera zudem führende Anbieter von Betreuungs- und Pflegedienstleistungen mit an Bord: „Gemeinsam mit unseren Partnern können wir so weltweit Standards bei Bewegungsanalysen setzen.“

Digitalisierung in der Pflege

Fachkräftemangel, Überlastung und fehlende Anerkennung – die Gesundheitsbranche stand bereits vor dem Ausbruch von COVID-19 vor großen Herausforderungen. Und genau dort setzt die Mobilitätsanalyse von Lindera an: „Indem wir Digitale Gesundheitsanwendungen mit smarten Technologien in den Alltag von Pflegefachkräften integrieren, reduzieren wir den Dokumentationsaufwand, beschleunigen und präzisieren Prozesse und sorgen so dafür, dass mehr Zeit zur persönlichen Betreuung von Patientinnen und Patienten bleibt“, so Heinrichs.

Dies sei auch wichtig, damit die Branche ein neues Selbstbewusstsein entwickle und der Beruf als attraktiver wahrgenommen wird. Denn im internationalen Vergleich hinke Deutschland bei der Digitalisierung des Gesundheitswesens immer noch hinterher: „Fehlende Strukturen, mangelnde Transparenz und eine unklare Gesetzeslage haben es Unternehmen lange erschwert, Digitale Gesundheitsanwendungen erfolgreich am Gesundheitsmarkt zu etablieren.“

„In Deutschland und Europa haben wir das Know-how, die Technologien und vor allem ambitionierte, engagierte Experten aus verschiedenen Bereichen, die digitale Gesundheitslösungen voranbringen wollen. Deutschland und Europa dürfen ihr digitales Potenzial jetzt nicht verschlafen. Es ist noch nicht zu spät, Deutschland zu einem Vorreiter im Bereich Digital Health zu machen.“

Ein Blick in die Zukunft

Wie es weitergeht, verrät Diana Heinrichs ebenfalls: „Unsere Digitale Gesundheitsanwendung ist einfach und intuitiv anwendbar – und zeigt schnelle Erfolge. Wir möchten Menschen auf der ganzen Welt ermöglichen, ihre Mobilität im Alter smart zu fördern und zu erhalten.“ So ist Lindera beispielsweise bereits in Brasilien aktiv.

Doch noch liegt der Fokus des jungen Startups hauptsächlich auf Deutschland – und hier hat Diana Heinrichs eine klare Botschaft: „Lasst uns nicht dabei zusehen, wie die Digitalisierung im Gesundheitssektor verschlafen wird – was das zur Folge haben kann, sehen wir derzeit im Bildungsbereich. Es ist jetzt an der Zeit, wegweisend voranzugehen und Digitale Gesundheitsanwendungen in den Pflegealltag zu integrieren – zum Wohl von Patientinnen und Patienten und Pflegekräften.“