Was wurde ausDie Gründer Sami Benchekroun, Rino Montiel und Justus Weweler (v.l.n.r.) ©️ MorressierDie Gründer Sami Benchekroun, Rino Montiel und Justus Weweler (v.l.n.r.) ©️ Morressier

Was wurde aus: Morressier?

Das Berliner Startup Morressier hat sich auf die Übertragung und Speicherung wissenschaftlicher Online-Veranstaltungen fokussiert und will damit den wissenschaftlichen Austausch fördern.

Um seine Video-Software, die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basiert, weiter entwickeln zu können, hat Morressier im Mai diesen Jahres 15 Millionen Euro von den Capital-Investoren Cherry Ventures und Redalpine in der Series A eingesammelt. Angeführt hat die Runde Owl Ventures, ein Edutech-VC aus dem Silicon Valley, der Geld von Bill Gates verwaltet und unter anderem an „Studysmarter“, einer Lernapp für Schüler*innen und Studierende, beteiligt ist. Zudem wird Morressier aktiv durch die „ProFIT-Förderung“ der Investitionsbank Berlin (IBB) unterstützt.

Mit den Finanzierungen soll es Morressier ermöglicht werden, sein Wachstum zu beschleunigen und neue Community- und Analysefunktionen einzuführen, mit denen die Zusammenarbeit mit Hilfe von KI unter den einzelnen Konferenzteilnehmer*innen noch einmal verbessert und eine kontinuierliche Diskussion über Konferenzinhalte gefördert werden kann.

Weltweiter Zugang zu aktuellen Forschungsergebnissen

Gegründet wurde Morressier 2014 von CEO Sami Benchekroun und Justus Weweler in Berlin und bot damals die erste umfängliche SaaS-Lösung für akademische Konferenzen an. Damit sollten wissenschaftliche Prozesse, die vor, während und nach der Konferenz stattfanden, digital auf einer Plattform gespeichert werden. Forscher*innen erhalten somit die Möglichkeit, ihre Recherchen zu präsentieren, frühe Ergebnisse zu teilen und sich mit anderen Wissenschaftler*innen zu vernetzen. Jeder Schritt dieses Prozesses wird öffentlich zugänglich gemacht und über die eigene Plattform zu finden sein.

Die Idee kam Sami Benchekroun, weil er seine Eltern oft auf wissenschaftliche Konferenzen begleitet hat und dort miterlebte, dass Wissenschaft häufig nur hinter verschlossenen Türen stattfand und nicht in der digitalen Welt angekommen war. Gemeinsam mit Designer Justus Weweler und dem Entwickler Rino Montiel gründete er später Morressier, um dies zu ändern.

Künstliche Intelligenz nutzen, um wissenschaftliche Erkenntnisse zu verknüpfen

Dies geschieht mit KI und der automatischen Erkennung von relevanten Informationen innerhalb der hochgeladenen Inhalte. Sami Benchekroun, Morressier Co-Founder und CEO:

„Wir verbinden Prozesse und vereinheitlichen diese in einer Struktur, indem wir alle Komponenten miteinander vernetzen und die relevanten Inhalte auf den jeweiligen Plattformen zur Verfügung stellen. Zudem stellen wir sicher, dass alle wissenschaftlichen Beiträge in einer digitalen Bibliothek miteinander verknüpft, indiziert und veröffentlicht werden. Auf diese Weise können Wissenschaftler*innen weltweit davon partizipieren und erreichen ein noch größeres Publikum.“ Wertvolle Konferenzinhalte blieben häufig zu kurzlebig, auf physische Veranstaltungsorte oder Computerbildschirme beschränkt und verschwänden wieder, wenn eine Konferenz beendet ist.

Ein zusätzlicher Mehrwert sei der Zugang zu frühen wissenschaftlichen Erkenntnissen und die kontinuierliche Vernetzung der Konferenzteilnehmer*innen: „Denn so können Wissenschaftler*innen permanent im Austausch bleiben und gleichzeitig ihre Erkenntnisse teilen. Damit bleibt die Kommunikation nicht auf das eigentliche Event beschränkt. Darüber hinaus bauen wir Barrieren ab, an Konferenzen teilzunehmen – der Zugang zu Wissen wird transparent und damit demokratisiert“, so Benchekroun.

„ProFIT-Förderung“ als wichtiger Bestandteil der Finanzierungsstrategie

Die Idee, Wissenschaft mit Hilfe einer Software öffentlich zugänglich zu machen, wurde durch das „ProFIT-Programm“ gefördert. Anhand eines Scoring-Systems können interessierten Verbänden, Institutionen, Universitäten und Unternehmen bereits im Frühstadium wichtige Forschungserkenntnisse zur Verfügung gestellt werden. Dies geschieht anhand eines intelligenten Algorithmus, der die einzelnen Phasen einer wissenschaftlichen Arbeit genau analysiert und somit noch während des Prozesses exakte Auskünfte über deren Fortschritt geben kann. „Eine wissenschaftliche Arbeit umfasst in der Regel eine Zeitspanne von fünf bis sechs Jahren, in der Wissenschaftler*innen oft sehr abstrakt arbeiten, ohne ihre Ergebnisse zu teilen. Durch die Analyse kann es letztendlich gelingen, den Fortschritt vorauszusehen und die Ergebnisse wesentlich transparenter zu gestalten“, sagt Sami Benchekroun und betont: „‚ProFIT‘ war ein wichtiger Bestandteil unserer Finanzierungsstrategie, was Business Angels, Venture Capital Funds, aber auch Förderungen und Kredite miteinschließt.“

Eine zweite „ProFIT-Förderung“ läuft gerade, Morressier tüftelt an einer Software, die dem Startup einen Wettbewerbsvorteil bei der Kundenakquise verschafft: „Als Unternehmen setzen wir viel auf Innovation, vor allen Dingen innerhalb unseres Daten- und Entwicklungsteams“, so Benchekroun. Das zweite „ProFIT-Projekt“ basiere vor allem darauf, die Wissenschaftswelt intelligent miteinander zu vernetzen und damit langfristige Mehrwerte zu schaffen: „Auch hier ist die Förderung ein wichtiger Baustein für unsere Finanzierungsstrategie. Die finanzielle Unterstützung vom Senat und die Programme der IBB haben uns insgesamt sehr geholfen. Das Netzwerk in Berlin war die zweitwichtigste Zutat zum Erfolg.“

Berlin ist nach wie vor ein Mekka für die Startup-Szene

Das Büro von Morressier liegt in Kreuzberg und lebt von dem Spirit der Gegend: „Wenn ich mich vorstelle, sage ich immer: ‚Ich bin einer der letzten Berliner*innen‘.“ Sami Benchekroun fühlt sich aus vielen Gründen zu der Stadt hingezogen: „Meine Eltern sind aus Polen und Marokko hierher immigriert und ich wuchs hier in einer sehr spannenden Zeit auf. Berlin bot nach dem Mauerfall vielen sehr unterschiedlichen kreativen Köpfen Unterschlupf und die allgemeine Energie hat mich von jeher mitgerissen.“ Zudem biete die Stadt durch ihre kulturelle Vielfalt und ihre Geschichte die beste Voraussetzung für Startups aus aller Welt. Dadurch ist das Interesse von Capital Funds heutzutage mehr denn je auf Berlin gerichtet: „Ich bin auch sehr erfreut, dass die Unternehmensszene sehr stark geworden ist und immer aktiver wird – gerade, was die Förderung junger Startups betrifft“, so Benchekroun.

Abschließend rät der CEO von Morressier jungen Unternehmer*innen: „Gebt nie auf und seid mutig genug, viele Fragen zu stellen – es gibt keine dummen Fragen. Das Netzwerk in Berlin ist so reif und wunderbar ausgebaut und durch den ständigen Dialog können viele Probleme gelöst werden.“