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Zur Open Data-Gesellschaft

Auch wenn die Öffnung von Daten weiterhin skeptisch gesehen wird, nimmt Open Data in unserer digitalisierten Gesellschaft eine immer größere Bedeutung ein. Denn die aus offenen Daten gewonnenen Informationen stellen wichtige Faktoren im nationalen und internationalen Wettbewerb dar.

Ein kostenloser Leitfaden des Digitalverbandes Bitkom bietet Orientierung für Wirtschaft und Regierung auf dem Weg zu einer Open Data-Gesellschaft, die Transparenz weiter vorantreibt. Mit Open Data ist die   Veröffentlichung und Bereitstellung von Daten in offenen Formaten, maschinenlesbar, kostenlos und frei zugänglich auf Open Data Portalen gemeint. 

Berlin ist an dem zentralen Open-Government-Data-Portal govdata.de beteiligt und hat ein eigenes Open Data Portal www.daten.berlin.de mit über 1.700 Datensätzen aus der Verwaltung und Wirtschaft Berlins. Open Data kann dazu genutzt werden, einen simplen Austausch zwischen Einzelpersonen, verschiedensten Regierungsbehörden sowie unterschiedlichen Behörden auf Bundes- und Länderebene zu garantieren. Diese Art der Transparenz soll auf EU-, Bundes-, Länder- und Kommunalebene dafür sorgen, dass Bürger in den Verwaltungsprozess mit einbezogen werden und diesem mehr Vertrauen entgegenbringen. Auch wenn qualitativ noch Unterschiede bestehen, stellten 2016 bereits 106 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen einen entsprechenden Datenkatalog zur Verfügung und planen eine Entwicklung des Open Data Governments. Hierzu gehören Daten aus den Bereichen Bildung, Gesundheit, Haushalt/Investitionen, Arbeit und Umwelt.

Neben den Anwendungsmöglichkeiten auf politischer Ebene entstehen Vorteile für den Journalismus bzw. Datenjournalismus und praktische Anwendungsmöglichkeiten für Wissenschaftler und Universitäten. Darüber hinaus lassen sich zahlreiche gemeinnützige Verwendungszwecke sowie Geschäftsideen und Innovationen in der freien Wirtschaft finden, wie folgende Beispiele aufzeigen:    

  • Auf einer vom dänischen Unternehmen Husetsweb entwickelten Webseite können individuelle Hauseigentümer und sogar ganze Kommunen, basierend auf größtenteils offenen Daten, energiesparende Maßnahmen für die eigene Immobilie berechnen lassen
  • Die vom gemeinnützigen Verein Sozialhelden e.V. entwickelte Karte Wheelmap zeigt rollstuhlgerechte bzw. barrierefreie Öffentliche Einrichtungen, Schwimmbäder, Cafés u.v.m. an, die behinderten Menschen das Leben massiv erleichtern
  • Das Berliner Startup Viomeda verbindet Menschen mit verschiedensten Erkrankungen mit Forschungsinstituten, die klinische Studien durchführen, aus denen wiederum neue Behandlungsmethoden hervorgehen können
  • Die Technologiestiftung Berlin und die con terra GmbH nutzen eine Karte des Computerspiels Minecraft, um anhand von Geodaten aus dem Berliner Datenportal und der OpenStreet-Map eine Art Modell der deutschen Hauptstadt zu erstellen, an dem jeder Spieler gestalten kann

Bei der Open Data-Umstellung eines Unternehmens werden generell mehrere Phasen durchlaufen:

  • eine „Testphase“, die noch kein konkretes Ziel im Auge hat
  • eine erste „Besiedlungsphase“, bei der z.B. mittels sogenannter Hackathons Kontakte zu Anwendern hergestellt wird, die wiederum auf Fehler bei der Umstellung aufmerksam machen können
  • eine „Professionalisierungsphase“, in der das Unternehmen das Wissen aus allen vorangegangenen Phasen nutzt und mögliche Geschäftsmodelle ausarbeitet
  • in der „Routinephase“ ist die Open Data policy nun vollkommen in die Unternehmenskultur integriert und es stehen Mittel und Personal zur Verfügung, um wirtschaftlichen Nutzen daraus zu ziehen

Auch wenn diese Umstellung zu einer Open Data-Unternehmenskultur generell mit internen Widerständen verbunden ist, lohnen sich die Schritte, weil sie Innovation und Wachstum fördern, die zu Beginn gar nicht abzusehen waren.

author
Sebastian Askar

Leitung Digitalisierung, IKT-Wirtschaft und digitale Infrastruktur

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