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Christopher Möller von webkid über interaktive Visualisierungen

Erst studierten sie bis 2014 Medieninformatik an der HTW Berlin, inzwischen sind Christopher Möller und Moritz Klack Inhaber der webkid GmbH. Unter anderem kooperieren sie mit der Berliner Morgenpost, wenn es um das Erstellen interaktiver Visualisierungen geht. Im Interview mit Projekt Zukunft verrät Datenjournalist und Entwickler Christopher Möller, was die Vorteile interaktiver Formate sind und wie webkid an Daten für Visualisierungen gelangt.

Guten Tag Herr Möller, Darstellungsformen wie Tabellen, Fotos oder Diagramme werden seit Jahrzehnten in Print-Medien oder im Fernsehen verwendet. Sie selber haben sich auf interaktive Online-Karten und -Visualisierungen spezialisiert. Ein vergleichsweise neues Terrain, um über die Geschehnisse in der Welt zu berichten. Was zeichnet interaktive Visualisierungen im Vergleich zu traditionellen statischen Abbildungen aus? 

Im interaktiven Journalismus haben wir die Möglichkeit der Nutzerin oder dem Nutzer noch gezielter und individueller Informationen zu liefern. Dies können wir zum Beispiel durch Ortssuchen bei interaktiven Karten oder Filtern bei Diagrammen realisieren. 

Als Leserin und Leser kann man sich somit neben einem Gesamtüberblick noch seine eigene Geschichte zusammenstellen und beispielsweise herausfinden, wie die Situation vor der eigenen Haustür ist. Vor allem im Lokaljournalismus bietet sich für uns die Möglichkeit, Geschichten auf einer sehr granularen Ebene zu erzählen. 

Darüber hinaus können wir die Leserin und den Leser mit interaktiven Formaten in unsere Geschichten mit einbeziehen. So haben wir beispielsweise unsere Leserinnen und Leser gefragt, wie stark die ehemalige innerdeutsche Grenze noch in den Köpfen verankert ist, oder wann sie glauben, dass der Flughafen BER endlich eröffnet wird. 

Unter anderem hat webkid für die „Morgenpost“ Fahrradwege in Berlin interaktiv visualisiert, für die „Tageszeitung“ Flüchtlingsströme und für „Die Welt“ Parteispenden. Zuletzt hat die Neue Zürcher Zeitung Sie im Rahmen der Europameisterschaft beauftragt. Gibt es eigentlich Themen, die Sie bevorzugen? 

Grundsätzlich treffen wir keine Vorauswahl bei den Themen, die wir behandeln – wenn uns ein Thema interessiert, dann setzen wir es auch um. Einen besonderen Fokus haben wir in diesem Jahr auf das Thema Geflüchtete gesetzt, woraus unter anderem auch die Kooperation mit der taz entstanden ist.

Wer sind weitere wichtige Auftraggeber und mit wem arbeiten Sie in Berlin noch zusammen? 

Im Berliner Zeitungsmarkt arbeiten wir eng mit der "Berliner Morgenpost" zusammen. Darüber hinaus haben wir weitere Auftraggeber wie zum Beispiel das gemeinnützige Recherchebüro Correctiv, mit denen wir bereits mehrere Visualisierungs-Projekte umgesetzt haben. Die meisten unserer Kunden haben ihren Sitz ebenfalls in Berlin, wodurch wir enge Partnerschaften aufbauen konnten. 

Berlin setzt immer stärker darauf, dass Daten öffentlich zugänglich sind. Zugleich werden durch immer mehr Sensoren auch immer mehr relevante Daten erhoben. Freuen Sie sich schon auf ganz neues Datenmaterial in naher Zukunft? 

Leider wissen wir nie genau, welche Daten wann herausgegeben werden und können uns somit wenig im Vorraus freuen. Allerdings sind wir natürlich gespannt, welche Daten wir in Zukunft für Geschichten einsetzen können. 

Gibt es eigentlich Datenquellen, die Sie bevorzugen? Und haben Sie besondere Wünsche, was die Verfügbarkeit von Daten angeht? 

Wir bekommen unsere Daten aus ganz unterschiedlichen Quellen. Das können zum Beispiel Internetseiten sein, aus denen wir mithilfe von Code die Daten extrahieren. Wir nutzen aber auch Datenportale oder Anfragen, um an Daten zu gelangen. 

Ich würde mir wünschen, dass Daten in höherer Auflösung zur Verfügung gestellt werden. Wir haben bei vielen Datensätzen oftmals das Problem, dass sie nicht granular genug für unsere Anwendungsfälle sind, und wir sie somit nicht für unsere Geschichten benutzen können. 

Auch Sie selber setzen sich für offene Daten ein. Was treibt Sie dabei an? 

In erster Linie sind wir der Meinung, dass Daten, die von öffentlichem Interesse sind, auch für die Öffentlichkeit frei zugänglich sein sollten. Um dies zu erreichen, gibt es in vielen Teilen Deutschlands Open-Data-Bewegungen, die sich für offene Daten einsetzen. 

Weiterhin haben wir natürlich ein persönliches Interesse an offenen Daten, da wir diese in unseren Arbeiten einsetzen.

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Tanja Mühlhans

Leitung Kreativ- und Medienwirtschaft, Digitalwirtschaft, Projekt Zukunft

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