Daria Suvorova, Gründerin von WAA Podcast & Community

Kategorie: Women Empowerment Initiativen

©Photography by Donya Joshani

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Für ihren Women Authors of Achievement (WAA) Podcast trifft Gründerin Daria Suvorova einige der erfolgreichsten Frauen unserer Zeit. Im August 2022 wurde Daria Suvorova mit dem WAA Podcast in das Projekt Zukunft Netzwerk aufgenommen.

Daria, dein Women Authors of Achievement Podcast (WAA) begann als Networking-Dinner-Reihe für Frauen in Berlin. Während der Pandemie hast du den Podcast ins Leben gerufen und gerade die 50. Folge veröffentlicht. Mit welcher Motivation hast Du den Podcast gestartet?

Ich bin ein zutiefst neugieriger Mensch und es hat mir schon immer Spaß bereitet, Dinner zu organisieren. Das erste Dinner ist mit nur zwölf Frauen an den Start gegangen – mir ging es immer um die Unterhaltungen in einer angenehmen Atmosphäre und die Verbindungen, die daraus erwachsen sind. In einem intimen Format wie dem Dinner fällt es leicht, untereinander Wissen und Erfahrungen zu teilen. Das hat so gut funktioniert, dass aus zwölf Frauen innerhalb kurzer Zeit eine Community aus rund 200 Frauen entstanden ist. Durch Corona konnte ich die inspirierenden Frauen dann nicht mehr an einem Tisch versammeln. Ich habe nach einer Gesprächsumgebung gesucht, um ihre Geschichten zu erfahren und weiterzugeben. Daraus ist der WAA Podcast entstanden. Statt einer Tischrunde sind es nun Eins-zu-eins-Gespräche im Studio, das genieße ich sehr. Ich kann mich einer Interviewpartnerin ganz widmen. In unseren Gesprächen dreht es sich nicht um reine Leistung oder klassische Aufstiegsgeschichten, sondern um Wendepunkte im Leben – ich suche nach den verschlungenen Pfaden, die die Frauen dahin geführt haben, wo sie heute sind.

Du hörst täglich so viele Lebensgeschichten und Karrierewege – was beeindruckt dich am meisten?

Mich beeindruckt jede Interviewpartnerin aufs Neue! Keine Geschichte gleicht der anderen, das macht es so spannend. Und ich liebe es, Fragen zu stellen. Meine Interviewpartnerinnen sind sehr reflektiert und haben ihr Leben selbst in die Hand genommen. Man kann auch sagen: Sie folgen nicht dem Leben, das Leben folgt ihnen und ihren Entscheidungen. Manchmal ergeben sich so überraschende Wendungen. Meine aktuelle Gästin Vera Futorjanski, zum Beispiel, CEO & Founder von Veritas Partners, war in ihrer ersten Karriere eine professionelle Tango-Tänzerin. Sie ist dann in die Gründer:innenbranche gegangen und hat für Rocket Internet als Head of Communications verschieden Company Launches geleitet. Nun ist sie Investorin, die eine Community für Gründerinnen aufbaut.

In solchen Gesprächen interessiert mich natürlich: Warum dieser Wechsel? Wie ist sie dorthin gelangt, wo sie nun steht? Während des Gesprächs sind wir unter anderem auch auf Jane Fonda gekommen, die nicht nur Schauspielerin, sondern auch politische Aktivistin und Aerobic-Ikone war. So viele Rollen in einem Leben zu vereinen, wird heute viel weniger in Frage gestellt.

Es gibt einige Podcasts, die sich Frauen, Karriere und Female Empowerment widmen. Was unterscheidet deinen Podcast?

Müsste ich etwas hervorheben, wäre es meine Absicht, den weiblichen Vorbildern eine Plattform zu verschaffen. Davon haben wir immer noch nicht genug. Außerdem gibt es immer noch viel zu wenige weibliche Stimmen im Podcast-Bereich. Aber gleichzeitig fokussiere ich mich in meinen Gesprächen nicht auf das Genderthema. Ich frage nicht, wie es sich anfühlt, als Frau ein Unternehmen zu leiten oder als Frau ein Unternehmen zu gründen. Wir sprechen über Leistungen, Erfolgsgeschichten aber auch die schwierigen Zeiten meiner Gäste. Manche haben sprichwörtlich Berge versetzt, aber bekommen dafür noch nicht die Bestätigung und Anerkennung von außen, die sie verdienen.

Das sind Frauen, die schon einiges erreicht haben in ihrem Leben und große Erfolge – welcher Natur auch immer – gefeiert haben. Das geht tiefer.
Wenn meine Interviewpartnerinnen zu mir kommen, um über ihr Leben und ihre Arbeit zu reflektieren, bin ich wahnsinnig dankbar für den riesengroßen Vertrauensvorschuss, den sie mir in dem Moment entgegenbringen. Das ist das Allerwichtigste für mich: Das Vertrauen, die Ehrlichkeit, die Offenheit.

Du sprichst mit Investorinnen, Sozialunternehmerinnen, Forscherinnen, Ingeneurinnen aus aller Welt – wie koordinierst du die Aufnahmen?

Ich lege Wert auf das persönliche Gespräch, das heißt, ich lade meine Interviewpartnerinnen in ein Studio in Kreuzberg ein – dort finden alle Aufnahmen statt. Die physische Anwesenheit ist wichtig für mich, um eine Verbindung aufzubauen. Erfolgreiche Frauen haben volle Terminkalender, aber in dem Moment, in dem wir uns in ein abgeschirmtes Studio begeben, sind sie ganz im Hier und Jetzt und es gibt keine Ablenkung von außen. Manche arbeiten an zwei Standorten, zum Beispiel in Berlin und London oder kommen aus Wien zu Besuch, wie die Female Founders Nina Wöss und Lisa-Marie Fassl. Wenn sie dann in Berlin vor Ort sind, nutze ich die Gelegenheit.

Welches Feedback geben dir deine Hörer:innen?

Viele sind oft über die (Um-)Wege und Hürden überrascht, die die Interviewten genommen haben. Sie sehen die erfolgreiche Frau, aber nicht die Arbeit dahinter. Denn nichts ist so perfekt oder einfach, wie es auf den ersten Blick aussieht. Meine Interviewpartnerinnen haben sehr weite Strecken zurückgelegt, um dort zu sein, wo sie heute sind. Sie haben Fehler gemacht, sind gescheitert und sind wieder aufgestanden. Wenn es die Zuhörerenden inspiriert, selbst mehr zu wagen und sich – wie sie – nicht von Rückschlägen entmutigen zu lassen, dann haben wir viel mit unserem Podcast erreicht. Wir wollen eine gute Atmosphäre, in der wir Wissen und Inspiration weitergeben.

Welche Karrieretipps hast du persönlich für dich verinnerlicht?

Mein Vater hatte immer einen Leitsatz, den er mir schon früh mitgegeben hat: „Es gibt weder "jung" noch "alt", die einzigen Kategorien, die zählen, sind "klug" oder "unklug". Das nehme ich mir zu Herzen, denn man ist nie zu jung oder zu alt für etwas. Warum sollten wir uns von Maßstäben wie Altersvorgaben einschränken lassen? Auch als Gründer:in ist man nie zu alt – obwohl das ein weit verbreitetes Vorurteil ist. Umgekehrt hört man oft, dass jemand zu jung sei, eine Führungsposition zu übernehmen. Ich finde: Am Ende des Tages geht es um dich als Person und, ob du die Leidenschaft, den Mut und die Skills dafür mitbringst. Meine berufliche Laufbahn hat selbst keinen sehr geraden Weg genommen. Ich war Tennisspielerin und habe die meiste Zeit meines Lebens in den Vereinigten Staaten verbracht. Später bin ich nach Berlin gezogen, war in der Rechtsberatung tätig und fing dann an, die Startup-Szene für mich zu entdecken. Nun darf ich als Host meines Podcasts beeindruckende Frauen in all ihrer Vielfalt kennenlernen.

Wie nimmst du die Unternehmerinnenszene/Gründerinnenszene in Berlin wahr? Was braucht es, um das weiter zu stärken?

Berlin ist eine Stadt, in der man jede Idee in die Tat umsetzen kann – und es ist keine Überraschung, dass die Stadt laut Startup Heatmap Europe 2022 erneut zum Startup-Hub Nummer 1 in Europa gewählt wurde. Die Menschen hier sind offen, sie vertrauen auf deinen Ehrgeiz und wollen dich unterstützen. Ideen werden nicht gleich niedergemacht.

Dazu kommt, dass die Stadt viele Kreative anzieht und in einer Gemeinschaft mit anderen Kreativen kommt immer wieder etwas Neues zustande. Was mir dabei aber auch in der Umfrage hier auffällt: Bei den Themen Diversity und Gründerinnen gibt es noch einiges an Nachholbedarf, die Anzahl der weiblichen Gründungen ist laut der Startup Heatmap in den letzten Jahren um 0,2 Prozent zurückgegangen!

Ich denke, die Gründerinnen hier brauchen also weiterhin verstärkte Sichtbarkeit und auch die Strukturen, die es ihnen ermöglichen, zu gründen – ob das nun spezielle Netzwerke, Programme oder Angebote mit besserer Kinderbetreuung bzw. Elternzeit sind. Die Plattformen, die wir haben, können noch weiter ausgebaut und verstärkt werden. Ich selbst lebe unheimlich gerne hier und liebe die Stadt und freue mich, kontinuierlich großartige Gründerinnen und Unternehmerinnen kennenzulernen.

Wie ist dein eigenes Berliner Netzwerk und wie ist deine Zusammenarbeit mit Projekt Zukunft entstanden?

Mit einem Wort? Facettenreich. Ich bin ein neugieriger Mensch und bin an Menschen mit den unterschiedlichsten Hintergründen interessiert. Ich begebe mich regelmäßig in Situationen außerhalb meiner Komfortzone und fordere mich ständig selbst, neue Leute mit anderen Meinungen als meine, kennenzulernen. Am besten lässt sich das vielleicht als "Cultural Curiosity" zusammenfassen. In Berlin gibt es einige Blasen, in denen viele von uns unterwegs sind, ob das nun die Startup-Blase ist oder die Medien-Blase. Um diese Blasen aufzubrechen und für mehr Austausch zu sorgen, sind Netzwerke, wie sie über das Projekt Zukunft zustande kommen, sehr wichtig. Wir profitieren von den vielen Teilmengen mit Projekt Zukunft, denn es gilt ja als Treiber des digitalen Wandels und der Förderung von Innovation und Vernetzung der Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft in Berlin. Wir bei WAA Podcast verleihen insbesondere Frauen aus diesen Bereichen eine digitale Plattform und verschaffen so Gehör für ihre Geschichten, Botschaften und Karrierewege. Der Podcast soll ihre Bühne vergrößern, aber nicht nur Frauen ansprechen. Neue Kollaborationen führen auch verschiedene Communities zusammen und das bringt verstärkte Sichtbarkeit für weibliche Role Models.

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