Roman Sick von Holoplot

Kategorie: Zukunftsköpfe

© HOLOPLOT GmbH 2017

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Es sind mehrere Menschen in einem Raum und doch hört der oder die eine einen ganz anderen Sound als jemand, der nur wenige Meter entfernt steht? Und das Ganze ohne Kopfhörer? Geht nicht, so der erste Eindruck. Weit gefehlt. Das Berliner Startup Holoplot hat eine Technologie entwickelt, die Schallwellen gezielt bündelt. Beim renommierten Tech-Festival South by Southwest in Texas wurde es dafür nun von der Jury ausgezeichnet.

Guten Tag Herr Sick, mit Holoplot "bündeln" Sie Schallwellen und richten diese dann gezielt auf einen Bereich in der Umgebung. Können Sie uns dieses Verfahren etwas näher erläutern?

Das ist korrekt. Wir haben eine Technologie entwickelt, welche es uns erlaubt, Schallwellenfronten neu zu formen und somit nicht nur die sonst üblichen Kugelwellen, welche sonst alle Lautsprecher in der Regel emittieren, zu erzeugen, sondern auch beispielsweise planare Wellen mit einem deutlich höheren Wirkungsgrad. Diese Wellen sind zum einen seitlich stark begrenzt und breiten sich nicht unkontrolliert aus, zudem bleibt die Energie bei diesen Wellen sehr konstant, so dass wir damit auch sehr konstante Lautstärke mit zunehmender Entfernung erzielen können. Da unser Produkt stark Software getrieben ist, können wir durch einfache Steuerung sehr präzise darüber bestimmen, wo Schall hintransportiert werden soll und wo nicht. Das Spannende ist auch, dass wir mehrere Inhalte gleichzeitig aus demselben System in verschiedene Richtungen senden können, das birgt ganz neue Möglichkeiten. 

Nun hätte man Sie auf den ersten Eindruck eher in eine musikalische Ecke eingeordnet. Tatsächlich ist Ihre Anwendung aber für etliche Unternehmen und Organisationen interessant – unter anderem für die Deutsche Bahn. Dort waren Sie auch Teil des Accelerator-Programms. Wie kann die Deutsche Bahn Holoplot anwenden und was sind typische Beispiele aus anderen Branchen?

Stimmt, generell hat unsere Technologie eine Bandbreite von Anwendungsfeldern. Der Kunde profitiert bei unserem Produkt zum einen von einer deutlichen Verbesserung seiner Inhalte, indem störende Reflexionen nicht erzeugt werden und Energie unnötig verloren geht. Zum anderen ermöglichen wir aber auch ganz neue Erlebniswelten, indem Schall nah an den Zuhörer herangebracht werden kann, was bisher nur mit Kopfhörern möglich ist und Räume ohne den Einsatz von zusätzlichen Lautsprechern akustisch verändert werden. Für die Bahn ist ersteres interessant, denn Bahnhöfe sind komplexe Umfelder und Sprachverständlichkeit, Lärmbelästigung und gezielte Informationen spielen eine große Rolle. Das Anwendungsfeld ist hier der Bahnhof selbst. Andere Kunden sind aus dem Event-, Entertainment- oder Konferenzbereich.

Kürzlich hat Sie die Jury beim renommierten texanischen Tech-Festival South by Southwest, kurz SXSW, mit dem Innovationspreis ausgezeichnet. Wie sehr erleichtert Ihnen diese Auszeichnung den angestrebten Einstieg in den US-amerikanischen Markt?

Eine Anerkennung wie die vom SXSW ist immer eine tolle Sache für ein Startup und hilft stark beim Aufbau von Glaubwürdigkeit und Medienreichweite. Auch aus den USA haben wir sehr positive Reaktionen erhalten. Der Einstieg in den amerikanischen Markt will aber natürlich gut geplant sein und erfordert darüber hinaus noch einiges an Vorbereitung.

Wie sehen denn Ihre Pläne  in naher Zukunft aus? 

Oh, hier steht einiges an und es gibt sehr spannende Projekte. Grundsätzlich kann man sagen, dass wir daran arbeiten, das Produkt perfekt auf die Bedürfnisse unserer Kunden zuzuschneiden und dabei sind, die ersten großen Partnerschaften und Kunden zu gewinnen.

Ihren Sitz haben Sie in Berlin. Inwiefern profitieren Sie als technologiebasiertes Akustik-Startup von der bunt durchmischten Szene mit Experten aus Kunst, Kultur, IT und zunehmend mehr VCs und Geschäftsleuten?

Berlin ist ein sehr gutes Pflaster für uns, denn die Stadt bietet, wie Sie sagen, eine breite Vielfalt an Kunden, Partnern, Investoren und potentiellen Mitarbeitern. Wir haben ein Produkt, welches der Kunde erleben muss und da ist auch die Nähe zu einer attraktiven Stadt wichtig. Das Beste an Berlin ist das sehr starke, informelle und kollegiale Networking zwischen Startups und anderen Akteuren. Jeder versucht, sich gegenseitig zu helfen, das ist toll und hilft sehr.

Zu guter Letzt noch eine Bitte. Können Sie folgenden Satz vervollständigen: Berlin ist…

...nicht nur dynamisch, sondern auch der richtige Ort, um Neues zu schöpfen und mit Altem zu brechen. 

Kontakt

Tanja Mühlhans

Leitung Kreativ- und Medienwirtschaft, Digitalwirtschaft, Projekt Zukunft

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