ZukunftsköpfeLeonie Moos, Head of Program Grace Accelerate Female Entrepreneurship © GraceLeonie Moos, Head of Program Grace Accelerate Female Entrepreneurship © Grace

Grace stärkt Unternehmerinnen

Die Berliner Startup-Szene in Deutschland boomt – dennoch wird nur jedes siebte Startup von Frauen gegründet. Grace Accelerate Female Entrepreneurship hat ein Programm für Frauen mit Gründungsambitionen in die Welt gerufen, um diese auf ihrem Weg zum eigenen Startup zu unterstützen. Die Vision: 50 Prozent Unternehmerinnen in der Wirtschaft.

Leonie Moos, Head of Program Grace Accelerate Female Entrepreneurship, stellt das Programm ausführlich vor.

Sie schreiben auf Ihrer Homepage: Nur jedes 7. Startup wird von Frauen gegründet. Warum ist das Ihrer Meinung nach so – und warum braucht man Mut, um ein Startup zu gründen?

Ein eigenes Unternehmen zu gründen, ist, unabhängig vom Geschlecht, immer mit einem Risiko verbunden, eine große Portion Mut und Unternehmergeist gehören einfach dazu. Häufig wird auch vor der Gründung zurückgeschreckt, aus Angst, keinen Erfolg zu haben, das Scheitern einer Idee gilt direkt als Misserfolg und wird selten als Chance gesehen, zu lernen und es beim nächsten Mal besser zu machen.  Aber die Gründe, warum Frauen seltener gründen, sind vor allem gesellschaftliche und strukturelle Themen.

Anders gefragt: Sind Männer mutiger oder werden sie einfach anders wahrgenommen und besser gefördert?

Im Gegensatz zu Männern wird Frauen häufiger davon abgeraten überhaupt zu gründen und den Schritt zu wagen. Schnell werden hier das soziale Umfeld, das zu hohe Risiko oder die anstehende Familienplanung als Gegenargumente ins Feld geführt.

Die Gründerszene und auch die Investorenseite sind bislang sehr männlich geprägt und es ist nicht leicht, Teil dieses Netzwerkes zu werden und dort wahrgenommen zu werden. Wir sehen aber auch, dass die Sichtbarkeit von Frauen in der Gründerszene und in Führungspositionen besser wird und in der öffentlichen Wahrnehmung einen höheren Stellenwert erlangt. Dadurch entstehen neue Vorbilder und Netzwerke, die mehr Schwung in die Thematik bringen. Letztendlich ist aber wichtig, dass sich wirklich etwas bewegt und die gesellschaftliche und strukturelle Entwicklung voran geht. Deswegen haben wir Grace ins Leben gerufen und konkrete Formate geschaffen, die ambitionierte Frauen auf dem Weg zur Gründung begleiten. Wir leisten damit einen aktiven Beitrag für eine geschlechter-diverse Zukunft.

Das Grace Summer Camp in Berlin ging gerade in die zweite Runde – 20 Gründerinnen waren mit dabei. Was wurde den Teilnehmerinnen in den mehr als zwei Wochen geboten? Und wie geht es weiter?

Die Teilnehmerinnen sind durch ein sehr intensives zweieinhalb-wöchiges Programm gegangen.

Sie haben Ideen und Produkte neu- oder weiterentwickelt, wurden von Mentorinnen und Mentoren und Coaches durch die Konzeptphase begleitet und haben sehr wertvolle Expertise und Inspiration aus ganz unterschiedlichen Bereichen erhalten, um dann am Ende einen professionellen Pitch zu präsentieren.

Darüber hinaus haben die Frauen in Workshops mehr über gründungsrelevante Themen erfahren, z. B. über Financial Modelling, Digital Protoyping, Investment-Strategien und die rechtlichen Rahmenbedingungen.

Für die Teilnehmerinnen geht es hoffentlich in den meisten Fällen mit der tatsächlichen Gründung und Entwicklung der entstandenen Geschäftsmodelle weiter.

Grace unterstützt die Frauen dabei und baut selbst gerade neue Formate, um den Gründerinnen noch umfassender zur Seite zu stehen.

Im Oktober starten wir unsere offizielle Kickstarter Kampagne für den „Grace Digital Founders Campus“ und freuen uns über Unterstützung. Der Grace Digital Founder Campus soll ein wirkungsvolles Online-Programm werden, das Gründerinnen Zugang zu notwendigem Wissen, Fähigkeiten und Erfahrungen verschafft, um sie bei einer erfolgreichen Gründung zu unterstützen und sie mit anderen Gründerinnen in einer globalen Community zu vernetzen. In Form von Video-Tutorials, Best-Practices, Q&A’s, Tools und inspirierenden Founders Talks, werden alle wichtigen Grundlagen für die Gründung und die erfolgreiche Entwicklung von Startups vermittelt.

Bei allem geht es auch um einen Wandel in der Führungskultur – in der Politik und in der Wirtschaft. Wir sind auf einem guten Weg, doch was muss sich Ihrer Meinung nach noch ändern? Ist die Zukunft tatsächlich (schon) weiblich?

Aktuell wird viel zu häufig in Schubladen und Geschlechter-Stereotypen gedacht. Die Zukunft muss nicht weiblich werden, sondern vielfältiger, sodass das volle Potenzial von Frauen und Männern zur Geltung kommen kann und sich komplementäre Fähigkeiten entfalten und ineinandergreifen können.

Sie haben Ihre Initiative nach der Tech-Pionierin Grace Hopper benannt. Warum ist die US-Amerikanerin auch heute noch ein Vorbild für die Women-in-Tech-Szene?

Grace Hopper ist eine der bekanntesten Computerpionierinnen und somit Inspiration und Vorbild im Tech-Bereich. Sie hat viel erreicht, galt als innovativ, neugierig und wollte vor allem auch junge Menschen für Technik begeistern. Das passt optimal in die heutige Zeit, in der wir vor einer Umwälzung der klassischen Industrien stehen und Innovations- und Transformationsstärke den Weg weisen werden.

Wie beurteilen Sie die Women-in-Tech-Szene in Berlin? Und wie können Unternehmen mehr Tech-Jobs mit Frauen besetzen?

Die Szene in Berlin ist im Vergleich zu anderen Städten sicherlich weiter entwickelt. Dennoch steigen die Zahlen von Frauen in IT-Positionen und bei der Belegung von entsprechenden Studiengängen auch hier nur langsam. Unternehmen müssen vor allem ein Umfeld schaffen, in dem sich Frauen wie Männer weiterentwickeln, Verantwortung übernehmen und gemeinsam gestalten können. Es gilt nicht nur Stellen zu besetzen, sondern die Talente zu halten und zu fördern.

Wie wird Ihre Initiative gefördert? 

Hinter Grace steht die Strategieagentur Ignore Gravity. Für das Summer Camp arbeiten wir mit Unterstützern und Partnern aus der Wirtschaft zusammen, wie mit der Mercedes-Benz AG, die mit ihrem Programm "She’s Mercedes" starke und moderne Frauen anspricht.

Können Sie noch folgenden Satz beenden: „Berlin ist…

… zu einem dynamischen Ökosystem für Startups geworden und bleibt offen für neue Menschen, Ideen und Entwicklungen. Also genau der richtige Ort, um die Diversität in Teams, Strukturen und der Gesellschaft zu etablieren.