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Jennifer Rasch, Preisträgerin des ARD/ZDF Förderpreises

Bereits zum 12. Mal wird in diesem Jahr der ARD/ZDF Förderpreis „Frauen+Medientechnologie“ verliehen. Ausgezeichnet werden Frauen, deren Abschlussarbeiten wegweisende Ideen und wichtige Impulse für die Medientechnologie liefern. Jennifer Rasch ist eine der Preisträgerinnen und erzählt im Interview, mit welchen Innovationen sie die Jury überzeugen konnte und stellt ihr Startup vor, mit dem sie Frauen einen einfacheren Zugang zu den Finanzmärkten ermöglichen möchte.

Sie sind eine der drei Preisträgerinnen des ARD/ZDF Förderpreises „Frauen +Medientechnologie“ – herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet die Nominierung für Sie?

Ich freue mich natürlich sehr über diese Auszeichnung und die damit verbundene Würdigung meiner wissenschaftlichen Arbeit.

Sie haben sich mit Ihrer Dissertation zu dem Thema Prädiktionsfilter zur Videokompression beworben. Können Sie für den Laien kurz erläutern, was sich dahinter verbirgt?

Zunächst einmal arbeitet man in der Videokompression an Algorithmen, die Videodaten verkleinern – bei bestmöglicher Bildqualität. Ein wichtiges Grundprinzip dabei ist es, bereits vorhandene Daten zu verwenden um Bildvorhersagen (Prädiktionen) zu generieren, so dass nur Differenzen gesendet oder gespeichert werden müssen.

Je besser hier die Prädiktion, desto effizienter ist die Kompression. In meiner Dissertation habe ich mich speziell mit der Verbesserung dieser Prädiktionen befasst und einen signaladaptiven Filter entwickelt, der die unterliegende Bildstruktur miteinbezieht. Durch diese Signaladaptivität können Störungen herausgefiltert werden, während vorhandene Kanten erhalten bleiben.

Wofür braucht man Videokompression?

Komprimierte Videos findet man absolut überall, wo es Videos gibt. Streamingplattformen wie Netflix oder Youtube oder auch Videokonferenzen und E-Learning mittels Videos würden ohne effiziente Kompressionsmethoden nicht funktionieren. Die Übertragung würde einfach zu lange dauern.

Sie sind ursprünglich Mathematikerin. Wie sind Sie dazu gekommen, Ihr Fachgebiet zu wechseln und in der Informatik zum Thema Videokompression zu promovieren?

Ich habe während meines Studiums gemerkt, dass ich eine Leidenschaft fürs programmieren habe. Daraufhin bin ich immer weiter in Richtung realer Anwendung von Algorithmen gegangen: Erst innerhalb der Mathematik, irgendwann wollte ich noch näher an eine reale Anwendung und habe eine Stelle am Fraunhofer Heinrich-Hertz-Institut bekommen, dessen Motto „von der Forschung in den Markt“ lautet. Mein mathematisches Wissen in Algorithmen umzusetzen, die ultimativ einen direkten Einfluss auf unseren Alltag haben, hat mich fasziniert.

Die Preisverleihung wurde wegen Corona verschoben – lässt die Spannung nach oder freuen Sie sich immer noch auf die Auszeichnung und sind auf die Platzierung gespannt?

Es ist natürlich sehr schade, dass die diesjährige Preisverleihung auf der IFA ausgefallen ist. Dennoch freue ich mich sehr über die Auszeichnung und bin natürlich auch gespannt, welchen Platz ich gemacht habe. Es wird vermutlich ein Abendessen im kleinen Kreis geben, ich freue mich darauf das Team des Förderpreises und die anderen Preisträgerinnen kennenzulernen.

Seit Mai arbeiten Sie an der Gründung eines eigenen Unternehmens – können Sie mehr darüber erzählen? Stichwort Robo Advisor…

Mit einer ehemaligen Kollegin von mir, die promovierte Mathematikerin ist, arbeite ich seit Mai an der Gründung einer digitalen Finanzanlagenberatung: Goldmarie Finanzen. Unser Ziel war es zunächst nur unser Geld nachhaltig, langfristig und klug anzulegen. Wir haben eine Software implementiert, die aus einem gegebenen, nachhaltigen Aktienuniversum Risiko-Rendite-optimierte Aktienportfolios zusammenstellt – ein sogenannter Robo Advisor. Es gab so viel Interesse daran, aus unserem Freundes- und Bekanntenkreis, dass die Idee einer Unternehmungsgründung entstand.

Ein Finanzprodukt, das für Frauen besonders attraktiv ist… Sprechen Sie Frauen an, weil diese bei Finanzanlagen eventuell vorsichtiger agieren?

Erst einmal ist es so, dass der Finanzmarkt generell stark von Männern dominiert ist.
Guckt man sich die Gründungsteams von Finanzfirmen oder Finanzberater an, sind es fast ausnahmslos Männer. Da ist es natürlich nicht verwunderlich, dass auch die meisten Finanzprodukte auf Männer zugeschnitten sind. Hier wollen wir eine Alternative bieten – auch wenn wir Männer als potentielle Kunden natürlich keinesfalls ausschließen.

Frauen stellen andere Fragen als Männer, ihnen sind Nachhaltigkeit und Risikovermeidung oft wichtiger, als Rendite. Es gibt auch einen großen Aufklärungsbedarf über Finanzen bei Frauen, viele haben Angst etwas falsch zu machen. Eine unserer Freundinnen sagte letztens zu uns, sie hätte in den zehn Minuten Gespräch mit uns mehr über Finanzanlagen verstanden, als in den Gesprächen mit ihrem Mann über die Jahre (der ab und zu das gemeinsame Geld in Aktien investiert).

Weitere USPs Ihrer Software sind personalisierte und nachhaltige Aktienportfolios – was genau verbirgt sich dahinter?

Unsere Idee ist es, dass Anleger*innen ihr Geld bei uns in nachhaltige, eigens für sie zusammengestellte Aktienportfolios investieren können. Dabei können persönliche Risikovorstellungen, spezifische Nachhaltigkeitskriterien und eventuell schon vorhandene Anlagen berücksichtigt werden. Unser Optimierungsverfahren übernimmt dann die für Laien schwierige Aufgabe, Aktien so zu kombinieren, dass sich Risiken ausgleichen und unterschiedliche Branchen und Länder abgedeckt werden.

Dafür bezahlen die Kund*innen einen festgelegten Betrag pro Jahr. Aktuell gibt es von uns bereits Musterportfolios bei wikifolio, einer Social-Trading-Plattform.

Wo sehen Sie die Vorteile des Standortes Berlin für Gründer*innen?

Ja, wir sind beide in Berlin fest verwurzelt und lieben die Stadt. Für die Gründung eines IT-Unternehmens sehen wir hier einen großen Vorteil; es gibt eine große Gründerszene und die Leute kommen gerne nach Berlin.

Sie sind momentan zu zweit – wo sehen Sie Ihr Unternehmen in fünf Jahren?

Wir sind von unserem Unternehmenskonzept absolut überzeugt und hoffen natürlich, dass wir in fünf Jahren eine erfolgreiche Firma mit einem grandiosen, diversen Team leiten und viele zufriedene Kund*innen haben.