ZukunftsköpfeKatarzyna Grajner © BerlinPartnerKatarzyna Grajner © BerlinPartner

Katarzyna Grajner, Koordinatorin de:hub Berlin IoT & FinTech

Vor rund drei Jahren wurde die Digital Hub Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) ins Leben gerufen. Sie soll die Transformation Deutschlands zum weltweit führenden Digitalstandort mit vorantreiben. Zwölf über Deutschland verteilte Digital Hubs bilden ein Netzwerk, das den Austausch von technologischer und wirtschaftlicher Expertise, Programmen und Ideen ermöglicht. An jedem Digital Hub kommen Startups, Unternehmen und Forschung zusammen, um gemeinsam an den Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung zu arbeiten.

Katarzyna Grajner, Koordinatorin des de:hub Berlin IoT & FinTech, berichtet im Gespräch mit Projekt Zukunft, was sich seit der Etablierung des Hubs vor allem im IoT-Bereich getan hat und worin die Herausforderungen der Zukunft liegen.

2017 ging die Initiative deutschlandweit an den Start. Wie hat sich der IoT- und FinTech-Hub in Berlin seitdem entwickelt? Sind wir der Vision einer Smart City näher gekommen?

Der Bekanntheitsgrad der beiden Hubs steigt. Wir haben sehr viel an Aufmerksamkeit gewonnen, sowohl in der Region als auch international. Vor Ort haben wir immer mehr Stakeholder an Bord. Im Ausland, wo Germany Trade and Invest unsere Initiative repräsentiert, bekommen wir über die Konferenzen und Messen, auf denen wir vertreten sind, viele Anfragen aus der ganzen Welt. Vor Corona hatten wir oft Delegationen vor Ort, die interessiert waren an der Struktur des Hubs hier in Berlin.

Klar, wir sind der Vision einer Smart City nähergekommen. Denn wir haben sowohl als Fintech-Hub als auch als IoT-Hub sehr viele Unternehmen an Bord, die Innovationen erarbeiten und implementieren, die im gesamten Konzept Smart City einen großen Beitrag leisten.

IoT betrifft mittlerweile ja fast alle Industriezweige. Gibt es in speziellen Branchen besonders viele Innovationen, von denen Sie berichten können?

Da IoT komplett branchenübergreifend und überall einsetzbar ist, arbeiten wir von Anfang an mit allen Clustern in Berlin zusammen, sei es Verkehr/Mobilität/Logistik, Energietechnik, Gesundheitswirtschaft etc. Im Berliner IoT-Hub haben wir den großen Vorteil, dass wir durch die Technologie in jedem Bereich verortet sind, Partner haben, Projekte fördern und nach vorne bringen können. Die Anfrage ist dabei sehr gleichmäßig über alle Branchen verteilt. Ich kann da generell eigentlich gar nichts hervorheben.

In letzter Zeit ist es, durch die Pandemie verursacht, natürlich insbesondere die Gesundheitsbranche, in der man nach digitalen Lösungen sucht, auch im IoT-Bereich.

Ein erklärtes Ziel der Initiative ist es, durch das Zusammenspiel innovativer Gründerideen mit dem Know-how etablierter Unternehmen und wissenschaftlicher Exzellenz neue digitale Ökosysteme zu schaffen. Können Sie beschreiben, wie sich diese IoT-Ökosysteme in Berlin bilden oder weiter entfalten?

Bei uns in Berlin ist es das primäre Ziel, die bereits existierenden Teil-Ökosysteme unter ein Dach zu bringen. Berlin ist groß, wir haben in der Hauptstadt unzählige, parallel laufende Projekte und viele IoT-Player, die sich immer noch nicht kennen. Über unsere Formate, Angebote und Netzwerktreffen bieten wir ihnen moderiert eine gemeinsame Plattform, um sie in den Austausch miteinander zu bringen. Wir möchten sie alle unter der Dachmarke der digitalen Hub-Initiative vereinen, sodass wir ein großes digitales Ökosystem bekommen. Denn so wird die Wirkung der IoT-Szene viel effektiver.

Mittlerweile haben wir es geschafft, viele verschiedene und sehr heterogene Partner zu involvieren. Wir bekommen Anfragen von einzelnen Unternehmen, aber auch von Multiplikator*innen. Zudem haben wir Kooperationen mit der Forschung, wo es darum geht, Forschungsergebnisse in Business-Modelle zu übertragen und innovative Produkte auf den Markt zu bringen. Über Veranstaltungen und Workshops versuchen wir, die Community zu binden. Ich glaube, einer der größten Erfolge der Initiative hier in der Hauptstadt ist es, dass wir den Hub jetzt so breit aufgestellt haben.

Erst kürzlich fand die Auftaktveranstaltung des IOT+ NETWORK in Berlin statt, für das de:hub ja die Schirmherrschaft übernommen hat. Ziel ist es, Unternehmen und Startups miteinander zu vernetzen, um Digitalisierungsprojekte schneller realisieren zu können. Sind schon die ersten Projekte in den Startlöchern?

Die Nachfrage hat uns ein bisschen überwältigt. Wir sind am 11. November mit dem neu gegründeten Netzwerk an die Öffentlichkeit gegangen und haben jetzt, zwei Wochen später, schon drei neue Partner. Und weitere potenzielle Mitglieder stehen Schlange.

Auch unsere ersten Online-Formate wurden gut angenommen. Wir haben bereits eine große Community, die mithört und mitmacht. Das ist tatsächlich mehr, als wir in der kurzen Zeit erhofft hatten.

Woher kommen die meisten Interessent*innen?

Es sind verschiedene Player, die auf uns zukommen, nicht nur Startups. Wir haben viel Wirtschaft vertreten, viele KMUs und natürlich auch Forschungseinrichtungen. In Berlin ist der gesamte Mittelstand für uns extrem wichtig. Denn gerade im Mittelstand können wir unsere Produkte umsetzen, hier finden wir Abnehmer*innen für die Innovationen, die im IoT-Hub entstehen.

Und wie wird man Teil der Digital Hub Initiative?

Man kann seit Kurzem ein Mitglied im IOT + NETWORK werden. Mit Schaffung dieser neuen Rechtsform ist eine aktive Mitarbeit im Hub möglich. So kann man sich nun in bestimmte Fachgruppen oder Projekte involvieren, gemeinsam mit uns Formate entwickeln und auch eigene Themen positionieren.

Was Deep-Tech-Innovationen im Allgemeinen und IoT im Speziellen betrifft: Wo sehen Sie momentan die meisten Chancen, wo die meisten Herausforderungen?

Deep-Tech-Innovationen geben irgendwie generell eine Antwort auf Herausforderungen unserer Zeit. Im IoT-Bereich ist es nicht anders. Es gibt viele Chancen, weil es große Bedarfe gibt.

Zunächst zu den Chancen. In der Corona-bedingt momentan schwierigen Situation weltweit gibt es ein großes öffentliches Verständnis, eine starke Affinität und Akzeptanz, bezogen auf Digitalisierungsthemen. Dadurch sind auch alle Deep-Tech-Innovationen stärker angefragt, als zuvor. Das ist eine große Chance, auch für das IoT-Netzwerk, viele Innovationen schneller umsetzen zu können.

Auf der anderen Seite bleibt es sehr herausfordernd, weil wir nach wie vor an Grenzen stoßen, wie Regulatorik, langsame Prozesse und mangelnde Infrastruktur, beispielsweise, wenn man IoT in der Industrie umsetzen möchte. Und natürlich sind Datensicherheit und Cybersecurity eine große Herausforderung. Ob es sich um Smart Home oder um Unternehmen handelt − was passiert mit den erhobenen, oft hochsensiblen Daten? Wie sichert man Datenübertragung ab? Das und vieles mehr sind Themen, die wir im Berliner Netzwerk, aber auch in der deutschlandweiten Hub-Infrastruktur, gemeinsam angehen und für die wir nach Lösungen suchen.

Die Zahl der Gründerinnen in Deutschland ist bislang nicht so riesig. Was kann man da machen?

Das ist in der Tat ein wichtiges Thema in Deutschland. Die gesamte de:hub-Initiative widmet sich unter der Schirmherrschaft des BMWi diesem Thema. Unsere Agentur, die alle zwölf Hubs deutschlandweit vernetzt und vertritt, produziert unter anderem Podcast-Reihen, in denen Gründerinnen und Investorinnen diskutieren.

Auch bei Berlin Partner ist das Thema sehr präsent. Vor allem meine Kolleginnen aus der Startup-Unit sind in diesem Bereich sehr aktiv. Beispielsweise gab es in diesem Jahr einen Female-Founders-Batch in Berlin und das Hashtag-Projekt #femupstartups wurde implementiert, um einen Eventkalender für Gründerinnen in Deutschland zu schaffen.

Unser Netzwerk unterstützt aktiv alle Aktionen dieser Art. Das Thema ist auch für den IoT-Hub sehr wichtig, da wir im operativen Geschäft mit genauso vielen Frauen und Männern vertreten sind.

Ein Blick in die Zukunft: Für 2021 hat das Bundeswirtschaftsministerium zehn Milliarden Euro im Zukunftsfonds für das größte Startup-Programm in der EU angekündigt. Welche Wünsche verknüpfen sich für Sie damit?

Das ist ein wichtiges Zeichen, welches das Bundesministerium damit setzt. Ich wünsche mir, dass das ein sehr transparenter Prozess sein wird, dass man schnell an konkrete Hilfsangebote kommt, dass man die Komplexität der Fördermittelgestaltung generell ein Stück herausnehmen kann, dass es weniger bürokratisch zugeht und mehr zielgerichtet direkt den Startups zugutekommt.

Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben.