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Maxim Nohroudi von Ally

Stellen Sie sich vor, Sie sind mitten in Berlin und müssen ganz schnell für den nächsten Termin einmal quer durch die Stadt. Leider haben Sie keinen Schimmer, welche S- oder U-Bahn Sie nehmen sollten oder wie lange eine Taxifahrt dauert. Maxim Nohroudi, Geschäftsführer von Ally und Bitkom-Landessprecher für Berlin, erläutert, wieso Sie dank einer App für den Nahverkehr auch in solchen Situationen gelassen bleiben können.

Guten Tag Herr Nohroudi, die BVG hat eine App, auf der wir die nächste Verbindung auf dem Smartphone finden, die Bahn ebenfalls: Was sind die Vorteile Ihrer App „Ally“? 

Ally ist die App für all jene, die stets alle Verkehrsmittel einer Stadt auf einen Blick sehen wollen: Bus, Bahn, aber auch Car2Go, DriveNow, Bike-Sharing oder Taxi. Das ist uns wichtig, denn unsere Nutzer wollen gerne den ganzen Mobilität-Mix einer Stadt sehen und je nach Bedürfnis nutzen. Daneben gibt es eine Reihe von Funktionen in der App, die den Alltag erleichtern. Beispielsweise „Follow-me“: Dies nutzen insbesondere viele Eltern, um zu schauen, ob die Kinder auch pünktlich zum Unterricht angekommen sind. Es macht es auch ganz einfach, zu sehen, ob Freunde pünktlich zum Kino oder zum Abendessen kommen. Ansonsten schreibt man sich ja oft viele Text-Messages à la „wo bist Du“ oder „wir sind schon da“ und so weiter... 

Immer mehr Menschen wohnen in den Metropolen unserer Welt. Wie können Sie mit Ally helfen, dass diese Stadtbewohner auf ihrem Weg zur Arbeit oder zum Sport nicht permanent im Stau stecken bleiben? 

Die Staus an sich liegen primär darin begründet, dass viele Menschen mit ihren Autos – meist allein dort drin sitzend – in die Städte strömen. Heißt also: Können moderne Technologien neue Formen von Mobilität in die Städte bringen, die den sogenannten Individualverkehr reduzieren und weniger attraktiv machen? Und genau daran arbeiten wir. Schon bald werden selbstfahrende Busse in den ersten Städten eingesetzt werden. Diese werden auf Basis ganz vieler Sensoren, nicht zuletzt der Smartphones der Nutzer, immer optimaler durch die Stadt gesteuert werden. Da kommen wir ins Spiel. Menschen können dann schnell und einfach von A nach B kommen. Dadurch kann eine Stadt die Staus ganz erheblich reduzieren, und ein solches System ist effektiver, günstiger und umweltfreundlicher. Diese neuen Mobilitätsangebote werden finanziell für viele Menschen deutlich attraktiver sein als der Kauf eines eigenen PKW.

Der städtische Nahverkehr wird vielfältiger: Neben herkömmlichen Transportmitteln wie U- und S-Bahn gibt es auch verschiedene Sharing-Anbieter, die stadtweit Fahrräder, Roller und Autos für kurze Strecken vermieten. Konkurrieren diese Transportmittel untereinander oder ergänzen sie sich?

Letztendlich sind U- und S-Bahn auch Sharing: Menschen teilen sich ein Verkehrsmittel, um von A nach B zu kommen. Egal, ob auf der Schiene oder auf der Straße. Darin liegt der Kern der Entwicklung. Der Besitz oder Eigentum eines Fahrzeugs ist nicht mehr wichtig, vor allem in der Stadt. Man teilt sich den Weg, um optimal zum Ziel zu kommen. Insofern geht es nicht um Konkurrenz, im Gegenteil. Erst durch das optimale Zusammenspiel können wir städtischen Verkehr erheblich verbessern. Genau in dieser Entwicklung befinden wir uns gerade. 

Die Daten der Teilnehmer des öffentlichen Nahverkehrs sind begehrt: Neben Ally gibt es weitere Anbieter, die die schnellsten aktuellen Verbindungen anzeigen, um von A nach B zu kommen. Was macht diese Daten so wertvoll? 

Die Daten des Verkehrs an sich, also was fährt alles von A nach B, sind nicht so spannend. Das ist ja der klassische Fahrplan – und zeigt uns also das „Angebot“ von öffentlichem Verkehr. Viel wichtiger ist, dass wir mit den Smartphones nun Millionen von Sensoren haben, um die „Nachfrage“ zu verstehen: Wann braucht man welche Mobilität? Erst durch die heutige Kenntnis der Nachfrage sind wir in der Lage den Nahverkehr strukturell zu verbessern, ja, gänzlich neue Angebote an öffentlichem Nahverkehr zu entwickeln, siehe selbstfahrende Busse. Der muss natürlich wissen, wo er hin soll, um die Nachfrage bedienen zu können.

Sie sind auch in anderen Ländern – etwa in Chile, Österreich oder Portugal – aktiv. Allerdings nirgendwo in so vielen Städten wie in Deutschland. In welcher Stadt wird Ally denn am häufigsten genutzt?

Ja, Ally ist derzeit in 100 Metropolen weltweit aktiv. Neben deutschen Städten wird es viel in afrikanischen und lateinamerikanischen Städten genutzt, beispielsweise in Santiago de Chile.

Ihr Service ist kostenlos. Wie nehmen Sie – auch langfristig – Geld ein? 

Wir kooperieren mit großen Verkehrsunternehmen, und helfen ihnen, den Nahverkehr effizienter zu gestalten sowie neue Produkte für städtische Mobilität zu entwickeln. Damit verdienen wir unser Geld. 

Das Thema Startup ist ihnen sehr wichtig, so sind sie nun auch als Landessprecher des Bitkom für Berlin ernannt worden. Was sind dort ihre Ziele? Und wie passt Bitkom und Startup zusammen? 

In Berlin ist es gelungen, ein einzigartiges Ökosystem für Internet-Startups zu schaffen: Es gibt viele Talente, es gibt niedrige Lebenshaltungskosten und letztlich auch das notwendige Geld, um zu gründen. Damit wir in Deutschland bei der Digitalisierung unserer Industrie zügig vorankommen, braucht es eben junge Startups, die neue Ideen entwickeln, diese schnell umsetzen und dann im Markt testen können. Dadurch können dann große Unternehmen sich mit hoher Geschwindigkeit exzellente Innovationen sichern. Dieses Phänomen ist in Deutschland noch recht jung, anderswo wird es bereits erfolgreich praktiziert. Insofern engagiere ich mich beim Bitkom, um den Standort Berlin noch attraktiver für Internet-Startups zu machen – übrigens ein sehr wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Stadt, mit zig Tausend Arbeitsplätzen. Aber vor allem, um daran mitzuhelfen, dass Deutschland bei der Digitalisierung zügig voran kommt und sich nicht auf den Lorbeeren ausruht.

Herr Nohroudi, können Sie zum Abschluss bitte noch folgenden Satz vervollständigen: Berlin ist…

 … die spannendste Stadt für Internet-Startups in Europa. Hier werden Technologien, Produkte und Lösungen für die Zukunft gebaut - ist das nicht richtig klasse? 

 

 

Maxim studierte Business Economics in Harvard, MIT & Witten/Herdecke. Ab 2004 Mitarbeit bei RoyalDutch/Shell (London) in der Strategieabteilung, und Entwicklung des ersten konzernweiten “Climate Change-Scenarios”. 2005 gründete Maxim das Reinhard-Mohn-Institut für Leadership und Governance, dass sich mit der Professionalisierung von Aufsichtsräten beschäftigt. 2007 Berufung ins Präsidium der Universität, 2008 Ernennung zum jüngsten Vize-Präsidenten einer deutschen Hochschule. 2012 wechselte Maxim in die Tech-Startup Szene, und gründete Waymate - eine multimodale Reiseplattform. 2014 gründete er ally app. 2015 wurde Maxim zum Sprecher des BITKOM für Berlin ernannt, um die wachsende deutsche Startup-Community zu vertreten.