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Philipp Skribanowitz von Mimi

Anfang 2014 gründeten Nick Clark, Philipp Skribanowitz und Pascal Werner die Mimi Hearing Technologies GmbH. Ihr Ziel: Hörtechnologien zu entwickeln, ohne dass man gleich zum Hörgerät greifen muss. Was genau hinter der “Mimification” steckt und wie diese für einen besseren “Sound” sorgt, verrät Philipp Skribanowitz im Interview mit Projekt Zukunft.

Guten Tag Herr Skribanowitz, viele Menschen mit Hörproblemen sind sich dieser gar nicht bewusst oder gehen diese nicht an. Wie kommt es dazu?

Die Hörfähigkeit nimmt schleichend ab; am Anfang ist es meist gar nicht so schlimm und dann gewöhnt man sich daran, bis es irgendwann zu einem Aha-Moment kommt und man sich aufrafft, etwas zu unternehmen. Erschwerend kommt noch hinzu, dass Hörverlust ein sehr stigmatisiertes Thema ist, das noch nicht so akzeptiert ist wie zum Beispiel das Tragen einer Brille. 

Nun können Nutzer mit der App “Mimi­ Hörtest” nicht nur ihr Hörvermögen testen. Sie können auf ihrem Smartphone mit “Mimi­ Music” ihre Lieblingslieder auch so hören, dass der Klang ihrem eigenen Hörvermögen individuell angepasst wird. Wie funktioniert dieses zum Patent angemeldete Verfahren der "Mimification"?

Als Mimification bezeichnen wir unseren Algorithmus, der auf der Funktionsweise des menschlichen Gehörs basiert. Es werden beispielsweise Details in der Musik durch einen psychoakustischen Effekt hervorgehoben und auf Grundlage des Hörtests werden Nuancen der verschiedenen Frequenzen für den Nutzer wieder wahrnehmbar gemacht. 

Einen Ersatz für das Hörgerät stellen sie allerdings noch nicht dar. Wann können wir hiermit rechnen?

Wir zielen eigentlich darauf ab, das Hören in allen Bereichen zu verbessern. So zum Beispiel in Smartphones, Autos, Hearables etc. Wir glauben, dass die Grenzen zwischen Lifestyle­ und Gesundheitsprodukten immer weiter verschwimmen werden. Heutzutage können Kopfhörer/Hearables beispielsweise bereits viele Bereiche abdecken, für die man früher ein Hörgerät brauchte. Aber wir möchten mit unserer Technologie schon wesentlich früher ansetzen, noch lange bevor der Nutzer zu einem Hörgerät greifen würde. Gerade, wenn man Mimi Music zunächst benutzt, um den Klang zu verbessern, wird es der Gesellschaft wesentlich leichter fallen, das Stigma der hörgeschädigten Person zu überwinden, da sie das gleiche Produkt auch bei einsetzendem Hörverlust nutzen kann. Frei nach: Gute Laufschuhe sind noch lange kein Gehstock. 

Können Sie uns verraten, über welche weiteren Apps aus Ihrem Hause wir uns in absehbarer Zeit freuen dürfen?

Welche Produkte wir konkret veröffentlichen werden, kann ich Ihnen hier leider nicht verraten. Nur soviel: Wir arbeiten an einer Technologie, die in dieser Form noch nie für eine breite Masse verfügbar gemacht wurde. Wir arbeiten gleichermaßen an präventiven als auch therapie­begleitenden Maßnahmen in unserem Bereich. Außerdem wird es nicht nur beim Musicprocessing bleiben. Und zusätzlich dazu werden wir natürlich zu unseren aktuellen Produkten ein paar Features hinzufügen.

 

Finanziert wurde Mimi Anfang 2014 von dem renommierten Business Angel und Serieninvestor Christophe Maire. Wie beurteilen Sie den Zugang zu Risikokapital für Berliner Startups und planen Sie zur Zeit eine Finanzierungsrunde?

Ich glaube, dass Mimi dank Christophe ein weitaus besseres Netzwerk zur Verfügung steht als anderen Start­ups. Im Allgemeinen wird der Zugang zu Risikokapital in Berlin stetig besser, allerdings haben es deutsche und europäische Unternehmen weiterhin deutlich schwerer, ausreichend Finanzierung zu erhalten als US­-Unternehmen. Zur Zeit läuft bei Mimi keine Investitionsrunde, allerdings sind wir immer offen für Gespräche. Je besser man sich kennt und versteht, desto besser kann eine zukünftige Zusammenarbeit werden. 

Neben Zugang zu Kapital sind für junge Unternehmen auch Partnerschaften mit etablierten Unternehmen und Organisationen relevant, um rasch und erfolgreich zu wachsen. Sie selber haben als Partner die Charité an Bord. Können Sie uns etwas mehr über diese Kooperation berichten?

Für uns ist es natürlich enorm hilfreich einen so kompetenten Partner an unserer Seite zu haben. Die Charité verfügt über eine tiefe Fach­Expertise, die ansonsten nur sehr schwer abzurufen wäre. Gleichzeitig sind die unterschiedlichen Planungszeiträume auch immer wieder eine Herausforderung. Gerade für junge Startups, die eher auf den nächsten Drei-Monats-­Milestone und die nächste Finanzierung hinarbeiten, ist es immer interessant und auch mit Aufwand verbunden, mit größeren Organisationen zu kooperieren, welche bereits etabliert sind und eher in Jahren denken. Da treffen schon manchmal unterschiedliche Geschwindigkeiten aufeinander. Nichtsdestotrotz sind wir der Charité sehr dankbar für die tolle Zusammenarbeit.

In der EU ist Ihre App ein CE­zertifiziertes Medizinprodukt. Für Startups im Gesundheitsbereich sind solche Zertifizierungsverfahren angesichts knapper eigener Ressourcen mit viel Aufwand verbunden. Wie haben Sie diese Zertifizierung gemeistert?

Für uns war es eine große Entscheidung, dieses Thema anzugehen, da man als Start­up nicht weiß, worauf man sich einlässt. Doch letztendlich war es wichtig für uns zu zeigen, dass wir ein vertrauenswürdiges, wissenschaftlich basiertes Produkt haben. Deshalb haben wir beschlossen, dass eine CE-Zertifizierung Sinn macht. Währendessen haben wir dann gemerkt, dass viele Bedingungen, die für eine Zertifizierung erfüllt sein müssen, wie zum Beispiel ein hoher Anspruch an Datenschutz und bewusste Qualitätsmanagementprozesse, bei uns ohnehin bereits abgedeckt waren. Allerdings weiß man eben vor der Zertifizierung nicht, was einen tatsächlich erwartet. Wir hatten allerdings gute Partner, wie die mpP-­Group und den Bundesverband Internetmedizin, die uns bei der Durchführung unterstützt haben. Für uns hat sich die Zertifizierung allerdings auf jeden Fall gelohnt, weil es letztendlich mit weniger Aufwand verbunden war, als wir zuerst erwartet hatten und es uns bereits viele Türen geöffnet hat. 

Können Sie abschließend bitte noch folgenden Satz vervollständigen: Berlin ist…

... genau der richtige Ort für ein Start­up wie uns.

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Tanja Mühlhans

Leitung Kreativ- und Medienwirtschaft, Digitalwirtschaft, Projekt Zukunft

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