Sabrina van der Ley

Vom 18. bis zum 22. September wird das Messegelände zum Schauplatz des Art Forum Berlin 2004. Auf der internationalen Messe für Gegenwartskunst präsentieren Galerien und Editeure auf über fünftausend Quadratmetern ihre Stars und Newcomer. Vertreten sind sämtliche Medien künstlerischen Ausdrucks des 21. Jahrhunderts. Mit dem diesjährigen Fokus auf Berlin sollen Qualität und Internationalität, der Hauptstadt als Kunstproduktionsort unterstrichen werden. Projekt Zukunft sprach mit der Kunsthistorikerin und künstlerischen Leiterin des Art Forum Berlin über ihre Einschätzung zur Entwicklung des Berliner Kunstmarktes und der Etablierung Berlins als internationale Kunstmetropole.


Das Berliner Art Forum findet zum neunten Mal statt. Wo liegen die Unterschiede als Forum für junge nationale und internationale Kunst im Vergleich zu anderen Kunstmessen in Europa - oder lässt sich das Art Forum nicht vergleichen?
Es gibt in Kontinentaleuropa keine andere große Kunstmesse, die sich so vorrangig der Gegenwartskunst widmet wie das Art Forum Berlin. In unserem charakteristischen, kompakten Format warten 120 Galerien und Editeure aus 20 Ländern mit neuen Werken ihrer Stars und Neuentdeckungen auf. Wir bieten Ausstellern und Besuchern eine ideale Infrastruktur und ein perfektes Ambiente, das eher einer Kunsthalle ähnelt, als einer Messehalle.
Und wir legen großen Wert darauf, dass das Art Forum Berlin mehr ist als ein reiner Kunstmarkt: Kunst von "Kopf bis Fuß". Dazu gehören ortsbezogene Künstlerprojekte für die Ruhezonen und Lounges und ein breites Vermittlungsangebot mit täglichen Führungen und den zweimal täglich stattfindenden Art Forum Berlin Talks. Mit internationalen Fachleuten besetzt, geben diese den Messebesuchern die Gelegenheit, tiefer in die Materie des gegenwärtigen Kunstschaffens einzutauchen.


Was sind die Höhepunkte des Art Forum Berlin?
Ein besonderes Highlight ist unsere Sonderausstellung "Made in Berlin", ein Novum in diesem Jahr. Auf 1.100 Quadratmetern stellt Zdenek Felix, verdienter Ausstellungsmacher und Neu-Berliner, Werke von 42 "Berlinern" vor, die signifikant für die gegenwärtige künstlerische Auseinandersetzung sind. In der eigens neben dem Galerieparcours eingerichteten "Kunsthalle auf Zeit", finden Sie die wichtigen Protagonisten der hiesigen Szene, vor allem aber überrascht eine neue Generation in dieser Gruppenausstellung.
Im Galerienparcours darf man sich unter anderen freuen auf die Venedig Biennale-Teilnehmerin Ene-Liis Semper, Documenta-Teilnehmer Atlas Group, die Malerstars Neo Rauch, Matthias Weischer, Jonathan Messe, Daniel Richter und Lisa Ruyter sowie Martin Kippenberger, einem der einflussreichsten deutschen Künstler. Bald kein Geheimtipp mehr: Fotografie aus den nordischen Ländern u.a. Mette Tronvoll, Ola Kolehmainen und Nanna Hänninen. Aber natürlich auch Klassiker der Fotografie wie Lee Friedlander, Diane Arbus, Robert Mapplethorpe und Helmut Newton. In der Skulptur oder mit Installationen überzeugen unter anderen Heimo Zobernig, Manfred Pernice und Björn Dahlem. Film- oder Videohighlights sind Charles Sandison, Yang Fudong, Reynold Reynolds, Markus Schinwald und Aernout Mik.

 

Projekt Zukunft hat zur Auszeichnung der besten Stände auf dem Art Forum zwei Preise gestiftet. Mit der Auszeichnung wird je eine jüngere Galerie prämiert, der die Teilnahme am Art Forum Berlin durch günstigere Standmieten im Freestyle-Bereich ermöglicht wurde als auch ein etablierter Akteur der Galerienszene. Ist die Auszeichnung auch ein Beitrag zur Talentförderung?

Ja unbedingt und das gilt sowohl für den Nachwuchs als auch für die, die schon länger im Geschäft sind. Wir begrüßen diese Initiative von Projekt Zukunft sehr, denn mit diesen Preisen zeichnet das Land Berlin - als Gastgeber der internationalen Kunstszene - herausragende konzeptionelle Präsentationen von Galerien auf der Berliner Kunstmesse aus. Das setzt Zeichen und beflügelt einen konstruktiven, inhaltlich basierten Wettbewerb unter den Ausstellern. Mit der Auslobung der Preise für die besten Stände wird für die Galerien ein wertvoller Anreiz geschaffen, sich mit experimentellen und außergewöhnlichen Standgestaltungen zu profilieren oder im Falle der Freestyle-Stände noch weniger bekannte künstlerische Positionen einem breiten internationalen Publikum vorzustellen.

 

Mit dem diesjährigen Start der Berliner Kulturwirtschaftsinitiative durch Projekt Zukunft wurde der hohen Entwicklungsdynamik und überdurchschnittlichen Umsatzentwicklung in der Kulturwirtschaft Rechnung getragen. Manche Segmente tragen als kreativen Kern der Kulturwirtschaft auch zur Beschleunigung des wirtschaftlichen Strukturwandels und zur Profil- und Imagebildung des Standorts Berlin bei. Wie ist die Entwicklung des Berliner Kunstmarkts insbesondere der Galerien einzuschätzen?

Kunst "Made in Germany" und da meist "Made in Berlin" ist ein internationaler Exportschlager, sowohl am Markt als auch im Ausstellungsgeschehen der großen Museen, der Biennalen und der Documenta. Galerien und Künstler aus Berlin sind überall auf der Welt begehrt, auf diese "Berlin Botschafter" kann und muss man stolz sein. Der Markt "zu Hause" entwickelt sich kontinuierlich, aber langsam. Berlin und die Berliner sollten sich ein wenig mehr vom Fieber, das das Ausland ergriffen hat, anstecken lassen und sich vom exzellenten Angebot, dass die Berliner Kunstszene direkt vor der eigenen Haustür vorstellt, ein großes Stück abschneiden, sonst muss man künftig immer nach New York reisen, um dort Kunst aus Berlin zu sehen. Also lieber gleich aufmachen zum Art Forum Berlin oder zu den Galerien in Mitte oder Charlottenburg und selbst Kunst aus Berlin kaufen!

 

Berlin macht wieder mit spektakulären Ausstellungen wie "Das MoMA in Berlin" oder mit Wiedereröffnungen, wie der Berlinischen Galerie von sich reden. Kann sich Berlin als Kunstmetropole international etablieren?
Berlin ist bereits als Kunstmetropole etabliert, im Bereich der Gegenwartskunst wohl die wichtigste in ganz Europa und das ist maßgeblich den Galerien und den Künstlern in dieser Stadt zu verdanken, also den Hauptakteuren der privaten Kunstwirtschaft. Im institutionellen Bereich gibt es in letzter Zeit schöne Zuwächse, da kann aber noch nachgelegt werden, vor allem im Bereich der internationalen Kooperation. Zur wahren Kunstmetropole gehört aber auch ein breiter Sammlerkreis, also private Sammler, Firmensammlungen und Museen, dieser ganze Bereich kann noch deutlich wachsen. Ein Besuch auf dem Art Forum Berlin ist der perfekte Ort für Neuerwerbungen.