ZukunftsköpfeSara Fazilat © Constantin CampeanSara Fazilat © Constantin Campean

Sara Fazilat, Co-Autorin, Produzentin und Schauspielerin

Sara Fazilat erhielt in diesem Jahr den „No Fear Award“ für ihren Film „Nico“, der die Geschichte einer Deutsch-Perserin erzählt, die nach einem rassistischen Angriff beschließt, durch Kampfsport-Training nie wieder Opfer zu sein. Dabei setzt sie sich konsequent für ein diverses Frauenbild ein – vor und hinter der Kamera. Warum das Brechen mit Stereotypen so wichtig ist und wie sie sich für Women Empowerment & Emanzipation in der Filmbranche stark macht, erzählt Sara Fazilat im Interview mit Projekt Zukunft.

Der von Projekt Zukunft unterstützte „Deutsche Schauspielpreis“, der am 3. September in der Berliner Veranstaltungs-Location und dem Restaurant Spindler & Klatt verliehen wurde und sein zehnjähriges Jubiläum feierte, legte in diesem Jahr ebenfalls den Fokus auf die so wichtigen Themen „Diversity und FemEmpowerment“. So ging der Ehrenpreis Inspiration an die Kampagne „#ActOut“ und das Netzwerk „Queer Media Society“, die sich für die Akzeptanz und Anerkennung von lesbischen, schwulen und bisexuellen sowie transgender, queeren, intergeschlechtlichen und nichtbinären Personen in der Gesellschaft und der deutschsprachigen Film-, Fernseh- und Theaterbranche einsetzt und diese maßgeblich unterstützt.

Sie haben den „NO FEAR Award“ beim „First Steps Award 2021“ gewonnen – zunächst einmal, herzlichen Glückwunsch! Was bedeutet dieser Preis für Sie persönlich – und warum sind solche Würdigungen gerade für junge Filmemacher*innen wichtig?

Vielen Dank. Diese Auszeichnung bedeutet für mich die Anerkennung unserer Erzählweise und das Wertschätzen jeden Details. Ich persönlich habe mich schon über die Nominierung gefreut. Das Brechen mit Stereotypen war ein erklärtes Ziel, und der „NO FEAR Award“ ist ein Beweis, dass das gesehen und verstanden wird!

Half Ihnen der Preis dabei, neue Türen zu öffnen?

Der „NO FEAR Award“ ist Anerkennung, Krönung und – na klar – ein Multiplikator in der Wirkung. Wir werden sehen, was ich damit erreichen kann!

Nico beginnt sich zu wehren, findet aber vor allen Dingen zu sich selbst – eine Verwandlung, die Sie ebenfalls für sich entdeckt haben? 

Tatsächlich habe ich für den Film mit Karate begonnen. Die Ziegelsteine im Film habe ich selbst zerschlagen! Wie bei so vielem kam es auf meinen Willen und meine Motivation an. Und ja, es hat was ausgelöst: Ich bin drangeblieben, Karatetraining betreibe ich weiterhin. Mittlerweile habe ich den blauen Gürtel, ohne Corona wäre ich schon weiter.

Können sie auch noch kurz etwas über den Entstehungsprozess (eventuelle Hürden) erzählen? Schließlich schrieben Sie mit am Drehbuch, waren Produzentin und haben die Hauptrolle übernommen…

Ja, das war wirklich eine große Erfahrung: Eline Gehring als Regisseurin und Co-Autorin, Francy Fabritz als Kamerafrau und Co-Autorin und ich als Produzentin, Autorin und in der Hauptrolle haben ein starkes Trio gebildet: Geballt und in so vielen Funktionen unseren Film zu gestalten, war natürlich intensiv – und hat „Nico“ umso wertvoller werden lassen!

So setzen Sie sich (nicht nur im Film) für ein diverses Frauenbild ein, Stichwort Women Empowerment & Emanzipation. Offenbar noch lange keine Selbstverständlichkeit – was muss Ihrer Meinung nach hier noch getan werden?

Es ist sehr wichtig, verschiedene Vorbilder zu zeigen: Die Welt ist voller diverser Frauen.  Allerdings ist das noch immer nicht in der Film- und Medien-Landschaft angekommen. Egal, ob es um Haut- und Haarfarbe, Alter, Körperform, sexuelle Identität oder Beeinträchtigungen und unterschiedliche soziale Klassen geht. All diese Menschen spielen im echten Leben die Hauptrollen: Sie haben ihre Berechtigung und müssen endlich – auch im Film – gehört und sichtbar gemacht werden!

Seit 2020 sind Sie im Vorstand von „Pro Quote Film“ – hier machen Sie sich unter anderem für die 50-Prozent-Quote bei Frauen in der Filmbranche stark. Was konnten Sie bisher erreichen? Und welche Ziele liegen Ihnen hier persönlich am Herzen?

Eigentlich ist es ganz einfach: GLEICHBERECHTIGUNG. Leider ist der Weg dahin nicht so selbstverständlich. Deswegen setzten wir uns im Verein dafür ein, das zu erreichen.

Seit es den Verein gibt, damals noch „Pro Quote Regie“, gibt es mehr arbeitende Frauen in der Filmbranche, allerdings noch nicht zu gleichen Anteilen. Daran arbeiten wir. Statt uns ein Stück vom Kuchen zu teilen, wollen wir erreichen, 50 Prozent zu erhalten und diese 50 Prozent auf beiden Seiten mit wirklicher – diverser – Gesellschaft abzubilden.

Sie besuchen in Berlin die Deutsche Film- und Fernsehakademie, sind Sie hier bei Ihren Projekten auch immer unterstützt und gefördert worden?

Ich bin von der Schule immer unterstützt worden und jede*r von uns bekommt etwas Budget zur Herstellung der Filme. Allerdings haben wir hier keine klassische Filmförderung erhalten bei „Nico“.

Die DFFB hat uns in der Postproduktion unterstützt und viele Mitarbeiter*innen und Dozent*innen waren zur jeder Zeit für uns da. Ohne diese und jede andere einzelne Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen: Film macht man zusammen und im Team.

Was macht Berlin aus, für Künstler*innen und Lebenskünstler*innen und generell als Film- und TV-Standort?

In Berlin gibt es viele Möglichkeiten und man kann vieles ausprobieren, allerdings kann man sich darin auch verlieren. Es gibt viele Produktionsfirmen, die alle bemüht sind, die hiesige Förderanstalt zu überzeugen. Das macht den Standort anspruchsvoll.

Und abschließend: Wie sehen Ihre nächsten Pläne aus? Arbeiten Sie bereits am nächsten Filmprojekt, über das Sie uns schon etwas verraten können?

Ich bin gerade in Drehvorbereitung als Schauspielerin, habe zwei Filme in der Postproduktion und ein Drehbuch für einen Spielfilm und auch noch ein Serienkonzept in der Entwicklung. Langweilig wird mir garantiert nicht (lacht).

Vielen Dank, Frau Fazilat, für das Interview.