Katrin Tobies © TOA 2019 / Stefan WielandKatrin Tobies © TOA 2019 / Stefan Wieland

Was macht Projekt Zukunft?

Katrin Tobies ist die Ansprechpartnerin für Projekt Zukunft und Referentin für die Digitalwirtschaft. Im Interview mit dem EFRE (Europäischer Fonds für regionale Entwicklung), aus dem Projekt Zukunft kofinanziert wird, gibt sie einen Einblick in dessen Entwicklungen, Herausforderungen und Themenschwerpunkte. Sie spricht dabei auch über Digitalisierung, Startups und Cross Innovation.

Frau Tobies, könnten Sie uns bitte das Projekt Zukunft kurz vorstellen?

Projekt Zukunft ist die Initiative des Landes Berlins zur Förderung der Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft. Finanziert werden strukturverbessernde Maßnahmen, die den Wandel Berlins hin zu einer innovativen, kreativen und digitalen Wirtschaftsmetropole vorantreiben. Das umfasst Formate zur Vernetzung, Innovationsförderung, Vermarktung und internationalen Sichtbarkeit. Wir erarbeiten auch Strategien für den Standort, erstellen Bestandsaufnahmen und Potentialanalysen, ermitteln die Bedarfe der Branchen, entwickeln neue Förderinstrumente und bieten mit unserer Website eine umfassende Informationsplattform. Wir konzentrieren uns hierbei auf die potentialreichen, wachstumsstarken Handlungsfelder des Ökosystems: u.a. auf Open Data, IoT, Künstliche Intelligenz, Cyber Security, Breitband, Games, Virtual und Augmented Reality (VR/AR), die Musik-, Mode-, Design-, Werbe-, Kunst- und Verlagswirtschaft. Die Digitalisierung und damit einhergehend die Veränderung der Wertschöpfungsketten ist eine der größten Herausforderungen, die wir aktuell adressieren.

Was sind die Ziele, die Sie mit der Initiative in der aktuellen Förderperiode verfolgen?

Das Projekt Zukunft will die digitale Zukunft in all diesen Märkten gestalten – und tut es auch. Das übergeordnete Ziel ist, Wachstum und Beschäftigung im Berliner Cluster IKT, Medien, Kreativwirtschaft zu steigern. In der jetzigen Förderperiode geht es insbesondere darum, die Innovationskraft der Unternehmen zu stärken und deren Kooperationsaktivitäten auszubauen – sowohl innerhalb der einzelnen Teilmärkte als auch branchen- und clusterübergreifend. Denn gerade an den Schnittstellen der einzelnen Märkte entstehen neue, zukunftsweisende Geschäftsideen (Cross Innovation). Mein Ziel und meine Aufgabe ist es dabei, auch Querschnittsthemen wie Startups, Women in Tech und Innovationslabore zu integrieren, denn Innovationen benötigen neben technologischer Expertise vor allem auch Kreativität, Diversität und Freiraum.

Projekt Zukunft gilt als Treiber des digitalen Wandels und der Förderung von Innovation und Vernetzung der Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft in Berlin. Welche Projekte führen in die digitale Zukunft Berlins?

Da sind zum einen unsere Förderwettbewerbe zu nennen, mit denen wir junge Unternehmen und deren (digitale) Innovationen unterstützen. Zu den jüngsten Wettbewerben gehören der Deep Tech Award, der Digital Health Award und der Digivis Contest – Digitales sichtbar machen.

Zum anderen sind unsere vielen Vernetzungsmaßnahmen hervorzuheben. Sie alle verbessern die Kooperations- und Innovationsstrukturen in Berlin bedarfsorientiert und themenspezifisch. Ob Matchmakings, Speeddatings und Crossover Dinner zwischen Old und New Economy, ob Roundtable mit Inkubatoren, Female-Entrepreneurship-Initiativen oder Digitalagenturen, ob eigene Konferenzen wie der Berlin Open Data Day oder die Mitwirkung an zukunftsgerichteten Branchenevents wie der re:publica, dem Tech Open Air, der Future!Publish oder der Most Wanted: Music – Projekt Zukunft bringt digitale Köpfe und Innovatorinnen und Innovatoren über Clustergrenzen hinweg zusammen.

Darüber hinaus ebnen unsere Standortmarketing-Projekte den Weg in die digitale Zukunft. Denn sie schaffen Transparenz und internationale Sichtbarkeit über die Angebote in Berlin. Zu nennen sind z.B. unsere Übersicht mit Innovationslaboren, unsere Karte mit Coworking Spaces, Bestandsaufnahmen zur Gamesbranche, zu Music Tech oder VR/AR in Berlin, eine Datenbank für Breitbandbedarfe und natürlich unsere Kampagne für den Deep-Tech-Standort Berlin. Zu nennen sind auch die Berlin Art Week und die Berlin Fashion Week, die wir als internationale Plattformen der Vernetzung und Vermarktung unterstützen.

Wer profitiert von der Initiative und wie?

Davon profitieren in erster Linie alle Akteure des Clusters, aber auch die gesamte Stadt. Denn je mehr Zukunftsköpfe sich mit unserer Hilfe vernetzen, sichtbar werden und Unterstützung erfahren, umso mehr finden auch die besten Ideen zueinander und umso mehr trägt Projekt Zukunft dazu bei, Innovation, Wachstum und Beschäftigung in Berlin zu sichern. Hier blicken wir bereits auf viele positive Jahre zurück. Denn seit und Dank der Gründung von Projekt Zukunft im Jahr 1997 hat sich das Cluster IKT, Medien, Kreativwirtschaft zu einem der wirtschaftsstärksten Bereiche Berlins mit weltweiter Bedeutung entwickelt: heute erwirtschaften rund 38.400 Unternehmen des Clusters mit über 310.000 Beschäftigten jährlich einen Umsatz von fast 34 Mrd. Euro (Stand 2016/17).

Seit vielen Jahren initiiert Projekt Zukunft zahlreiche Förderwettbewerbe und vergibt Preise, die auch aus den Mitteln des EFRE kofinanziert werden. Was ist Ziel dieser Wettbewerbe und was gibt es über die jüngsten Verleihungen zu berichten?

Wir verfolgen das Ziel einer hohen Innovationsfähigkeit in Berlin und damit einer starken Wettbewerbsfähigkeit. Dazu gehört, die zukunftsfähigsten Startups und innovativsten Lösungen zu finden, diese sichtbar zu machen und in ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen. Wettbewerbe haben sich hier als ein sehr geeignetes Instrument herausgestellt. Der Fokus unserer Wettbewerbe liegt darauf, die digitale Transformation voranzutreiben – sowohl innerhalb der Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft als auch branchen- und clusterübergreifend. Zu unseren jüngsten Wettbewerben gehört z.B. der Deep Tech Award, der Technologien aus der IKT-Wirtschaft fördert. Mit dem Digital Health Award haben wir erstmals einen clusterübergreifenden Wettbewerb ausgelobt – mit sehr positiver Resonanz – und einen Beitrag zur Digitalisierung der Gesundheitswirtschaft geleistet. Zu erwähnen ist auch der Digivis Contest – Digitales sichtbar machen, der die digitale Transformation der Verlagsbranche in den Fokus rückte. Unsere Wettbewerbe richten sich dabei ganz gezielt an den Bedarfen der Branchen aus. Das ermöglicht uns, einzelne Handlungsfelder thematisch und strukturell sehr individuell zu unterstützen – eingebettet in ein ganzheitliches Portfolio an Fördermaßnahmen.

Projekt Zukunft hat Berlin schon jahrelang in der fortschreitenden Digitalisierung unterstützt. Was sind weitere Säulen, auf die Berlin bauen muss, um weiterhin ein führender Standort für den digitalen Wandel zu sein?

Abgesehen davon, dass wir auch künftig die technologischen Zukunftsfelder der IKT-Wirtschaft vorantreiben müssen, bleibt es enorm wichtig, die unglaublich innovative Berliner Kreativwirtschaft zu fördern. Studien belegen, dass jedes zweite Kreativunternehmen für Innovationen in anderen Branchen verantwortlich ist. Die Kreativwirtschaft spielt also eine Schlüsselrolle für die Dynamisierung der gesamten Wirtschaft und Gesellschaft. Dieses Potential gilt es, wie auch bisher, für die anderen Industrien zu aktivieren und auszubauen: in Gesundheitswirtschaft, Verkehr/Logistik/Mobilität, Energie, Smart City oder Industrieller Produktion. Das schließt auch ein, Aspekte wie Female Entrepreneurship, Inkubationsräume, Nachhaltigkeit, soziale Innovationen und ganz grundsätzlich die Förderung von Startups noch stärker zu berücksichtigen. Nur so stellen wir sicher, dass Berlin auch künftig zu den internationalen TOP-Metropolen für die digitale Transformation gehört und ein Magnet für junge Talente, innovative Querdenker, aufstrebende Startups sowie etablierte Unternehmen aus aller Welt bleibt.

Das Interview wurde für den EFRE-Newsletter geführt. Den gesamten Newsletter finden Sie hier.