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Was wurde aus: Selfapy?

Wer unter Depressionen leidet, muss oft lange auf einen Therapieplatz warten. Selfapy wollte mit seiner gleichnamigen App diese Versorgungslücke schließen und die Wartezeit überbrücken. Das Digital-Health-Start-up hat ein Online-Portal ins Leben gerufen, das eine neunwöchige Therapie über das Internet ermöglicht, begleitet von Psychologen am Telefon oder per Chat – und das komplett anonym.

Die Anfänge

Vor vier Jahren sind die drei Gründerinnen Katrin Bermbach, Nora Blum und Farina Schurzfeld mit Selfapy an den Start gegangen – ein Online-Kurs zur Behandlung von Depressionen war die Premiere. Später entwickelten sie auch Selbsthilfekurse für Patienten mit Magersucht, Burnout oder Angststörungen.

Das Angebot von Selfapy stieß von Beginn an auf großes Interesse bei den Krankenkassen. Bereits Anfang 2017 wurde der Selfapy-Stresspräventionskurs, der die Unterschiede von gesundem und krankmachendem Stress und Techniken zum Stressabbau vermittelt, von der Zentralen Prüfungsstelle Prävention zertifiziert. 2018 gewann das junge E-Health-Unternehmen den Healthy Hub und setzte sich somit gegen die insgesamt 77 Teilnehmer durch.

Vier Jahre später

Heute arbeitet das Unternehmen mit 13 Krankenversicherungen zusammen und knapp 20 Millionen Menschen erhalten Selfapys Online-Therapieprogramme kostenfrei. Über die Selfapy App können Nutzer verschiedene Online-Kurse buchen, die auf einer Verhaltenstherapie basieren. Die Kurse beinhalten Texte und Videos. Bei Bedarf kann ein Psychotherapeut dazu gebucht und die Sitzungen per Videochat gehalten werden: „Unser Programm umfasst neben den herkömmlichen Modulen für Nutzer auch die Möglichkeit, sich von unseren Psychologen durch das Programm begleiten zu lassen – per Chat, aber auch telefonisch. Wir haben bisher knapp 30.000 Menschen therapieren können und jede Woche kommen mehrere Hunderte dazu“, sagt Gründerin Farina Schurzfeld.

Darüber hinaus engagiert sich Selfapy auch im betrieblichen Gesundheitsmanagement und hat spezielle Angebote für Unternehmen entwickelt, wie Schurzfeld beschreibt: „Mit Hilfe unserer Online-Programme sowie unseres Psychologen-Teams begleiten wir Menschen mit Depressionen, haben aber auch Programme für Ängste, Stress und chronische Schmerzpatienten entwickelt.“

Millionenhilfen durch Investoren

Bislang kooperiert das Unternehmen mit Krankenkassen über Selektivverträge. Doch das kürzlich in Kraft getretene Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG) ermöglicht Selfapy, dass die gesetzlichen Kassen bestimmte Gesundheits-Apps auch ohne Selektivvertrag erstatten. Um sich darauf umfassend vorzubereiten, hat das Unternehmen insgesamt sechs Millionen Euro von Investoren erhalten: „Durch die Verabschiedung des DVG ist es sogar noch wichtiger, unser Online-Programm nach den höchsten medizinischen und wissenschaftlichen Standards zu entwickeln. Mit dem Engagement unserer Investoren können wir sicherstellen, dass die Produktqualität von Selfapy langfristig den höchsten Anforderungen entspricht und eine hohe Wirksamkeit aufweist“, so Schurzfeld.

Investoren wie die Beteiligungsgesellschaft SHS, Think.Health Ventures, VC Fonds Kreativwirtschaft Berlin und der High-Tech-Gründer-Fonds sind an der Sechs-Millionen-Finanzierungsrunde beteiligt.

Komplexe technische Lösungen durch ProFIT-Förderung

Bereits in der ersten Finanzierungsrunde wurde Selfapy durch das Förderprogramm ProFIT (Projektfinanzierung) durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe  finanziell unterstützt: „Wir haben die Gelder genutzt, um uns insbesondere technologisch weiter zu entwickeln. Denn dadurch konnten wir ein wirksames, digitales Therapieprogramm aufbauen, bei dem eine Individualisierung auf den Nutzer eine essentielle Rolle spielt. Diese komplexe technische Lösung und Infrastruktur hätten wir ohne die ProFIT-Förderung nie in Angriff nehmen können“, betont Farina Schurzfeld.

Selfapy in Zeiten von Corona

Im Zuge der Corona-Pandemie leiden viele Menschen unter psychosozialen Folgen wie Depressionen, Schlafmangel und Angstzuständen. Selfapy hat ein kostenloses Online-Programm entwickelt, das im gesamten deutschsprachigen Raum nutzbar ist: „Auch Menschen ohne vorherige psychische Belastung kann die aktuelle Situation beeinflussen.

So wirken sich soziale Isolation und eine eventuell fehlende Tagesstruktur auf unsere mentale Gesundheit aus. Unser Programm unterstützt Nutzer dabei, ihre Ressourcen nachhaltig zu stärken und Stresssituationen, beispielsweise mit Achtsamkeitstechniken, entgegenzuwirken.“ Das sofort nutzbare Online-Präventionsprogramm ist kostenlos und verfügbar auf selfapy.com/corona.

Außerdem bietet Selfapy eine Facebook-Gruppe, in der sich Menschen privat über ihre Emotionen austauschen können. Diese wird von Psychologen aus dem Selfapy-Team moderiert.

Ein Blick in die Zukunft

Wie die Erfolgsgeschichte weitergehen soll, verrät die Gründerin zum Schluss: „Unser Ziel ist es, dass jeder, der psychologische Unterstützung sucht, diese zeitnah und kostenfrei erhält. Kurzfristig werden wir unser Angebot auf andere Themen, wie beispielsweise posttraumatische Belastungsstörungen, ausweiten.

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