Was wurde ausMitgründer und Interviewpartner Tobias Eichenwald ©️ SenicMitgründer und Interviewpartner Tobias Eichenwald ©️ Senic

Was wurde aus: Senic?

2013 gründete Tobias Eichenwald mit seinen Mitstreitern Felix Christmann und Philip Michaelides das Smart Home Startup Senic in der gemeinsamen Wohnung in Berlin-Kreuzberg. In Kreuzberg ist das Unternehmen zwar immer noch ansässig, allerdings hat sich in den letzten sieben Jahren einiges geändert. So hat das Unternehmen heute mehr als 20 Mitarbeiter und ist um einige Prototypen, Erfahrungen und Entwicklungsmodelle reicher.

Ihr erstes Produkt war ein frei programmierbarer Controller für smarte Devices, wie zum Beispiel Thermostate, Licht und Lautsprecher, mit dem Namen NUIMO. Der Controller wird mit dem Smartphone oder dem Computer des Benutzers über Bluetooth verbunden. Damals profitierte Senic auch von der crowd for berlin TECH 4.0, die von der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe initiiert wurde. Über Crowdfunding können zunehmend Projekte finanziert und zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht werden. Darüber hinaus erhielt das Unternehmen auch eine Unterstützung im Rahmen von ProFIT, dem Förderprogramm das technologieorientierte Innovationen bezuschusst.

Einer der ersten Preisträger des Deep Tech Awards    

Für das Produkt NUIMO wurde Senic bereits im dritten Jahr nach der Gründung mit dem Deep Tech Award ausgezeichnet, der damals das erste Mal durch die Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung und dem IT-Branchenverband SIBB e. V. verliehen wurde.

NUIMO erfordere keine Internetverbindung, sodass die Datenkommunikation lokal im LAN erfolgen könne. Damit werden keine personalisierten Daten übertragen und dies sei ein wichtiger Aspekt, um Datenschutz und Datensicherheit zu garantieren, hieß es damals in der Jurybegründung. Bereits damals wurden dem Unternehmen ein hoher Innovationsgrad und großes Zukunftspotenzial bescheinigt.

Der Weg dorthin war allerdings nicht leicht – und begann mit einer simplen Beobachtung: Jeden Tag starren Menschen auf irgendwelche Screens oder checken mehrere Male in der Stunde ihr Smartphone. Diese Art der permanenten Interaktion zwischen Mensch und Technologie sei auf die Dauer schädlich, so Founder Tobias Eichenwald. Daher begab sich das Startup auf eine Mission: „Wir wollten ein nahtloses Smart-Home-Erlebnis schaffen, das den Menschen wieder in den Mittelpunkt stellt. Im Vergleich zu einer “Virtual Reality” glauben wir an eine “Enriched Reality”, in der Technologie genau diese Rolle erfüllt und die Welt um uns herum anreichert, ohne abzulenken. Unsere Produkte sind die Schritte auf dem Weg in diese Zukunft.“

Das Problem mit der Hardware

Ein großes Problem sei die Hardware gewesen, erzählt der Gründer rückblickend: „Es gab Höhen und Tiefen. Auch, wenn Deutschland für Hardware bekannt ist, gibt es leider wenige Investoren, die in Hardware investieren. Daher war das Thema lange für uns schwierig“, sagt Tobias Eichenwald. Während eine einfache App mit einem Entwickler und einem Designer innerhalb von zwei Monaten gebaut werden kann, muss für ein vergleichbares, niederkomplexes Hardware-/Software-Produkt eine Zeit von ca. 15 Monaten Entwicklungs- und Produktionszeit eingeplant werden.

Hinzu kommen noch enorme Kosten für Spritzgusswerkzeuge, Zertifizierungen, Materialien, Prototypen etc. Diese Stolpersteine gilt es bis heute zu überwinden. Doch mittlerweile finanziert sich das Unternehmen selbst und wächst kontinuierlich.

Lukrative Kooperation mit Gira

Bereits 2018 hat Senic eine Finanzierungsrunde in Höhe von vier Millionen US-Dollar abgeschlossen. So investierte beispielsweise der US-amerikanische Kapitalgeber Birchmere Ventures sowie die Münchner VC Target Partners. Gira, ein deutsches mittelständisches Unternehmen, ist ebenfalls seit zwei Jahren mit an Bord. Zusammen haben die beiden Unternehmen einen eigenen „Friends of Hue-Schalter“, einen smarten Lichtschalter, auf den Markt gebracht.

Der Schalter funktioniert ohne Kabel oder Batterie, denn dank der EnOcean-Technologie erzeugt jeder Klick genügend Energie, um ein Signal an die Hue Bridge zu senden. Das Setup geschieht über eine App – das Smartphone ist aber nicht notwendig, um den Schalter im täglichen Gebrauch zu steuern. Für 2021 sind weitere Neuerungen geplant, verrät Tobias Eichenwald. Längst sind auch die großen Player auf das innovative Startup an der Spree aufmerksam geworden: „Neben Gira arbeiten wir eng mit anderen Unternehmen wie Amazon, Apple, Philips Hue oder Sonos zusammen“, so Eichenwald und verspricht einige weitere großartige Neuerungen für das Jahr 2021.

Standort Berlin als ein Mekka für Gründer

Einmal Kreuzberg – immer Berlin. Auch, wenn das Team bunt gemischt und international ist, schwören die Gründer auf die deutsche Hauptstadt: „Berlin ist super. Freidenkend, international und ein toller Ort zum Leben“, sagt Tobias Eichenwald. Was allerdings mehr gebraucht werde, sind Leute, die nicht nur in einem „coolen Startup“ arbeiten wollen, sondern auch Ambitionen für große Dinge mitbringen: „Ideen werden aber nicht fertig geboren, sondern brauchen Zeit. Daher würde ich mir eine monatliche Auszahlung für Neugründer wünschen, die sie beispielsweise in die Miete investieren könnten.“

Eichenwald sieht zudem ein großes Potenzial im deutschen Mittelstand, wünscht sich aber auch noch mehr Unterstützung von der Politik: „Hier gibt es viel Kapital und das Bedürfnis nicht von der Digitalisierung abgehängt zu werden. Startups können helfen, aber es fehlt noch das richtige Format, damit es für beide Seiten passt. Mit Gira haben wir gemeinsam schon einige Dinge umsetzen können, die in die richtige Richtung gehen. Das ist aber erst der Anfang. Das Thema liegt mir am Herzen, daher biete ich sehr gern beiden Seiten meine Hilfe an.“

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