Zum Tanken an die Laterne

Kategorie: Zukunftsköpfe

© Ubitricity

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Auf diese Idee muss man erst kommen: anstatt an einer Zapfsäule an einer Laterne zu tanken. Das geht aber natürlich auch nur mit einem Elektroauto. Doch den batteriebetriebenen Autos gehört die Zukunft – das hat jetzt sogar die deutsche Autoindustrie verstanden und bringt in diesem Jahr einige Modelle auf den Markt.

Doch je mehr Elektroautos, desto mehr Strom braucht es. Erst zu Beginn des Jahres hat das Bundeswirtschaftsministerium (BWMi) bekannt gegeben, im Rahmen des „Sofortprogramms Saubere Luft 2017 bis 2020“ bis zu 1.000 neue Ladepunkte für E-Fahrzeuge im öffentlichen Raum und 600 im privaten Bereich von Berlin bereitzustellen.

Eingereicht wurde das Vorhaben unter anderem von Knut Hechtfischer und Frank Pawlitschek, die mit ihrem Startup Ubitricity eine weltweit einzigartige Lösung für das Laden von Elektrofahrzeugen entwickelt haben. Sie zapfen den Strom an Straßenlaternen an und rechnen ihn über einen Stromzähler ab. Diese clevere Lösung ist für Städte und Gemeinden günstiger, als auf einem ganzen Stadtgebiet neue Ladesäulen zu installieren. „Es ist sozusagen ein Stromvertrag für unterwegs“, sagt Pawlitschek und freut sich über die Vorreiterrolle: „Mit unserer intelligenten Lade- und Abrechnungslösung für E-Fahrzeuge setzen wir bereits jetzt das ‚Internet der Energiedinge’ um und gestalten so aktiv die Smart City von morgen mit.“

Für die Realisierung dieser kühnen Idee eignete sich die Stadt Berlin besonders gut. Ihre Idee entstand am EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg, wo über 3500 Menschen in mehr als 150 Unternehmen an Themen wie Energie, Mobilität und Nachhaltigkeit forschen. Vor zehn Jahren, als Frank Pawlitschek aus dem Silicon Valley in die Hauptstadt zurückkehrte, hatte der heute 43-jährige Jurist den Einfall für Ubitricity.

Berlin, London, die Welt

Inzwischen ist das Berliner Startup weltweit tätig und installiert nicht nur in den breiten Straßen der deutschen Hauptstadt ihre Strom-Zapfsäulen, sondern hat auch schon hunderte Laternen in London zu Ladepunkten umgerüstet. Seit August vergangenen Jahres kann Ubitricity seine Technologie in New York testen.

Ubitricity – der Zungenbrecher kombiniert übrigens die englischen Worte ubiquitous und electricity – will den Markt für E-Autos revolutionieren. Vor allem auch in der Heimat Deutschland. „Mit dem Dieselfahrverbot hat das Interesse der Städte zugenommen“, betont Pawlitschek. Doch künftig sollen nicht nur Laternen, sondern jegliche Art von Straßenmöbel umgerüstet werden, die eine Stromzufuhr bieten. Diese Installation ist mit rund 1000 Euro pro Umbau weitaus günstiger als eine komplett neue Ladesäule.

Einfache Abrechnung

Die Idee von Ubitricity ist aber im doppelten Sinne praktisch: Es können nicht nur etliche neue Ladepunkte in der Stadt entstehen, sondern auch die Abrechnung für den Nutzer gestaltet sich einfach. Es läuft nämlich wie bei einem Mobilfunkvertrag. Das, was man bezieht, zahlt man – mit dem SmartCable verbunden, auf die Kilowattstunde genau berechnet und ganz komfortabel gesteuert über eine App. Bei den Elektroautos von Tesla ist das System ähnlich: Schließt man das Auto an einen sogenannten Supercharger von Tesla an, wird eine kleine Gebühr erhoben.

Die simple Abrechnung ist eines der wichtigsten Verkaufsargumente von Ubitricity. „Die Abrechnung des Stromverbrauchs läuft nicht mehr über verschiedene Methoden und Anbieter – und das ist eine Erleichterung für den Konsumenten“, sagt Pawlischek. Denkbar wäre auch eine Flatrate für den Strombezug. Eine weitere Möglichkeit ist, dass Privatpersonen oder Unternehmen ein Kabel von Ubitricity irgendwo in der Stadt zur Verfügung stellen und dann damit Geld verdienen könnten.

Mit der Idee von Ubitricity wird klar: Die E-Mobilität wird noch viele Bereiche komplett umkrempeln und neue Geschäftsmodelle hervorbringen, die mit fossilen Brennstoffen oder auf analogen Abrechnungswegen undenkbar sind.

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