ZukunftsköpfeAdrian Krion, Managing Director Spielworks vor einem grünen HintergrundAdrian Krion, Managing Director Spielworks © Privat

Adrian Krion, Managing Director Spielworks

Blockchain und Gaming kombiniert – das gibt es, und zwar beim Berliner Unternehmen Spielworks und dessen Plattform Wombat. Adrian Krion ist Managing Director des Unternehmens und möchte gemeinsam mit seinen Kollegen Gamer*innen die Nutzung von Blockchain in Spielen näher bringen und zugänglich machen. Das große Ziel: Blockchain vollständig in die riesige Welt des Gamings zu integrieren. Mit der kürzlich realisierten Finanzierungsrunde ist Spielworks diesem Wunsch ein Stück näher gekommen. Im Interview erläutert Adrian Krion, wie das Konzept und die Plattform Wombat funktionieren, welche Pläne das Unternehmen hat und wie er die Zukunft von Berlin als Gaming- und Blockchain-Standort sieht.

Sie haben jüngst eine neue, siebenstellige Finanzierungsrunde realisiert, Glückwunsch dazu! Wie kam die Finanzierung zustande und welche Ziele haben Sie damit?

Vielen Dank! Wir sind glücklich und auch ein bisschen stolz. Neben unserem langfristigen Partner, der Volksbank Mittweida, wollten wir unbedingt eine*n strategische*n Partner*in, die/der auf das Wachstum des Ökosystems Wert legt. Das haben wir mit der Finlab und deren EOS VC Fund geschafft.

Wir haben bisher über 130.000 Nutzer*innen bei Wombat und sind eine der am schnellsten wachsenden Applikationen im Blockchain-Bereich. Jetzt wollen wir zeigen, dass unsere Konzepte massentauglich sind und wir sozusagen spielerisch das Thema Blockchain-basierte Güter einer weiten Zielgruppe zugänglich machen können.

Mit Spielworks und der Plattform Wombat kombinieren Sie Gaming und Blockchain-Technologie. Wie genau funktionieren das Konzept und die Plattform?

Im Kern geht es darum, Inhalte aus Spielen mit Hilfe der Blockchain zu echten Besitztümern der Spieler*innen zu machen. Wenn ich in einem Spiel wie World of Warcraft das sprichwörtliche Schwert habe, dann gehört das in der klassischen Welt nicht mir, sondern den Betreiber*innen des Spiels. Sollte ich also dieses Schwert verkaufen oder weitergeben wollen, so gibt es dafür aktuell keinen offiziellen Weg, also auch keinen, der von den Spielbetreiber*innen wirklich unterstützt wird.

Mit Wombat ermöglichen wir es nun Nutzer*innen, die noch nie mit Blockchain in Berührung gekommen sind, ihre digitalen Güter zu halten, zu verwalten und zu verwenden. Kernfunktion ist die Verwaltung der sog. privaten Schlüssel der User, die für die Benutzung einer Blockchain benötigt werden – und das auf eine Weise, die möglichst ohne technische Begrifflichkeiten oder komplizierte Prozesse auskommt.

Die Integration von Blockchain in Spielen sieht man nicht allzu häufig. Wie entstand die Idee dazu? Wie hat sich Ihr Team formiert?

Swen, der mit mir zusammen Spielworks Anfang 2018 gegründet hat (damals noch unter dem Namen CHAINWISE), war nach dem Verkauf seiner Cloud-Beratungsfirma auf der Suche nach dem nächsten Technologie-Hype. Ich steckte zu dem Zeitpunkt schon seit einiger Zeit tief im Thema Blockchain und Kryptowährungen. Wir haben 2018 dafür genutzt, mit Hilfe von Beratung den Markt zu sondieren und herauszufinden, in welchen Bereichen die Blockchain-Technologie am schnellsten angenommen werden würde. Gaming kristallisierte sich dabei heraus, weil Spieler*innen im Allgemeinen schon extrem an digitale Güter gewöhnt sind und mit der Blockchain die Möglichkeit bekommen, diese Güter auch außerhalb von Spielen zu verwenden.

Ihr Spiel Chain Clash startete im April dieses Jahres. Wie wurde das Spiel seitdem angenommen?

Das Spiel ist von der Aufmachung her sehr nischig, wir konzentrieren uns dort thematisch auf die Krypto-Welt. Dort wird das Spiel extrem gut angenommen, wir bewegen uns da auf Anhieb in den Top 5-10 des weltweiten Blockchain-Spiele-Marktes nach aktiven Nutzer*innen.

Wie wird sich die Gaming-Branche in Ihren Augen in den nächsten Jahren verändern? Wird Monetarisierung eine immer größere Rolle spielen?

Die Gaming-Branche ist bereits jetzt eine riesige Industrie mit weltweit über $ 120 Milliarden Umsatz pro Jahr. In einer Welt, die immer vernetzter ist und in der – auch durch die aktuelle Corona-Pandemie – immer mehr Menschen immer mehr Zeit in digitalen Welten verbringen, wird auch immer mehr Wertschöpfung im digitalen Raum stattfinden, also auch in Spielen. Die entstehenden digitalen Güter werden demnach auch immer wertvoller und wichtiger, sie brauchen also eine Absicherung durch entsprechend geeignete Technologien. Hier sehen wir Blockchain in einer Schlüsselrolle. Stellen Sie sich vor, dass etwa Spielgegenstände auch zu Anlageobjekten werden können, die dann auf Börsen gehandelt werden wie z. B. Kunst. Aus unserer Sicht ist Gaming dementsprechend nur der Anfang dieser Entwicklung.

Wie erleben Sie den Standort Berlin als Standort für Blockchain-Technologien?

Berlin bezeichnet sich selbst als eines der Zentren der Blockchain-Technologieentwicklung, und das zu Recht. Einige der größten und einflussreichsten Firmen aus der weltweiten Szene sitzen hier. Aus unserer Sicht liegt aber (noch) zu wenig Augenmerk auf der Entwicklung von Produkten, die bereits hier und heute ihren Usern einen echten Mehrnutzen liefern. Da kann Berlin sicher noch aufholen, zumal die Regulierung in Deutschland zwar recht strikt, aber mittlerweile doch einigermaßen deterministisch funktioniert.

Wie gut ist die Gamingszene der Hauptstadt vernetzt? Was wünschen Sie sich für die nächsten Jahre?

Berlin hat erstaunlich viele kleine und mittelgroße Entwicklungsstudios und auch der Verband der deutsche Games-Branche hat seinen Sitz hier. Die ganz großen Player sitzen allerdings woanders. Überhaupt hat Gaming in vielen Ländern, allen voran China und Südkorea, einen ganz anderen Stellenwert, als bei uns. Da wünsche ich mir mehr gesellschaftliche Akzeptanz des Spielens, auch außerhalb des Hobby-Elementes, z. B. im E-Sport. Da darf gerne auch von politischer Seite noch der ein oder andere Impuls ausgehen. Die Welle lässt sich nicht aufhalten, da sollten wir lieber versuchen vorne mitzuschwimmen, indem wir genau die Bedingungen schaffen, damit sich der Markt hier weiterentwickelt.

Vielen Dank für das Gespräch