Deep Dive© Holzmarkt© Holzmarkt

Deep Dive #19: Berlin als Hotspot sozial-ökologischer Innovationen

Die Kinder kommen vom Musikunterricht bei den „Berliner Stadtmusikanten“, nebenan proben Künstler*innen in ihren Studios. Während die einen im Restaurant Katerschmaus dem leiblichen Wohl frönen, genießen andere am Flachufer die letzten Sonnenstunden: Am Spreeufer an der Holzmarktstraße, gegenüber vom Ostbahnhof, befindet sich seit der Eröffnung im Jahr 2017 Berlins buntestes Stadtquartier Holzmarkt. „Unser Ziel mit dem Projekt Holzmarkt 25 ist es in erster Linie einen Ort zu gestalten, der sich an gemeinwirtschaftlicher Nutzung, nicht an Gewinnmaximierung orientiert. Deshalb haben wir auf einen großen Teil der möglichen Baumasse hier am Spreeufer verzichtet und stattdessen ein Spreeufer geschaffen, das der Öffentlichkeit gewidmet und aufwendig renaturiert wurde“, steht für Konstantin Krex von Holzmarkt der Mehrwert für die Stadt und ihre Bürger*innen im Vordergrund. „Ein Großteil der bebauten Flächen am Holzmarkt bietet nun Raum für Kunst und Kultur – ohne Verdrängungsdruck und prekäre Arbeitsverhältnisse.“ Doch das 18.000 Quadratmeter große Areal bietet weit mehr als „nur“ Unterhaltung: Mit einem Restaurant, einer Bäckerei, Konditorei und, einer Bierbrauerei, dem Nutzgarten „Mörchenpark“, einem Frisör, Händler*innen, Handwerker*innen und einer Kindertagesstätte liefert das Dorf etwas für jeden Geschmack. „Wir versuchen eine gute Mischung aus allen Bereichen zu etablieren und achten dabei vor allem auf Synergien im Quartier“, so Krex, „das heißt: die Bäckerei liefert dem Restaurant das Brot, die Artist*innen, die in unserer Halle trainieren, haben Auftritte im Säälchen, die Künstler*innen, die in unseren Studios ihre Musik produzieren, treten am Wochenende im Club auf und vieles mehr.“


Konstantin Krex, Öffentlichkeitsarbeit und Projektentwicklung bei Holzmarkt 25 eG © Holzmarkt

Fast 200 festangestellte Mitarbeitende sind im Holzmarkt beschäftigt. Deren Gehälter, die für das Grundstück fällige Erbpacht und die genossenschaftliche Finanzierung werden aus den Einnahmen generiert. „Ein großer Anteil geht auch in Gagen für Künstler*innen und die Pflege der öffentlichen Frei- und Grünflächen, die mehr als die Hälfte unseres Grundstücks ausmachen“, ergänzt Konstantin Krex: „Das Geld fließt also nicht ab, sondern finanziert die Projektidee und die Menschen, die sie ermöglichen. So, wie es die Satzung unserer Genossenschaft vorsieht.“ Es ist ein Modell, das sich während der Corona-Pandemie bewährt hat: „Wir haben es vor allem dank solidarischer Finanzierungspartner in der Genossenschaft und bei unseren Partnern wie der Umweltbank – und natürlich auch mit den Hilfen von Senat und Bund – geschafft, alle Mitarbeiter*innen zu halten“, so Krex. „Wir konnten an der Idee, den Ort vor allem für Kultur zu nutzen, festhalten und durch die vielen Außenflächen auf unserem Gelände war die meiste Zeit auch so etwas wie Gemeinschaft möglich.“ Für 2021 hofft er, dass am Holzmarkt „Konzerte, Theater und vielleicht sogar wieder eine Clubnacht möglich sind“. Berlin müsse nach der Pandemie wieder zu einem Ort werden, den Menschen aus aller Welt besuchen kommen, um sich hier inspirieren zu lassen oder eigene Projekte umzusetzen. „Dazu brauchen wir eine Kultur der Ermöglichung auf allen Ebenen“, meint er und fügt hinzu: „Besonders in der Verwaltung. Nicht „no because“, sondern „yes, if“, wie es der Stadtforscher Charles Landry mal sagte. Und von größter Wichtigkeit: wir brauchen Räume für Träume!

Rahmenbedingungen und Wirtschaftsförderung

Mit dieser Forderung nach einer „Kultur der Ermöglichung“ stößt die Genossenschaft Holzmarkt bei der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe (SenWEB) auf offene Ohren. Um Unternehmen der Sozialen Ökonomie Berlins zu unterstützen, erfolgte bereits im Oktober 2018 die Anpassung der durch die Investitionsbank Berlin (IBB) betreuten Wirtschaftsförderprogramme. Seither können auch Unternehmen, die mit ihren wirtschaftlichen Aktivitäten gemeinwohlorientierte Zwecke verfolgen und Werte wie Solidarität und Kooperation sowie nachhaltiges Wirtschaften in den Vordergrund stellen, von den Förderprogrammen profitieren. Ab dem 1. Juli 2021 können sie darüber hinaus das Förderprogramm „Coaching BONUS“ für den Aufbau innerbetrieblicher Kompetenzen in Anspruch nehmen. Gleichzeitig beteiligt sich die Förderbank mit einer Million Euro am neuen „European Social Innovation and Impact Fund“ (ESIIF). Auch die Auflage eines eigenen „Impact VC Fonds für Social Entrepreneurs“ mit einem Volumen von 30 Mio. Euro bereitet die IBB derzeit vor. Der neue Venture Capital Fonds wird von IBB Ventures (vormals IBB Beteiligungsgesellschaft mbH) verwaltet und richtet sich gezielt an Social Entrepreneurs, deren Unternehmen einen positiven, messbaren Beitrag zur Erreichung der Sustainable Development Goals der UN leisten. Der Fonds soll voraussichtlich Ende 2021 starten.

Die Öffnung der Förderprogramme ist aber nur ein erster, wichtiger Schritt: „Es fehlt weiterhin an Förderprogrammen und Finanzierungsangeboten, die auf die Bedürfnisse und Realität der Gründer*innen angepasst sind“, plädiert Afra Gloria Müller von der Interessenvertretung SEND(Social Entrepreneur Netzwerk Deutschland), die sich für bessere Rahmenbedingungen für Sozialunternehmen und damit ihrer rund 750 Mitglieder*innen einsetzt. Die Sozialunternehmen bräuchten zudem einen einfacheren Marktzugang, beispielsweise über die öffentliche Hand, die gezielt Vergabeverfahren nach sozial-ökologischen Kriterien ausrichten könnte. Auch benötige es mehr Räume und Inkubatoren zum Arbeiten für und Vernetzen von Sozialunternehmen. Räume bietet beispielsweise bereits das Impact Hub Berlin, welches als Coworking Space eine Heimat für zahlreiche Social Entrepreneurs dient und mit zwei Inkubatoren themenspezifische Anlaufstellen bietet. Auf der einen Seite ist „Feeding the City“, unterstützt von der „Bank of America“, ausgerichtet auf Geschäftsideen im Bereich nachhaltige Lebensmittelversorgung und -management in Städten. Andererseits bietet „Better Together“ einen Inkubator für die Entwicklung von Geschäftsmodellen, die Partnerschaft und zirkuläres Wirtschaften in den Mittelpunkt stellen. Dieser Inkubator wird im Rahmen des dritten Durchgangs des Berliner Startup Stipendiums (BSS)mit Mitteln der SenWEB und aus dem "Europäischen Sozialfonds (ESF)“ gefördert. Auch der „Soulincubator“ des Berliner Sozialunternehmens Soulbottle GmbH unterstützt als Projektträger im Rahmen des BSS junge Innovatoren dabei, ihre Lösungen für einen plastikfreien Planeten in die Tat umzusetzen. Der Bedarf an solchen Angeboten für Neu-Gründer*innen der Sozialen Ökonomie ist groß, so Müller. „Auch das Beratungsangebot zur Gründung und insbesondere der Skalierung von Social Entrepreneurships sollte ausgebaut werden“, ergänzt die Expertin. „Bisher hat sowohl eine angemessene Infrastruktur als auch die richtige Unterstützung von politischer Seite weitgehend gefehlt. All das soll sich mit dem jüngst gestarteten Projekt „Social Economy Berlin“ jetzt ändern.“


Afra Gloria Müller, Projektmanagerin Social Entrepreneurship Netzwerk Deutschland e.V. © SEND

Social Economy Berlin macht Berlin zum Hotspot

Die im September 2020 gegründete Plattform „Social Economy Berlin“ hat tatsächlich viel vor: Das von der SenWEB unterstützte Gemeinschaftsprojekt von SEND und dem Technologie-Netzwerk Berlin e.V., möchte Unternehmen mit Impact in Berlin stärken und sichtbarer machen. „Wir wollen die Soziale Ökonomie in Berlin weiter voranbringen. In ihr steckt großes Potenzial, um die nachhaltige und ökologische Transformation der Wirtschaft mit Innovationskraft voranzubringen“, sagte Wirtschaftssenatorin Ramona Pop, fügt hinzu: „Damit nimmt Berlin bei der Förderung der Sozialen Ökonomie eine Vorreiterrolle ein.“

Soziale Ökonomie ist bereits heute in der deutschen Bundeshauptstadt kein Nischenthema. Laut einer Studie der IBB sind rund 8.500 der derzeit etwa 180.000 Berliner Unternehmen als Sozialunternehmen tätig. Sie beschäftigen circa 185.000 sozialversicherungspflichtige Mitarbeiter*innen und damit 14 Prozent aller Beschäftigten Berlins. Diese erwirtschaften mit sieben Milliarden Euro rund 5,8 Prozent der Berliner Wirtschaftsleistung. Dieser, im Vergleich zum hohen Beschäftigungsanteil relativ niedrige Wert, spiegelt den Fokus auf soziale und ökologische Wirkungen der sozialen Unternehmen wider. Wie das Stadtquartier an der Spree verfolgen diese Unternehmen mit ihren wirtschaftlichen Aktivitäten gemeinwohlorientierte Zwecke und stellen Werte wie Solidarität und Kooperation sowie nachhaltiges Wirtschaften in den Vordergrund. Statt Gewinnmaximierung oder Wachstum geht es ihnen darum zu zeigen, dass Gemeinwohlorientierung und finanziell nachhaltiges Wirtschaften kein Widerspruch sind. Durch ihr unternehmerisches Handeln wollen sie soziale und nachhaltige Lösungen zu aktuellen gesellschaftlichen Herausforderungen herbeiführen. Das ist aber auch schon die einzige Gemeinsamkeit, denn die Vielfalt der Unternehmen der Sozialen Ökonomie kann sich sehen lassen:

Die bunte Welt der Sozialen Ökonomie

Ökologischer und soziale Nachhaltigkeit kombiniert AfB - social and green IT, Europas größtes gemeinnütziges IT-Unternehmen, seit Jahren erfolgreich unter einem Dach. „Wir haben uns auf Datenlöschung, Refurbishment und Weiterverkauf gebrauchter Firmen-Hardware spezialisiert,bringt AfB-Geschäftsführer Daniel Büchle das Konzept auf den Punkt.„Unser Geschäftsmodell basiert auf langfristigen Partnerschaften mit über 1.000 Unternehmen wie Siemens, Otto, SWR oder bertrandt, die ihre nicht mehr benötigten Geräte an uns verkaufen.“ Etwa 70 Prozent der übernommenen Geräte kann AfB wieder vermarkten. Die übrigen Geräte werden händisch zerlegt und fachgerecht recycelt. Damit hilft AfB seinen Partner-Firmen nachhaltiger zu werden, denn laut einer unabhängigen Ökobilanz-Studie der Klimaschutzorganisation myclimate konnten dadurch im letzten Jahr 43.2000 Tonnen COeingespart werden. (Zum Vergleich: Die Herstelltung eines Laptops verbraucht circa 63 Kilogramm CO2e pro Jahr.) Außerdem wurden 300 Mio. Liter Wasser, 170.400 MwH Energie und 24.700 Tonnen Rohstoffe im Vergleich zur Neuproduktion vermieden. Zusätzlich profitieren die Partner bei der Sicherheit ihrer Firmendaten als auch bei ihrem sozial-ökologischem Engagement, denn AfB steht nicht umsonst für „Arbeit für Menschen mit Behinderung“: Alle Prozessschritte sind barrierefrei, denn bei AfB arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung Hand in Hand.Inklusion ist bei uns nicht die Ausnahme, sondern Normalität: 45 Prozent unserer europaweit 500 Mitarbeitenden sind schwerbehindert“, erklärt Unternehmenssprecherin Sina Grimm. „Langfristigwollen wir 500 Arbeitsplätze für Menschen mit Behinderung schaffen – aktuell sind wir bei etwa 230. Wir sind also auf einem guten Weg.“ Für diesen Erfolg wurde der IT-Refurbisher erstmalig 2012 und dann im Jahr 2021 zum zweiten Mal mit dem deutschen Nachhaltigkeitspreis ausgezeichnet.


Notebook Refurbishment © Tina Umlauf

Auf einem ähnlich guten Weg ist auch Christina Wille. Ein Praktikum bei der Detox-Kampagne der NGO-Greenpeace und ihr Job als Store Managerin bei Deargoods brachten die Wahl-Berlinerin auf die Idee, ihr eigenes Unternehmen zu gründen und so die „zweitschmutzigste Industrie der Welt“ - die Textilwirtschaft - zum Besseren zu verändern: 2014 eröffnete sie den ersten Loveco Shop in Berlin-Friedrichshain. 2016 folgte der Onlineshop und 2017 ein Geschäft für vegane Schuhmode in Berlin-Kreuzberg. Der dritte Loveco Shop öffnete im September 2018 als weiterer Concept Store für vegane Mode in Berlin-Schöneberg seine Türen. „Unser Konzept basiert auf den drei Säulen eco, fair und vegan. Unsere Kleidung schützt Umwelt, Mensch und Tier. Diese drei Aspekte sind uns wichtig und gehören nach unserem Verständnis zusammen! Wir vertreiben nur Mode aus Materialien, die langlebig, ökologisch und pflegeleicht sind“, erklärt die Gründerin und Geschäftsführerin, die 2020 als Berliner Unternehmerin des Jahres ausgezeichnet wurde. Dass die über 60 Labels aus ganz Europa ihren strengen Kritikern entsprechen, das klärt Wille vor der ersten Bestellung im persönlichen Kontakt und durch Vor-Ort-Besuche. Doch nicht nur bei ihren Waren achten die Unternehmerin und ihr 20-köpfiges Team auf Nachhaltigkeit: Das gemeinwohlorientierte Unternehmen hat den Anspruch, die „Gesellschaft fair zu gestalten“. Loveco setzt sich deshalb aktiv für Tier- und Umweltschutz, insbesondere aber auch menschenfreundliche Arbeitsbedingungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein. Außerdem versendet Loveco seine Online-Bestellungen in recycelten Kartons klimaneutral mit DHL Go Green; die Läden sind mit Upcycling- oder Second Hand Möbeln eingerichtet, Strom kommt vom Ökostromanbieter Polarstern Energie und die Finanzen werden über die soziale Genossenschaftsbank GLS geregelt.


Christina Wille, Gründerin Loveco © Nora Dal Cero

Soziale Ökonomie: Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten

Nicht nur bei der Wahl der Partner*innen setzen Unternehmen der Sozialen Ökonomie auf „Gleichgesinnte“. So unterstützt das nachhaltige Medienunternehmen sinnwerkstattbereits seit 2010 verantwortungsvolle Unternehmen in der medienwirksamen Kommunikation ihrer sozial-ökologischen Aktivitäten und Projekte. Noah Italian vegan shoes, die nachhaltige Suchmaschine Ecosia, WWF, Start Green oder das Sozialunternehmen Quartiermeister Bier für den Kiez hat das Team rund um Geschäftsführer und Mitgründer Ian Delù bereits medienwirksam in Szene gesetzt. Marc Tort Bielefeld hat sich mit seinem Ein-Mann-Unternehmen SpatzInDerHand.de hingegen auf ein Medium fokussiert, um Botschaften sozialer Unternehmen ins Rampenlicht zu rücken: Seit 2017 produziert er nachhaltige Werbefilme. Statt (Ressourcen)aufwendige und klimaschädigende Videos zu drehen, greift er für seine Werbefilme auf bereits vorhandene Materialien zurück: „Die Idee zu Spatz habe ich aus meiner Zeit in einer großen Postproduktion“, erzählt der Unternehmer. „Bei vielen Werbefilmproduktionen ist es so, dass mehrere Agenturen um einen Auftrag pitchen und eigens dazu bereits „Mood-Filme" anfertigen. Diese erzählen bereits audiovisuell das Konzept, bestehen jedoch aus Material, das nicht lizenziert werden kann (wie Spielfilme oder andere Werbespots) und sind nur für interne Zwecke nutzbar. Gewinnt eine Agentur den Pitch, wird der Mood häufig Einstellung für Einstellung nachgedreht und erreicht häufig trotzdem nicht die Qualität des Originals.“ Marc Tort Bielefeld hingegen erspart sich den Dreh und verwendet schon beim Mood bereits vorhandenesMaterial wie Stock-Footage, das auch für externe Zwecke nutzbar ist. „So entfallen viele weitere Arbeitsschritte, inklusive der begleitenden Umweltbelastung, und die Kund*innen bekommen genau den Film, den sie möchten“, bringt er es auf den Punkt. Inzwischen hat sich der findige Berliner Filmtechniken erarbeitet, um aufwendige Dreharbeiten völlig obsolet zu machen. „Im besten Fall verwerte ich bereits bestehendes Material von meinen Kund*innen selbst“, so der Gründer. „Ich verfüge aber auch über ein Stock-Archiv. In letzter Zeit erarbeite ich auch Wege, wie Kund*innen selbst zu Kamerafrauen- und Männern werden – mit dem Smartphone hat ja fast jede/jeder eine passable Kamera zur Hand. Diese vorhandene Ressource nutze ich also gerne für meine Projekte.“ Zu seinen Kunden zählen etwa die Plattform Go Volunteer, die soziale Projekte mit Freiwilligen zusammenbringt, oder die Familien und Bildung fördernde KK Stiftung. „Seit 2020 arbeite ich tatsächlich nur noch mit Kund*innen, deren Werte ich teile“, betont Marc Tort Bielefeld. „Das ist ein großer Meilenstein für mich! Momentan arbeite ich an einem Video für AfB."


Marc Tort Bielefeld, Gründer SpatzInDerHand.de © SpatzInDerHand.de

Plattform für die Soziale Ökonomie in Berlin

Ob sich der nachhaltige Videoproduzent und der IT-Refurbisher über SEND kennengelernt haben, ist nicht bekannt. Für Marc Tort Bielefeld ist die Mitgliedschaft beim Netzwerk jedenfalls eine gute Gelegenheit, sich mit anderen Sozial-Unternehmer*innen zu vernetzen. Mit dem Projekt Social Economy Berlin ist jetzt eine weitere Anlaufstelle für ihn und Gleichgesinnte, aber auch für Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Zivilgesellschaft dazugekommen. „Neben dem Aufbau dieser Anlaufstelle konnten wir seit Beginn des Projekts im Sommer 2020 einige Veranstaltungen, unter anderem die „Social Economy Berlin Konferenz“ mit über 500 Gäst*innen, durchführen. Aufgrund der Pandemie bisher fast ausschließlich digital“, berichtet Afra Gloria Müller, Projektmanagerin von „Social Economy Berlin“. Weitere Vernetzungstreffen und Fachworkshops für die Community und Interessierte sind geplant. „Des Weiteren bieten wir (Vor-)Gründungsberatung an, die von Gründer*innen kostenlos in Anspruch genommen werden kann. Zudem planen wir noch in diesem Jahr ein Grundseminar für klassische Berater*innen, die zukünftig Sozialunternehmer*innen in der Gründung begleiten sollen/wollen, anzubieten.“
Das Projekt ist zwar derzeit auf Ende 2021 befristet, doch Müller hofft, dass die Unterstützungsstruktur nachhaltig angelegt sei und die Angebote dadurch bestehen bleiben, damit Berlin seinen „Platz als Hotspot für Sozialunternehmen in der EU ausbauen“ könne.

In der Themenreihe “Deep Dive” gibt Projekt Zukunft regelmäßig Einblicke in aktuelle Technologien der Digital-, Medien- und Kreativwirtschaft und informiert über Akteure, Trends und Anwendungen aus Berlin.