© Comtravo GmbH © Comtravo GmbH

Robert Anders von Comtravo

Eine umfassende Geschäftsreise-Lösung für Unternehmen: Das ist das Berliner Startup Comtravo. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz vereinfacht das Unternehmen das Leben von Reisenden, Buchenden und Buchhaltern. Mit Hilfe des Technologieförderprogramms „Pro FIT“ der Investitionsbank Berlin konnte das Unternehmen komplett neue technologische Entwicklungen für sein System vorantreiben.

Robert Anders, Head of Sales, sieht bei Comtravo viel Wachstumspotenzial und denkt bereits über Sprachassistenten nach.

Sie wollen mit künstlicher Intelligenz die Welt der Geschäftsreisenden revolutionieren – erklären Sie uns Ihr Geschäftsmodell?

Comtravo vereinfacht das Buchen von Geschäftsreisen: Mit nur einer Textnachricht, beispielsweise per E-Mail, kann eine komplette Reise sekundenschnell gebucht werden. Comtravos Software übersetzt die Anfrage durch ‚Natural Language Processing’ in strukturierte Daten und liefert dann mit Hilfe von Machine Learning-Ansätzen die besten, individuell zugeschnittenen Optionen. Der Kunde kann seine favorisierten Reisebausteine mit einem Klick buchen. Comtravos Reise-Experten können sich voll und ganz auf die komplexeren Anliegen und Bedürfnisse der Kunden fokussieren. Und der Kunde erhält sowohl den persönlichen Service eines klassischen Reisebüros als auch die Effizienz eines Online-Tools.

Wie sind Sie persönlich zu Comtravo gestoßen?

Ich war auf der Suche nach einem dynamischen Unternehmen, wo ich großes Wachstumspotential sehe und viel Verantwortung tragen kann. Da ich dazu in meinen vorherigen Unternehmen bereits eine Vielzahl an Erfahrungen im Tourismus und B2B-Vertrieb gesammelt habe, hat Comtravo einfach perfekt gepasst.

Wie viele Unternehmen nutzen den Service bereits? 

Aktuell hat Comtravo über 350 mittelständische Unternehmen als Kunden. Dazu zählen unter anderem Viessmann, Hello Fresh, Home24 oder die BMW Open.

Per Nachricht zum Ticket – so einfach lässt sich eine Geschäftsreise heute buchen?  

Ja. Zum einen durch den Einsatz unserer Technologie und zum anderen durch die Unterstützung unseres Reiseexperten-Teams bei komplizierten Anfragen. So stellen wir für den Kunden immer ein perfektes und auf seine Bedürfnisse optimiertes Ergebnis sicher.

Dabei setzen Sie auf das sogenannte Natural Language Processing – das Textanfragen (E-Mails) in strukturierte Daten umwandelt – wie genau funktioniert das?

Natural Language Processing ist eine Technologie im Bereich der Künstlichen Intelligenz, die eine Verknüpfung von Linguistik und Computerwissenschaften – also von Mensch und Maschine – zum Ziel hat. Unsere Software bekommt hierbei einen “first look” auf jede ankommende Nachricht und entscheidet dann, basierend auf der Konfidenz, dass Sie die Nachricht richtig versteht, ob diese automatische weitergeleitet wird oder nochmal ein Agent darauf schauen muss.

Der erste Schritt für eine erfolgreiche NLP-Technologie ist eine funktionierende Texterkennung, d. h. das Erkennen von geschriebener, natürlicher Sprache. Dabei geht es sowohl um die Erkennung von einzelnen Worten, aber auch um das Verstehen von ganzen Sachverhalten. Um diese verstehen zu können, nutzt NLP Algorithmen, die auf Machine Learning-Ansätzen basieren. 

Können Sie etwas zum Technologieförderprogramm Pro Fit sagen?  

Wir haben uns sehr gefreut die Förderung der IBB zu erhalten, da wir sehr viel in neue, oft risikoreiche Technologie investieren. Pro Fit fördert bei uns speziell einen Teil der NLP-Technologie, die es weltweit so noch nirgendwo gibt. 

Wie behaupten Sie sich gegenüber der Konkurrenz? Oder besetzen Sie mit Ihrer Geschäftsidee noch immer eine Nische?

Gegenüber unserer Konkurrenz behaupten wir uns durch den Einsatz neuartiger Technologien. 50 Prozent der Buchungen, die bei traditionellen Reiseagenturen manuell passieren, kann unser virtueller Travel Agent automatisch abwickeln. Dadurch können Einsparungen in vergleichbarer Höhe erzielt werden. Hinzu kommt, dass die Fehlerquote bei automatischen Buchungen geringer ist als bei manuellen; falls es zu Fehlern kommt, können diese systematisch behoben werden. Insgesamt ermöglichen wir also ein deutlich angenehmeres Buchungsverhalten als im klassischen Geschäftsreisebüro.

Haben Sie vor, Ihr Geschäftsmodell auch irgendwann auf Privatreisen auszuweiten? 

Ein weiteres Einsatzfeld unserer Technologie wäre definitiv der B2C-Bereich. Allerdings lassen sich im B2C-Bereich wesentlich schwieriger konkrete Muster – also z. B. ein wiederholtes Auftreten von bestimmten Reisetätigkeiten – erkennen. Dadurch wird das Machine Learning erschwert. Da wir manuellen Aufwand stark reduzieren und wir die Automatisierung unser Buchung immer stärker ausweiten, werden wir uns deshalb zunächst auf den B2B fokussieren. 

Wo sehen Sie Comtravo in fünf Jahren?

Wie bereits erwähnt, stellt der B2C-Bereich für die Zukunft natürlich einen attraktiven zusätzlichen Umsatz-Kanal dar. Außerdem werden wir zukünftig über einen noch internationaleren Markteintritt nachdenken. Die Reisebuchung über Sprachassistenten wie Alexa, Google Home und Siri könnte auch ein spannendes Feld werden.

Berlin behauptet sich als Startup-Hauptstadt – warum kommen Ihrer Meinung nach so viele Gründer nach Berlin?

Berlins Mietpreise sind vergleichsweise immer noch niedrig. Außerdem sind bereits viele Startups in Berlin situiert, so dass Unternehmen von einem guten Netzwerk an Experten und Investoren profitieren. Außerdem ist Berlin die wahrscheinlich internationalste Stadt Deutschlands, was natürlich Talente aus der ganzen Welt anzieht.

Was mögen Sie persönlich an der Stadt?

Ich schätze und nutze die Vielzahl an Events im beruflichen und privaten Bereich. Da sind wir in Europa sicher ganz vorne dabei. Ich lebe seit zehn Jahren im Prenzlauer Berg und liebe hier die Familienfreundlichkeit und Gastronomie.

Zu guter Letzt: Könnten Sie bitte folgenden Satz vervollständigen: „Berlin ist…“

… die aufregendste Stadt Europas und bietet jedem Stadtbewohner unzählige Abenteuer und Möglichkeiten sich zu entfalten.

Bild © Comtravo GmbH

 

 

author
Tanja Mühlhans

Leitung Kreativ- und Medienwirtschaft, Digitalwirtschaft, Projekt Zukunft

Email