ZukunftsköpfeStephan Noller, CEO Ubirch GmbH © Ubirch GmbHStephan Noller, CEO Ubirch GmbH © Ubirch GmbH

Stephan Noller, Gründer und CEO der Ubirch GmbH

Das Kölner Cybersecurity-Unternehmen Ubirch wurde 2016 von Stephan Noller, Digitalunternehmer aus Köln, Psychologe und vierfacher Vater, gegründet. Noller hegte schon seit vielen Jahren eine Leidenschaft für das Internet of Things – und setzte seine Passion kurzerhand in die Tat um.

Das in Köln beheimatete Unternehmen, mit Standorten in Berlin, München, Dubai und Tel Aviv, ist Spezialist für Blockchain-basierte Cybersecurity-Technologie. Das Team besteht aus erfahrenen Spezialist*innen für Kryptografie, Blockchain und datengetriebene Geschäftsmodelle. Gemeinsam mit IBM, govdigital und Bechtle entwickelt das Kölner Unternehmen den „digitalen COVID-Impfnachweis“ für Deutschland.

Herr Noller, Ihre Firma entwickelt in einem Konsortium aus namhaften Unternehmen den digitalen Impfnachweis für Deutschland. Wie kam es dazu?

„Mit unserer Ubirch-Lösung haben wir uns zunächst an Unternehmen aus den Bereichen Industrie, Smart Cities, Versicherungen und Energieversorgung gewandt. Auch den Healthcare-Bereich hatten wir im Blick, allerdings nicht als Top-Priorität. Doch dann kam Corona – viele Geschäftssegmente implodierten. Statt aufzugeben, haben wir uns darum bemüht, einen sinnvollen Beitrag zu leisten, um die Pandemie zu überwinden – und waren dabei erfolgreich. Zusammen mit Partner*innen haben wir ein datenschutzfreundliches System entwickelt, das mit Hilfe von Kryptografie und Blockchain-Technologie eine konsequente Digitalisierung des Corona-Status ermöglicht. Damit können Bürger*innen einen Nachweis über ihren Corona-Teststatus oder eine Impfung digital mit sich führen und bei Bedarf vorzeigen, etwa beim Antreten einer Reise. Ein verlässlicher digitaler Corona-Status ist essenziell, um die Krise schnell und intelligent zu meistern.“

Wie bekomme ich denn so ein „digitales Corona-Testzertifikat“?

„Jemand macht den Corona-Test. Das Labor erfasst dafür die persönlichen Daten, prüft das Sample und wertet das Ergebnis aus. Noch im Labor wird aus den Daten und einer nur der Testperson zugänglichen Zufallszahl – einem Secret – ein anonymer, digitaler Fingerabdruck erzeugt. Dieser wird vom Labor kryptografisch signiert und dann aggregiert von Ubirch in mehreren Blockchains als unveränderbarer Nachweis hinterlegt. Die Daten selbst werden nicht übertragen und es sind zu keinem Zeitpunkt personenbezogene Daten oder Gesundheitsdaten in der Blockchain sichtbar. Damit ist die Lösung DSGVO-konform und entspricht höchsten Datenschutzanforderungen. Das Labor stellt der getesteten Person das Ergebnis in digitaler Form zur Verfügung sowie codiert und digital lesbar in Form eines QR-Codes. Entscheidend ist, dass nur die getestete Person über diesen QR-Code verfügt.“

Blockchain und IoT – bei Ubirch treffen also zwei hochkomplexe Themengebiete aufeinander. Wie würden Sie einem Tech-Laien erklären, was genau Ubirch eigentlich anbietet?

„Im Grunde ist das gar nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick erscheint. Wir sorgen dafür, dass die Daten von drahtlos vernetzten Geräten mit Hilfe von Kryptographie geschützt werden. Das heißt, IoT-Devices können mit unserer Technologie eingehende Daten verifizieren, bevor sie diese verarbeiten. So funktioniert das zum Beispiel bei Schaltbefehlen in einem Wasserkraftwerk. Oder umgekehrt, wenn Geräte Daten aussenden, wie es beispielsweise bei einem Frost-Sensor auf einem Acker der Fall ist, dann können diese Daten vor dem Versand an das Empfänger-Gerät von Ubirch digital versiegelt werden.“

Wie geht es für Ubirch nach der Pandemie weiter?

„Es hat keine vier Wochen gedauert, bis wir den ersten Kunden von unserem digitalen Testzertifikat überzeugen konnten. Inzwischen sind viele neue Interessenten aus dem In- und Ausland dazugekommen. Ich bin davon überzeugt, dass die Anwendung zur Blaupause für die fortschreitende Digitalisierung von Daten im Gesundheitswesen und anderen Branchen werden kann. Das Konzept lässt sich leicht auch auf andere medizinische Angebote übertragen. Die Pandemie hat hier einen Prozess beschleunigt. Ubirch ist für die Zeit nach Corona gut gerüstet.“

Neben München und Köln haben Sie auch einen Standort in Berlin – warum war Ihnen das wichtig?

„Wir möchten dort präsent sein, wo unsere Kund*innen sind. Berlin ist ein wichtiger Standort für uns, weil dort die Tech-Szene brummt, was viele Fachkräfte und top ausgebildete Entwickler*innen anlockt. In München sind die meisten börsennotierten Unternehmen in Deutschland ansässig. In der Medienstadt Köln sind viele Kreative zu Hause. Grundsätzlich funktioniert unser Recruiting übrigens standortunabhängig. Das war auch schon vor der Pandemie so. Wir suchen überall nach neuen Talenten, denn in einer digitalen Welt kann von überall gearbeitet werden.“

Wird Berlin nach dem Ende der Pandemie wieder zu der pulsierenden Startup-Metropole und neue Gründer*innen anziehen?

„Ich kann nicht wirklich beurteilen, ob die Pandemie den Pulsschlag der Berliner Startup-Szene wirklich verlangsamt hat. Grundsätzlich sollte man als Gründer*in beweglich bleiben und gewillt sein, sich an veränderte Gegebenheiten anzupassen. Außerdem braucht man Beharrlichkeit und darf eine gute Idee nicht aufgeben, auch wenn’s mal schwierig wird.“